Vogtländer und ihre Erfolge am Bergisel

Heute vor 25 Jahren wurde in Innsbruck zum bislang letzten Mal ein Klingenthaler zur Siegerehrung gerufen. Rico Meinel war Fünfter - und erinnert sich gerne zurück.

Klingenthal.

Der Japaner Kazuyoshi Funaki gewann am heutigen Samstag auf den Tag vor 25 Jahren am Bergisel in Innsbruck vor dem Österreicher Andreas Goldberger und den Finnen Mikka Laitinen und Toni Nieminen, Doppel-Olympiasieger 1992. Als Fünfter wurde Rico Meinel vom WSV Aschberg/Mühlleithen zur Siegerehrung gerufen.

"So etwas vergisst man nicht", meinte der ehemalige Skispringer vom Aschberg. Den Wettkampf heute in Innsbruck wird er im Fernsehen verfolgen, dem Skisport ist Rico Meinel noch immer verbunden. Dass er aber der bislang letzte Klingenthaler war, der bei der Vierschanzentournee startete, stimmt ihn etwas wehmütig.

Zehn Jahre vor ihm stand mit Klaus Ostwald als Dritter in Bischofshofen letztmalig ein Klingenthaler bei der Tournee auf dem Siegertreppchen. So lange zehrt die Stadt am Aschberg nun schon von der erfolgreichen Vergangenheit.

Von der Saison 1955/56 an waren Klingenthaler bei der Tournee dabei. Der legendäre Harry Glaß (1930-1997) war dabei Dritter in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen sowie Zweiter in Oberstdorf. Er hätte vielleicht die Tournee gewonnen, aber die deutsche Mannschaft zog die Olympiavorbereitung für Cortina d'Ampezzo vor. Dort holte Glaß als erster deutscher Skispringer eine Olympiamedaille. Ein Jahr später war er Fünfter der Tournee-Gesamtwertung. Zu den Mannschaftskameraden von Harry Glaß gehörte auch Manfred Brunner, 16. der Gesamtwertung 1957/58: "Da sind viele Erinnerungen geblieben, auch von Geschichten, die abseits der Schanzen passiert sind", schaute er zurück.

Der einzige Tourneesieger aus dem Vogtland ist Manfred Deckert, heute Oberbürgermeister von Auerbach und Präsident des VSC Klingenthal. Er gewann 1981/82. In Innsbruck stand Deckert dabei ganz oben auf dem Treppchen, in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen hatte er jeweils Rang 2 belegt. Zum Finale in Bischofshofen reichte ihm dann ein 5. Platz zum Gesamtsieg.

"Es ist sehr hart, in relativ kurzer Zeit vier Mal eine Topleistungen zu vollbringen. Ich habe zwei Jahre vor meinem Tournee-Erfolg bei der Olympiade in Lake Placid eine Silbermedaille gewonnen, und meine Erfahrung ist, dass ein Sieg bei der Tournee einen höheren Stellenwert hat als eine Medaille bei einer Weltmeisterschaft oder Olympiade", meinte er im Rückblick.

Neun Mal war Henry Glaß für Klingenthal als Aktiver bei der Tournee dabei. 1972 und 1980 belegte er in der Gesamtwertung Rang 2, 1977 gewann er in Innsbruck und wurde am Ende Dritter. Als Co-Trainer von Reinhard Hess hat Glaß auch Anteil am Erfolg des Ex-Klingenthalers Sven Hannawald, der 2001/02 als erster Skispringer alle vier Tourneewettbewerbe gewinnen konnte.

Auf zehn Tourneeteilnahmen blickt der Klingenthaler Klaus Ostwald. Er war Zweiter in der Gesamtwertung 1983/84, ein Jahr später Dritter. 1983 hatte er das Auftaktspringen in Oberstdorf gewonnen. Unvergessen für ihn bleibt das Springen am 4. Januar 1984 in Innsbruck. "Nach dem 1. Durchgang lag ich auf Platz 28. Dann sprang ich mit 107,5 Metern Schanzenrekord und belegte am Ende noch Platz vier."

Ostwald war auch 1980 mit dabei, als beim Finale in Bischofshofen vier Klingenthaler in die Top Ten sprangen: 2. Henry Glaß, 5. Manfred Deckert, 6. Thomas Meisinger, 8. Klaus Ostwald. Diese Bilanz dürfte inoffizieller Weltrekord sein.

"Ein Erlebnis war es damals wie heute. Wenn man es geschafft hatte, sich für die Tournee zu qualifizieren, konnte man sich zu den besten Springern zählen", sagt Thomas Meisinger, der 1976/77 die Tournee als Sechster beendete.

Matthias Buse war Zweiter der Gesamtwertung 1977/78 und gewann das Auftaktspringen in Oberstdorf. "Ich war acht Mal bei der Tournee dabei, und jedes Mal war es etwas Besonderes", schaute er zurück. Heinz Wosipiwo, Platz 4 der Gesamtwertung 1971/72: "Bei der Tournee an den Start zu gehen, war immer ein Erlebnis, denn man war unter den Besten", erzählt er. Wolfgang Stöhr, Platz 7 der Gesamtwertung 1967/68: "Jedes Jahr, wenn die Tournee beginnt, werden auch die Erinnerungen daran wieder wach."

Rico Meinel hatte nach der Saison 1999/2000 die Sprungski in die Ecke gestellt. Er ging auch als der letzte Sieger am legendären Feldberg im Schwarzwald in die Analen ein.

Beruflich war der Klingenthaler erst im Hotelwesen tätig - in Oberwiesenthal, in Berlin, für anderthalb Jahre in London, in Erfurt und Ulm. Er war Geschäftsführer der größten Indoor-Sportanlage Sachsens, hatte dann ein eigenes Fitnessstudio. Inzwischen ist er Papa, hat Familie und arbeitet im Geschäftsbereich einer Firma, die Spezialisten für Robotertechnik ausbildet.

Das Skispringen heute genießt Rico Meinel als Zuschauer. "Schade, dass kein Aktiver aus Sachsen mehr dabei ist", bedauerte er das Ausscheiden von Richard Freitag und Martin Hamann. In Innsbruck wird er vor allem Karl Geiger die Daumen drücken.

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