VSC-Schanzen: Wie viel Haftung (ver)trägt die Stadt Klingenthal?

Für den Schanzenbau des VSC Klingenthal übernimmt die Stadt erneut mit einer sogenannten Patronatserklärung Verantwortung. Worum es dabei im Detail geht.

Klingenthal/Mühlleithen.

Zwar ruht derzeit beim VSC Klingenthal der gesamte Trainingsbetrieb, aber die Vogtlandschanzen in Mühlleithen sind seit dem Frühjahr eine Baustelle. Der Standort wird durch den Verein um vier Nachwuchsschanzen erweitert. Gut eine Million Euro soll das Projekt kosten, 693.750 Euro flossen im Oktober 2017 an Fördermitteln. Rund 231.000 Euro bringt der VSC an Eigenmitteln auf.

Um diese Summe geht es in der Patronatserklärung, für die der Stadtrat zur Sitzung am Dienstag die Zustimmung gab. Im Falle einer Geschäftsaufgabe des VSC innerhalb der auf zwölf Jahre geltenden Fördermittelbindungsfrist muss Klingenthal als Betreiber einspringen.

Zumindest für einige Stadträte kam der Antrag überraschend. Peter Vodel (Freien Wähler) wollte das Thema von der Tagesordnung nehmen. Er verwies dabei auf die Diskussion vom April um die Patronatserklärung, die die Stadt für das VSC-Projekt einer beschneiten Loipe in Mühlleithen abgegeben hatte. Sein Antrag fand keine Mehrheit.

Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) gab zu verstehen, dass er die Diskussion unter den Stadträten um die beschneite Loipe zum Teil verstanden habe, da es dort vorrangig um ein touristisches Vorhaben gegangen sei. Im Falle der Nachwuchsschanzen sei die Sache anders. Das Vorhaben sei einzuordnen in die bereits erfolgten Maßnahmen zur Sanierung des Dürrenbach-Sportplatzes und des Freibades sowie der geplanten Erweiterung der Sporthalle am Schulzentrum. Unterstützt wurde diese Position von Carsten Förster, dem Fraktionsvorsitzenden von "Pro Klingenthal - Meine Stadt". Hans Schlott (CDU) machte deutlich, dass er mit einem weinenden Auge den Verfall der im Januar 2000 eingeweihten Nachwuchsschanzen an der ehemaligen Aschbergschanze verfolgt habe. Diese seien damals mit Geld gebaut worden, das vom Förderverein zum Wiederaufbau der Aschbergschanze gesammelt worden war. Ohne Schanzen für den Nachwuchs, so Schlott, gibt es aber kein Skispringen mehr in Klingenthal. Der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Nöbel (CDU) verwies zudem auf die Notwendigkeit der Schanzen für den Fortbestand des Ski-Gymnasiums und den Bundesstützpunkt Nordische Kombination.

Aktuell trainieren beim VSC neun Kombinierer mit dem Kaderstatus des Deutschen Skiverbandes, acht sind Kader des Skiverbandes Sachsen. 14 Nachwuchssportler haben noch keinen Kaderstatus. Zum Bundesstützpunkt gehören außerdem Junioren-Weltmeisterin Jenny Nowak und acht Spezialspringerinnen im Nachwuchsbereich.

Bei der Abstimmung enthielt sich Peter Vodel der Stimme. Thomas Funke (Freie Wähler), der die Rücknahme des Antrags von der Tagesordnung unterstützt hatte, kritisierte, dass das Thema sehr spät in den Stadtrat gekommen sei. "Ich stimme dem Antrag zu, betonte aber, dass es kein grundsätzliches ,Muss' für den Stadtrat geben kann und darf", machte er deutlich.

Das Projekt einer beschneiten Loipe ist laut VSC-Geschäftsführer und CDU-Stadtrat Alexander Ziron "noch am Laufen".

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Gebirger
    26.11.2020

    Schade dass in der Region jeder seine eigene Suppe kocht. Wäre es ein Problem gewesen, Stützpunkte des Wintersports zentral legen? Oberwiesenthal, Klingenthal und ehemals Johanngeorgenstadt gemeinsam zu optimieren wäre sicher eine Option gewesen. So hat jeder versucht, sein eigenes Süppchen zu kochen, anstatt konstruktiv am Olympiastützpunkt Erzgebirge zu arbeiten. Hoffentlich haben wir in ein paar Jahren nicht alle 3 früheren Hochburgen komplett ruiniert.