Vogtländer helfen Brasiliens Nationalbaum

Eine Initiative von Bogenmachern kämpft dafür, dass Fernambuk-Holz weiter zum Bogenbau eingesetzt werden darf - und die Menschen vor Ort vom Anpflanzung der Bäume profitieren. Instrumentenbauer aus der Region besuchten nun die Plantagen.

Markneukirchen.

Es ist das Holz der Profis: Wer Streichbogen hoher Qualität fertigen will, kommt um Fernambuk-Holz aus Brasilien nicht herum. Zugleich gehört der Nationalbaum von Südamerikas größtem Land zu den stark bedrohten Gehölzen, die das Washingtoner Artenschutzabkommen im Blick hatte. Also kein Bogenbau mehr, weil die Ausfuhr des Holzes untersagt wird? Nicht der Bogenbau, sondern das Abholzen für die Nutzung als Färberpflanze und die Brandrodung dezimierten die Zahl der Bäume drastisch. Dass Fernambuk heute weiter für den Bogenbau genutzt werden darf, sein Anbau Bauern und Landbesitzern in Brasilien etwas bringt, liegt auch an Vogtländern. Sie sind in der International Pernambuco Conservation Initiative (IPCI) engagiert. Diese setzt sich für die Wiederanpflanzung ein und hat kürzlich eine Reise nach Brasilien organisiert.

Seit dem Start der IPCI vor 18 Jahren ist Bogenmachermeister Michael Dölling aus Wernitzgrün dabei. In Brasilien war er jetzt erstmals - und sah Fernambuk, das er bisher nur als Brett kannte, erstmals als Baum. Aus dessen auf wenige Prozent zusammengeschrumpften Urwaldbestand darf kein Holz geschlagen oder gehandelt werden, aber dank der IPCI gibt es eine Lösung: Setzlinge dürfen auf dem Teil des Landes angepflanzt werden, der als landwirtschaftliche Nutzfläche eingestuft ist. Das Plus für die Einheimischen: Hier wachsende Kakaopflanzen erzielen höhere Erträge, wenn sie durch nach europäischem Maßstab schnell wachsenden Fernambuk-Bäume beschattet, vor praller Sonne und starkem Regen geschützt werden. "Es ist eine gute Symbiose. Ich war sehr angetan, wie das Projekt funktioniert, was daraus geworden ist", betont Dölling. Er weiß: Ein Knackpunkt war, die Bauern dazu zu überreden, dass Fernambuk nicht nur als Feuerholz oder zum Herstellen ewig haltbarer Weidepfähle taugt. "Vorratshaltung sind sie nicht gewohnt, Langfristigkeit ist kein Thema. Das Bewusstsein zu wecken, dass sie das anbauen, war ein ganz schöner Kampf", sagt der Markneukirchner Geigenbaumeister Ekkard Seidl. Er war mit seiner Frau Petra beim Zehn-Tages-Trip ebenfalls dabei. Zur Reise gehörte das Pflanzen der persönlichem Pernambuk-Bäume. In immerwarmen Regionen wie dem Reiseziel 15 Grad südlich des Äquators sind es für Einheimische kleine Ewigkeiten, wenn ein Fernambuk-Baum 20, 30 Jahre bis zur Erntereife braucht. Das kostenlose Verteilen der in Aufzuchtstationen gezogenen Setzlinge an Bauern ist ein Puzzleteil, damit die Idee der IPCI funktioniert. Ergebnis des Ringens mit Politik, Artenschützern, Landbesitzern und Bauern: Fernambuk steht nicht auf der superstrengen Liste I des Artenschutzabkommens, der Baum darf kultiviert und unter strengen Regeln für Bogen gehandelt werden.

Wie wichtig für seine Nutzer in Europa das Fernambuk-Holz ist, zeigte den Brasilianern Günter Seifert, Geiger bei den Wiener Philharmonikern. "Er hat auf der Reise überall gespielt, ob am Strand oder auf der Plantage", erzählt Seidl. Was für die Südamerikaner Neuland war, ist für Musiker und Instrumentenbauer seit mehr als 200 Jahren Standard. "Im Profibogen-Segment gibt es dazu keine Alternative", sagt Michael Dölling. Er schwärmt von der Elastizität wie der Maserung des Holzes. Einfache Bögen kämen auch mit anderen Hölzern oder Kunststoff aus, sagt er - aber diese bewegen sich eben nicht in den Qualitätsklassen, zu denen vogtländische Hersteller seit langem gehören. Klar: Alteingesessene Hersteller-Familien haben mit Fernambuk-Beständen für spätere Generationen vorgesorgt. Wer neu als Bogenmacher startet und hat dies nicht, sieht alt aus. "Das Holz ist das A und O. Da kann er noch so gut bauen", sagt Dölling. Daher ist der Erfolg des Brasilien-Projekts "auch für einen selber Bestätigung" - geht es dabei doch um nichts weniger, als dass das eigene Handwerk auch in vielen Jahren noch Bestand hat.


Fernambuk

Der stark gefährdete Fernambuk-Baum hat seine Heimat im ehemals großen Regenwald an der brasilianischen Ostküste. Von dessen ursprünglichen Bestand sind nur noch fünf bis sieben Prozent übrig. Der auch unter dem Namen Pau Brasil bekannte Baum wurde 1978 zum Nationalbaum Brasiliens erklärt. Er steht unter Naturschutz und ist unter den bedrohten Pflanzenarten Brasiliens als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Initiativen zur Wiederanpflanzung, Ermittlung der Baumbestände und ihrer Erforschung gingen auch von Ländern aus, die das Holz importieren. (hagr)

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