Walpurgisnacht: Adorf bittet für Feuergenehmigung zur Kasse

Große "Scheiterhaufen" und Lagerfeuer gibt es am 30. April nicht mehr zum Nulltarif. Warum die Stadt so handelt - und wie die Nachbarstädte das sehen.

Adorf.

Wer in Adorf und seinen Ortsteilen am 30. April Lager- oder Höhenfeuer abfackelt, wird zur Kasse gebeten. Die Stadt verlangt für die Genehmigung ab diesem Jahr Geld. Das kündigte Bürgermeister Rico Schmidt (SPD) im Stadtrat an. Für ein großes Höhenfeuer werden 30 Euro, für ein kleineres Lagerfeuer zehn Euro fällig. Wer dürres Holz in der Feuerschale verbrennt, muss dies weder melden noch bezahlen. Das Verbrennen von Gartenabfällen ist ohnehin inzwischen untersagt. Die Pflanzenabfallverordnung in Sachsen von 1994 ist seit dem 21. März außer Kraft gesetzt.

Das Aus für Brauchtumsfeuer in der Walpurgisnacht zum Nulltarif begründet Schmidt mit dem Verwaltungsaufwand. 2018 waren in der Stadt und ihren Ortsteilen 17 Höhenfeuer und 184 Lagerfeuer angemeldet worden. Dies geschah offensichtlich auch bei vielen mit Wut im Bauch über das neue Verbrennverbot im heimischen Garten im April. Für das Rathaus hatten die mehr als 200 Feuer gravierende Folgen. "Es fährt immer jemand raus und kontrolliert am Feuer, ob auch das drin liegt, was drin sein darf. Unser Ordnungsamt war zwei, drei Wochen lahmgelegt. Das kann nicht normal sein. Jeder kann sich selbst ausrechnen, was das uns gekostet hat", sagt Schmidt. Sorgen, als Brauchtums-Killer gebrandmarkt zu werden, hat der Rathauschef nicht. Gerade Vereine, die die größeren Feuer veranstalten, könnten das Geld für die Genehmigung aufbringen. Durch den Verkauf von Bier und Gegrilltem beim Besenbrennen erzielten sie ja auch Einnahmen, argumentiert Schmidt.

Torsten Kleditzsch

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Die Nachbarstadt Markneukirchen geht den Adorfer Weg nicht mit. Auch hier müssen Brauchtumsfeuer größer als ein Quadratmeter Fläche angezeigt werden, so Hauptamtsleiterin Saskia Persigehl. Bei kleineren reicht die Genehmigung, für größere wird eine schriftliche Bescheinigung ausgestellt. "Das kostet aber in beiden Fällen nichts. Wir haben das in keiner Satzung geregelt", sagt Persigehl. Vor zwei, drei Jahren, erinnert sie sich, war Ärger mit den Feuern aufgeflackert. Nun habe es sich beruhigt - es besteht aus ihrer Sicht kein Grund, mit Kostenpflicht zu kommen. Dem Oelsnitzer Ordnungsamt waren bis Anfang April bereits 60 Walpurgisfeuer gemeldet worden. Laut Hauptamtsleiter Hannes Schulz werden keine Extra-Genehmigungen ausgesprochen, die Stadt konzentriere sich bei stichprobenartigen Kontrollen auf größere Feuer. Als erste Kommune hatte 2018 Treuen Beschränkungen erlassen. Die Stadt erlaubte pro Ortsteil nur noch ein großes Feuer, das von einem Verein oder einer ähnlichen Organisation ausgerichtet wird.

Im Adorfer Gebiet sind derzeit für den 30. April sieben Höhenfeuer, davon zwei in der Stadt selbst, angemeldet, erklärt Schmidt. Martin Geipel, Vorsitzender des Feuerwehrvereins Adorf, sieht den Gang in die Kostenpflicht als richtig an. "Ich hätte sogar bei den kleinen auf 50 Euro erhöht, um diese einzudämmen", betont er. "Wir werden beobachten, wie es sich entwickelt", will Rico Schmidt auch weiter wachsam sein.

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