Vom Straßenhund zum tierischen Lehrer

Aira ist einer von fünf Vierbeinern, die an vogtländischen Grundschulen wertvolle Dienste leisten. Ihr Frauchen ist eine Grünbacherin.

Grünbach/Reumtengrün.

Schule ist oft ganz schön anstrengend. Davon kann auch Aira ein Lied singen. Wenn es der schwarzen Mischlingshündin mit den großen, kugelrunden Augen doch mal zu viel wird, schlendert sie in ihr ruhiges Eckchen zwischen Tafel und erster Tischreihe. Ein Hund im Klassenzimmer? Funktioniert das? Na klar, sagen die Schüler und Lehrer der Evangelischen Grundschule Göltzschtal in Reumtengrün. Und es funktioniert nicht nur. Die tierischen Dienstags- und Freitagsbesuche sind sogar ein Geben und Nehmen. Man lernt voneinander. Aira ist ein sogenannter Schulhund. Vor allem soll sie Kindern korrektes Verhalten im Umgang mit Tieren beibringen.

Seit drei Jahren geht Aira zusammen mit ihrem Frauchen Corinna Hinz zur Schule. Die 34-Jährige unterrichtet seit sieben Jahren in Reumtengrün. Dienstage und Freitage heißen intern "Hundetage", und Airas Einsätze finden die Schüler nicht nur "cool" oder "sehr schön", sie zeigen auch Wirkung. "Man kann sich bissel besser konzentrieren", findet Cora. Die Drittklässlerin beobachtet außerdem, dass es an den beiden Tagen viel leiser ist im Klassenzimmer. Ihr Hund sei ein "Riesen-Motivationsfaktor" und schweiße noch mehr zusammen, stellt Corinna Hinz immer wieder fest. "Weil die Lernatmosphäre viel entspannter ist." Aira bringt in Mathe Körbchen mit Rechenaufgaben, sitzt daneben, wenn sich Schüler besonders konzentrieren müssen. Und die Sechsjährige drückt beide Augen zu, wenn erste Vorleseschritte schief gehen. "Ein Hund lacht nicht", erklärt ihr Frauchen. Damit steigt die Selbstsicherheit auf Leser-Seite.


Schüler lernen von Aira und Corinna Hinz, dass Hunde viel besser hören als Menschen. Und laute Geräusche in sensiblen Ohren Schmerzen verursachen. Das heißt, der Lautstärkepegel im Klassenzimmer muss darauf angepasst werden. Schließlich sollen sich die Schüler und der Hund wohlfühlen. Das klappt der Lehrerin und Schulleiter Oliver Flade zufolge schon richtig gut. Hundesprache und -verhalten deuten, das steht ab Klasse zwei auf dem Programm. Und es diene der Unfallprävention im Freizeitbereich, erklärt Corinna Hinz. Mit Ausnahme wohldosierter Leckerli gibt es für Aira nur Futter aus dem eigenen Napf. "Wir dürfen nichts aus der Brotbüchse geben und müssen im Unterricht die Schulranzen zulassen", sagt Clara.

Bevor Aira ihren Dienst antreten durfte, mussten sich über 80 Schüler, die Eltern, Lehrer und der Schulträger einverstanden erklären. Um gut gerüstet zu sein, durchlief die Hündin eine einjährige Spezialausbildung inklusive Wesenstest in Wittenberg. "Seitdem sind wir ein zertifiziertes Pädagoge-Schulhund-Team", erzählt Corinna Hinz. In der Nähe gab es kein Angebot. "Das ist noch ziemlich neu, aber im Kommen." An fünf vogtländischen Schulen sind mittlerweile Hundedienste eingerichtet, unter anderem in Hauptmannsgrün. Dort besucht der Golden Retriever Oskar regelmäßig den Unterricht.

Aira kämpfte vor fünf Jahren noch auf Moskaus Straßen um das tägliche Überleben. Zur gleichen Zeit suchte Corinna Hinz nach einem solchen Hund. Eine Tierschutzorganisation holte Aira und andere Schicksalsgenossen nach Deutschland. "Sie hatte damals vier Welpen", berichtet die Grünbacherin. "Alle sind hier vermittelt worden."

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