Vogtland-Arena: Aushängeschild einer Region

Mehr als eine Million Besucher zählte die Klingenthaler Sportanlage seit der Einweihung 2006. Aber nicht nur deshalb sind wieder Investitionen in die Anlage nötig. Eine Bestandsaufnahme.

Klingenthal.

Mehr als eine Million Besucher hat die Vogtland-Arena seit der Eröffnung vor zwölf Jahren erlebt. Sie haben ihre Spuren hinterlassen, das ist schon an vielen aus- getretenen Treppenstufen zu sehen. Man arbeite an einem Projekt für Sanierungsmaßnahmen, informierte am Donnerstag Landrat Rolf Keil (CDU). Mehr wollte er dazu noch nicht sagen. Der Vogtlandkreis und die Stadt Klingenthal haben im zweiten Anlauf einen Zweck- verband gegründet, der sich um den Erhalt und Ausbau der "nordisch-sport-touristischen Infrastuktur" am Standort Klingenthal kümmern soll. Dabei geht es auch um ein Windsegel zur wettertechnischen Absicherung der Skisprung-Weltcups, das rund 1,8 Millionen Euro kosten soll.

Bewirtschaftet wird die Vogtland-Arena weiterhin von der Vermarktungsgesellschaft. "Da reden wir auch nicht rein", so der Landrat. Deren Partner waren ursprünglich der VSC mit 51 Prozent der Anteile und der Landkreis, dessen 49 Prozent aber 2013 die Beteiligungs- gesellschaft der Vogtland-Sparkasse übernahm. In den Händen der Vermarktungsgesellschaft soll laut Keil auch bleiben, was mit der Werbung für die Vogtland-Arena zu tun hat.

Thema Souvenirs: Als Souvenirs bei den Besuchern gefragt sind vor allem der Kräuterlikör der Vogtland-Arena und die T-Shirts mit dem Bild der Anlage, sagt Janine Weidlich, die dort an der Kasse sitzt. Wenn Schulklassen kommen, gehen nach ihren Worten vor allem Schlüsselanhänger und Tassen mit dem Motiv der Schanze. 2014 hatte der damalige Landrat Tassilo Lenk schon einmal eine Überarbeitung des Angebots an Fanartikeln angeregt. Für andere Sportstätten stellt deren Verkauf ein festes wirtschaftliches Standbein dar, in Klingenthal ist es derzeit eher ein Zubrot. Lenk zeigt sich seinerzeit offen gegenüber der Idee, für die Gestaltung von Fanartikeln angehende Designer aus Schneeberg oder Mittweida einzubeziehen: "Dort kennt man die Trends und weiß, was ankommt." Bei der Idee ist es geblieben. "Wir haben aber zwei, drei interessante Projekte im Blick", sagt Janine Weidlich.

Die Vogtland-Arena hatte bei ihrer Einweihung ohne Zweifel den Geschäftssinn und die Kreativität der vogtländischen Händler beflügelt. Der Klingenthaler Michael Tittmann nutzte das Schanzenmotiv für den traditionellen Lichterbogen, und fand dafür auch Kunden in Frankreich und Italien. Die Schönecker Firma Aechtner verzierte mit der Vogtland-Arena Schnapsgläser, Bierkrüge und Aschenbecher. Fleischermeister Christian Floß aus Lengenfeld brachte im März 2006 eine Wurst in Form des Anlaufturmes auf den Markt - als Schanzenknacker bis heute ein Dauerbrenner. Die Markneukirchener Bäckerei Wunderlich kreierte seinerzeit ein Schanzenbrot.

Thema Kultur: Als Kultureinrichtung, ursprünglich eines der drei geplanten Standbeine, wurde die Vogtland-Arena bei Besuchern nie richtig angenommen. Die Wernesgrüner Brauerei hatte deshalb nach den Konzerten von Peter Maffay (2007) und Chris de Burgh (2008) ihr Konzept schnell wieder geändert. Zu den Auftritten von Hansi Hinterseer (2008) oder den Prinzen (2009) kamen jeweils knapp 1500 Zuschauer. Im vergangenen Jahr scheiterte der Versuch eines Open-Air-Konzerts mit Nik P. und der Band La Goassn. Insgesamt rund 50.000 Besucher sind die Bilanz von Konzerten, volkssportlichen Wettbewerben sowie Familien und Firmenfeiern.

Die Tagestouristen stellen mit rund 600.000 seit der kompletten Fertigstellung 2007 das Gros der Besucher. Das sind mehr als 50.000 pro Jahr. Mit den Einnahmen aus dem Eintritt wird unter anderem die Betreibung der Arena finanziert. "Hier wurden Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Der Einfluss reicht natürlich ins gesamte Vogtland. Bei internationalen Großveranstaltungen sind regelmäßig alle Gästebetten im oberen Vogtland belegt", sagt Marcus Stark, Vize-Präsident des VSV Klingenthal. Was Tagesgäste beim Besuch der Anlage nur ahnen können, ist die Stimmung, die bei Wettkämpfen herrscht. Wer mehr über die Klingenthaler Skisport-Tradition wissen will, müsste deshalb in die Stadt fahren, ins Museum Dr. Giers-Haus. Derzeit ist das aber wegen Umbauarbeiten geschlossen.

Thema Zuschauer: Seit Februar 2006 besuchten mehr als 350.000 Zuschauer die bislang 82 internationalen und nationalen Wettkämpfe. Doch der nordische Skisport hat zunehmend ein Problem, zumindest in Deutschland. Es ist rund und aus Leder - der Fußball. Die allgegenwärtige Berichterstattung über die zweifellos populäre Sportart - bis in mittlere Ligen - verdrängt mediale Angebote wie den Skisport in Nischen. Damit einher gehe ein Rückgang der Besucherzahlen. Das zeigte 2017 Thorsten vom Wege auf, Koordinator des Forum Nordicum. Diese internationale Vereinigung der Sportjournalisten hatte im vergangenen Jahr in Klingenthal getagt, und dabei auch verschiedene Probleme aufgezeigt.

Wurde beim Sommer Grand Prix der Spezialspringer 2007 die Zuschauerzahl in der Vogtland-Arena offiziell mit 13.600 angegeben, so waren es 2017 nur 4200. Zwar sagte dazu Alexander Ziron, Geschäftsführer des VSC: "Dabei spielte auch das Wetter eine Rolle - und trotzdem hatten wir noch die meisten Zuschauer." Zirons Worte zeigen es: Den Abwärtstrend bei den Zuschauerzahlen spüren auch andere Veranstaltungsorte. "Wir können diese Entwicklung ignorieren und verlieren am Ende alles - oder wir versuchen, etwas dagegen zu unternehmen", zeigte Thorsten vom Wege auf. Viele Veranstalter sehen den Ausweg darin, den Wettkämpfen mehr Eventcharakter zu verleihen. Im Ergebnis wird weiter aufgerüstet - finanziell und personell.

Die nächsten Höhepunkte in der Vogtland-Arena sind am 29. und 30. September der Skisprung-Continentalcup der Männer und am 3. Oktober das erstmals gemeinsam ausgetragen Sommer-Grand-Prix-Finale im Skispringen der Frauen und Männer. Dazu läuft bereits der Kartenvorverkauf über die Freie-Presse-Shops.

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