Vogtländer soll Polizisten angefahren haben

Ein 50-Jähriger sollte vor Gericht, weil er einen behördlich verhängten Baustopp ignoriert haben soll. Der Fall wurde zu den Akten gelegt - mit Verweis auf ein viel schwerwiegenderes Verfahren.

Plauen.

Der Paragraf 326 gehört zu jenen Kapiteln des deutschen Strafrechts, die eher selten vor Gericht verhandelt werden. Unter dem Titel "Gefährdung schutzwürdiger Gebiete" hat der Gesetzgeber in dem Abschnitt vor allem Straftatbestände zusammengefasst, die Verstöße und Delikte in Naturschutzgebieten und Nationalparks betreffen. Auch das illegale Errichten von Gebäuden zählt darunter - und genau deswegen sollte sich ein Mann aus dem Vogtland vor dem Landgericht Zwickau verantworten.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 50-Jährigen vorgeworfen, einen Neubau in einem Schutzgebiet im oberen Kreisgebiet errichtet zu haben und - nachdem der illegale Bau durch die Behörden gestoppt wurde - einfach weitergemacht zu haben. Das Plauener Amtsgericht hatte den Mann zu einer Geldstrafe in Höhe von 8000 Euro verurteilt, gegen den Richterspruch ging er in Berufung.

Doch zu einem erneuten Prozess vor der nächsthöheren Instanz, dem Zwickauer Landgericht, kam es nicht. Die Verhandlung sollte eigentlich in dieser Woche stattfinden, doch das Gericht hatte schon vor Beginn entschieden, das Verfahren einzustellen. Die Begründung des Gerichtssprechers überrascht: Weil der Angeklagte in einem anderen Strafverfahren mit einer Verurteilung rechnen muss und dort auch eine wesentlich höhere Strafe zu erwarten habe, habe man beschlossen, die bisherigen Vorwürfe nicht weiter zu verfolgen.

Dieses andere Verfahren liegt derzeit beim Amtsgericht in Plauen. In dem Fall wird dem 50-Jährigen nach den Worten eines Gerichtssprechers vorgeworfen, vor einem knappen Jahr mit seinem Auto einen Polizisten angefahren, ein Polizeiauto beschädigt und anschließend Unfallflucht begangen zu haben. Wann es in dieser Angelegenheit zum Prozess kommt, ist noch offen.

Konkret soll der Beschuldigte im Februar 2020 mit einem VW-Kleinbus gefahren sein, der zwar ihm gehört, der aber durch einen Gerichtsvollzieher gepfändet worden war. Das Pfändungssiegel soll der Mann gebrochen haben, anschließend mit dem Auto weggefahren sein. Als ihn Polizisten im oberen Vogtland kontrollieren wollten, soll die Situation eskaliert sein: Der 50-Jährige soll auf einen Beamten zugefahren sein, ihn dabei erfasst haben, wodurch der verletzt wurde. Anschließend soll der Mann mit dem VW-Bus ein Polizeifahrzeug gerammt haben, um schließlich zu flüchten. Nach Angaben des Plauener Amtsgerichts wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten nun gefährliche Körperverletzung, tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor.

Wegen seines üppigen Vorstrafenregisters und dem Umstand, dass er bereits unter Bewährungsauflagen stand, erwarte den Vogtländer nun eine empfindliche Strafe, sagte ein Sprecher des Landgerichts der "Freien Presse". Wörtlich fügte er hinzu: "Mit einer Bewährungsstrafe dürfte er nun nicht mehr davonkommen."

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