Verschwiegen: Teddy mit dem Schlüssel

Kunst plus Handwerk gleich Kunsthandwerk: Schmuck, edle Töpfer- waren, Puppen und Bären sowie Holzunikate lockten am Wochenende die Besucher wahrlich in Scharen nach Landwüst.

Landwüst.

Manchmal ist ein Teddy störrisch und sträubt sich, wenn Grit Metz ihm die Nase nähen will und dabei das Fell verrutscht. Dann legt sie Nadel und Faden bis zum nächsten Tag aus der Hand. "Ich brauche Geduld. Für mich ist das Nähen eine Tiefenentspannung", sagt die Mittfünfzigerin aus Naumburg und lächelt in sich hinein. Ihr Stand auf dem Markt war ohne Zweifel der farbenprächtigste. Puppen und Teddybären in Tönen von Orange bis Blau und in allen Größen saßen nebeneinander, schauten jeden an, der bewundernd vor ihnen stand, und schwiegen.

Grit Metz nicht. Sie erzählte, dass sie vor gut 30 Jahren begann, für ihr erstes Kind die Kleidung selbst zu nähen. Teddybären, Puppen und kleine nützliche Dinge folgten. Daraus wurde ein Gewerbe, um den Lebensunterhalt abzusichern: Atelier AndersARTig - Ideen aus Stoff. Alles Handarbeit. Der Grund: "Ich verwende Mohair, das könnte ich mit der Maschine nicht nähen." Ihre Teddys erinnern an die berühmten und bei Sammlern weltweit gefragten Figuren aus dem Hause Steiff, nur nicht mit dem Knopf im Ohr, und weniger teuer.


Warum Grit Metz ausgerechnet Teddys besonders gerne näht? "Sie sind doch bei Kindern sehr beliebt. Meine sind aber eher für ältere Kinder gedacht - so ab neun oder zehn Jahren. Nicht zum Kuscheln vor dem Einschlafen, sondern eher als guter Freund, dem man erzählt, welche Sorgen oder Freuden man so hat. Ein Teddy hört zu und hält immer alle Geheimnisse unter Verschluss. Deshalb trägt er einen Schlüssel um den Hals."

Ja, es gibt sie noch, die schönen und ungewöhnlichen und kunstvollen Dinge, die in keinem Ramschladen oder 08/15-Geschäft zu haben sind. Dinge, denen anzusehen ist, wie viel Arbeit und Fantasie in ihnen steckt, die heute noch so gefertigt werden wie früher und deshalb ihren Preis haben.

Schmuck, Holzunikate, Töpferwaren, ausgefallene Metallskulpturen oder Seifen im Filzmantel mit verführerischen Düften von Mango bis Flieder wie am Stand von Angelika Heckers aus Rodewisch. Blumenbinder Claus Weber aus Chemnitz war umringt und wurde bewundert, wie er aus einfachen, unscheinbaren Naturmaterialien kunstvolle Gestecke und Gebinde kreierte. Selbst Gaumenkitzler wie Blütenzauberkäse und Birnenbrot erwiesen sich als eine Art Kunsthandwerk - obwohl mit vergleichsweise geringer Halbwertzeit...

Gründe gab es also mehr als genug, weshalb die Resonanz auch bei der inzwischen siebenten Auflage des Kunsthandwerkermarktes so rege war, wie Organisator Andreas Wolf aus Zickra in Thüringen zufrieden konstatierte: "Pro Jahr veranstalte ich in ganz Mitteldeutschland ungefähr 30 solcher Märkte. Der in Landwüst hat immer etwas Spezielles, allein wegen der Landschaft, und es gibt bei euch in der Region noch keine Inflation von solchen Veranstaltungen. Ich habe eine Kartei mit schätzungsweise 1300 Künstlern und Handwerkern. Daraus suche ich gezielt solche aus, die jeweils zu einem Ort passen. Ansonsten kann ich mich über die Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum nur lobend äußern. Deshalb werden wir auch im nächsten Jahr nach Landwüst kommen."

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