Verliebt schon nach dem ersten Tanz

Ilse und Joachim Sonntag aus Sohl feiern heute ihre Eiserne Hochzeit. Gefunkt hat es einst bei der Kirmes in Mühlhausen.

Sohl.

Zum 85. Geburtstag im letzten Dezember bekam Ilse Sonntag von ihren Lieben unter anderem ein rotes Herz geschenkt. Darauf diese Zeilen: "Jeder schöne Augenblick, den wir erleben, ist eine Perle, die wir auf die Kette unseres Lebens fädeln. Und jeder Moment, den wir genießen, macht unsere Kette ein kleines bisschen kostbarer." Worte, die auch für das gemeinsame Leben von Ilse Sonntag und ihrem Mann Joachim (86) stehen können.

"Wo sind nur die vielen Jahre geblieben?" fragen sich die Jubilare, wenn sie ihr Hochzeitsbild vom 24. Oktober 1953 zur Hand nehmen und anschauen: zwei junge, wundervolle Menschen, beide noch mit schwarzem und gelocktem Haar, ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Es spricht Liebe aus den Gesichtern, die in den zurückliegenden 65 Jahren nicht gewichen ist. An keinem der 23.741 Tage, die seitdem vergangen sind. Joachim Sonntag kann sich noch gut daran erinnern, als sei es erst gestern gewesen, wie er mit dem Fahrrad von Oberbrambach zur Kirmes nach Mühlhausen strampelte und dort seinem Engel begegnete. Auch um sie war es schon nach dem ersten Tanz geschehen und trotzdem ließ sie ihn noch ein wenig zappeln. Er oder kein anderer, sie oder keine andere.

65 gemeinsame Jahre - mit Hügeln und Senken, wie die vogtländische Heimat ringsum. "Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer das von seiner Ehe sagt, der schwindelt doch. Wenn es zwischen uns mal knirschte, war das aber immer schnell vergessen", darin sind sich Joachim und Ilse Sonntag bis heute einig. Zum Schönen zählen Erinnerungen an viele Urlaubstage an der Ostsee und die Freude darüber, trotz mancher Mühe und Entbehrung 1971 den Bau des gemeinsamen Haues geschafft zu haben. Natürlich auch Sohn Uwe und seine Frau Ramona, die drei Enkel und fünf Urenkel. Bis heute nicht gewichen ist der Schmerz um ihre Tochter Heidrun, die ihnen vom Krebs fortgerissen wurde.

Joachim Sonntag unterrichtete an der Musikschule in Bad Brambach und Adorf und leitete viele Jahre die Feuerwehrkapelle Sohl. Dafür wurde er 2003 mit dem Bürgerpreis von Bad Elster, die "Große Elster", geehrt. "Einen Orden habe ich nie bekommen", ist Ilse Sonntag nicht traurig, sondern stolz, "aber dafür einen guten Mann." Joachim und Ilse Sonntag sind zufrieden trotz einiger Leiden im betagten Alter und vor allem glücklich, dass sie einander noch haben, "weil das vielen anderen Ehepaaren nicht mehr vergönnt ist".

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