Visite in Schönecker Klinik: Paracelsus will Vorreiter sein

Die Landarzt-Quote in Sachsen muss kommen, verlangte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei seinem Blitz-besuch. Dazu gibt es noch mehr Sorgen, die drücken.

Schöneck.

Reichlich zwei Wochen lag der Klingenthaler Thomas Löffler in der Paracelsus-Klinik Schöneck - an seinem Entlassungstag trat am Mittwochmittag kein "Weißkittel" an sein Bett, sondern Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Ihm konnte der Obervogtländer nach zwei OPs an der Halswirbelsäule viel Gutes über das Schönecker Haus erzählen. "Mir geht es blendend. Das sind hier sehr engagierte Leute, die muss man halten. Das Medizinische Versorgungszentrum ist richtig", plauderte Löffler mit dem Regierungschef. Hier ambulant, da stationär, sei überholte Denke, sagen die Paracelsus-Leute.

"Von Klinikschließungen reden wir sowieso nicht. Sondern, dass die Kliniken noch mehr Aufgaben bekommen", versprach Kretschmer dem Patienten. Bei Paracelsus ist ihm nicht bange, dass die Einrichtungen des Trägers das packen. "Ihre Häuser haben einen sehr guten Ruf. Ich komm ja viel rum. Da merkt man, ob das Klima stimmt oder nicht. Hier ist eine dufte Truppe. Machen sie so weiter", lobt Kretschmer.

Das war Balsam für die Ohren der Schwestern und Ärzte bei dem einstündigen Besuch. Der Ärztliche Leiter Dieter Haugk, seit 1992 am Haus, hat erstmals einen Ministerpräsidenten durch die Klinik geführt. Der Abstecher zur Intensivstation fiel aus Zeitgründen weg. "Eigentlich hätte ich zwei Stunden gebraucht, um alles zu erzählen. Das hätte ich gern gemacht", erklärt der Grünbacher. Aber er ist sehr froh, dass es ein halbes Jahr nach Übernahme von Paracelsus durch den neuen Eigentümer Felix Happel - er war gestern ebenfalls da - geklappt hat, die Politik ans Haus zu lotsen. Zu sagen gab es viel, zumal Happel mit Paracelsus eine langfristige Strategie verfolge. "Er ist unser Wunschbesitzer", lobt Klinik-Urgestein Haugk, dass bereits bei den ersten Rundgängen mit Felix Happel die Chemie gestimmt habe.

Ein Thema: junge Mediziner aufs Land. "Wir diskutieren eine Landarztquote. Die Wissenschaftspolitiker sind alle dagegen. Ich vertrete sie mit. Wir werden gucken, wie wir sie juristisch durchsetzen können. Und wir sind dran, dass wir in Chemnitz Mediziner ausbilden können", sagte Kretschmer und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Landrat Rolf Keil (CDU) - mehr Mediziner aufs Land werde nur gehen, wenn es am bisherigen System Änderungen gibt.

Ohne den Systemwechsel werde es schwer, die ärztliche Versorgung auf dem Land aufrechtzuerhalten, mahnte Dr. Christian Utler, Medizinischer Geschäftsführer von Paracelsus Deutschland. "Wir müssen die fette Firewall zwischen ambulant und stationär wegkriegen. Sie ist volkswirtschaftlicher Unsinn", so Utler, von Beruf Frauenarzt. Paracelsus ist nach seinen Worten dabei, die vier Standorte in Sachsen - neben Schöneck Adorf, Reichenbach und Zwickau - zu einem "virtuellen Großklinikum" zu verzahnen. Modell: Jedes Haus macht Grund- und Regelversorgung, dazu hat jedes Haus einen Schwerpunkt. Reichenbach die minimalinvasive Chirurgie, Zwickau Unfallchirurgie mit Neuroschwerpunkt, Adorf Schmerztherapie. Dazu sollen Prozesse zentralisiert werden, etwa die Sterilisation. Beim Thema Dokumentation der Arbeit hofft das medizinische Personal auf Entlastung. "Es geht viel Zeit verloren für die Arbeit mit Patienten", beschreibt Oberärztin Dr. Kathrin Tröger diesen Umstand. Doch genau die brauche es, damit sich Patienten wie Thomas Löffler in der Klinik gut aufgehoben fühlen.

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