Vogtlandbahn fährt nun wieder über die Grenze

Die coronabedingte Grenzschließung ist erst einmal Geschichte. Aber die alten Probleme sind wieder da.

Klingenthal.

Seit Freitag fährt die Vogtlandbahn auch wieder auf der Strecke zwischen Zwotental und Graslitz/Kraslice sowie weiter nach Falkenau/Sokolov. Knapp ein Vierteljahr war wegen der corona- bedingten Grenzschließung auch der Bahnverkehr über Klingenthal in die Tschechische Republik ein- gestellt worden.

Ab Zwotental hatten in dieser Zeit Fahrzeuge der Bustouristik Jens Hühn aus Steinpleis bei Zwickau den Schienenersatzverkehr bis Klingenthal abgesichert. Mit einem Aushang bedankten sich die Mitarbeiter des Unternehmens speziell bei den Zwotaer Einwohnern für das Verständnis für den Pendelverkehr.

In die Zeit des coronabedingten Stillstands fiel das 20-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung des Eisenbahnübergangs und auch das am 6. Juni in der tschechischen Grenzstadt geplant gewesene Bahnhofsfest. Inzwischen hat das Eisenbahnmuseum in Graslitz/Kraslice samstags wieder von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Es zeigt auch Exponate des ehemaligen Vereins der Eisenbahnfreunde Klingenthal. Die Deutsche Bahn nutzte zudem die verkehrsfreie Zeit für Instandsetzungsarbeiten am Gleiskörper. Die Bahnübergänge im Stadtgebiet sollen laut Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) in der Zeit der Sommerferien erneuert werden.

Auch wenn die Bahn nun wieder fährt, die Probleme aus der Zeit vor der Coronapandemie sind nicht vom Tisch. Da ist vor allem das Problem der Auslastung. Der jüngste Vorschlag, mehr Passagiere in die Bahn zu locken, beinhaltete einen zusätzliche Haltepunkt direkt bei den Einkaufsmärkten an den Markneukirchner Straße. Diese werden auch von vielen tschechischen Kunden frequentiert. Die Idee hatte der Klingenthaler Claus Dunsch, unterstützt wurde sie vom ehemaligen ÖPNV-Geschäftsführer Thorsten Müller. Im Herbst 2018 war dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden. Der Klingenthaler CDU-Stadtrat und Unternehmer André Karbstein, der an dem Vorschlag ebenfalls interessiert ist, sagt jetzt auf Nachfrage, dass ihm nicht bekannt sei, ob das Thema noch auf der Tagesordnung stehe.

Ideen für eine attraktive Bahn im oberen Vogtland gab es in den vergangenen Jahren wiederholt. Mit dem Ifa-Ferienpark in Schöneck und dem Flößerplatz in Muldenberg entstanden neue Haltepunkte. Der Bahnhof Muldenberg wollte mit Blick auf die Nähe zur Vogtland-Arena zum Verkehrsknoten ausgebaut werden. Dazu war die Reaktivierung der Linie bis Schönheide-Süd geplant. Der Skizug, der in der Wintersaison von Leipzig über Zwickau nach Schöneck verkehrte, wurde bis Klingenthal verlängert - aber letztlich doch eingestellt. Das Aus kam 2012 auch für die Strecke Zwotental-Adorf. Jetzt kümmert sich der Förderverein Obervogtländische Eisenbahnen um den Erhalt.

Ein Dauerproblem sind die Fahrzeiten. Mit der Bahn braucht man von Klingenthal nach Zwickau fast doppelt so lange, wie mit dem Auto. Das hatte man schon erkannt, als 1994/95 das damalige Pilotprojekt der Privatisierung der Bahn im Vogtland in den Kommunalparlamenten diskutiert wurde. Dem Zwotaer Gemeinderat lagen damals Vorschläge der Planer auf dem Tisch, die Haltepunkte Zwota und Zwota-Zechenbach zu schließen, um durch den Wegfall von Haltepunkten eine kürzere Fahrzeit zu erreichen. Der Gemeinderat lehnte das ab.

Auf der Idee, nur in größeren Städten zu halten, basierte auch der Schnellzug, der 2018 an den Wochenenden zweimal täglich zwischen Karlsbad/Karlovy Vary und Zwickau verkehrte. Die Fahrzeit von Klingenthal nach Zwickau betrug nur eine Stunde. Der Schnellzug fuhr aber nur ein Jahr.

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