Wandel: Einkauf statt Produktion

Auf dem einstigen Holzbau-Areal hat Klingenthals größter Lebensmittelmarkt eröffnet. Wie sich das Bild der Stadt verändert.

Klingenthal.

Seit dieser Woche hat der neue Netto-Markt auf dem Gelände des ehemaligen Holzbau-Areals geöffnet. Mit einer Verkaufsfläche von über 1000 Quadratmetern, inklusive eines Backshops und Windfangs, ist es inzwischen der größte Lebensmitteldiscounter im Stadtgebiet.

Genau 140 Jahre nach der Gründung der Firma Moritz Rauner bekommt damit das Gelände zwischen der Markneukirchner Straße und den Bahngleisen nach Jahren der Brache wieder eine Nutzung, allerdings Konsum statt Produktion.

Die Holzbau-Fabrik war ein namhaftes Unternehmen, gegründet 1878 vom Baumeister Moritz Rauner. Die Bezeichnungen Holzhofstraße und Mühlenstraße erinnern noch an die industrielle Vergangenheit des Areals. Man warb mit Dampfsägewerk und Bahnanschluss, Baugeschäft samt Architekturbüro, eigenem Steinbruch und eigener Sandgrube. Geblieben sind nur einige Anzeigen, mit denen das Unternehmen einst um Kunden warb - unter anderem für den Bau für Ski- und Jagdhütten sowie Land- und Ferienhäusern.

In der DDR verstaatlicht, war der Holzbau einer der Trägerbetriebe für den Sportclub Aufbau mit Wintersport und Fußball. Den hölzernen Kampfrichterturm, der heute noch an der Vogtlandschanze in Mühlleithen steht, hatte der Betrieb beispielsweise für die Ski-Meisterschaften 1963 errichtet.

Gleich in der Nachbarschaft von Rauner befand sich das Sägewerk Christian Leonhardt. Beide Unternehmen verfügten über Bahnanschluss. "Die Gleise führten bis ins Sägewerk. Dort befand sich eine Rampe, später kam auch ein Kran zum Einsatz", weiß der Klingenthaler Manfred Gäbler zu erzählen. Sämtliche Gleise und Weichen wurden im Sommer 2012 demontiert.

Auf dem Areal des früheren Leonhardtschen Sägewerkes steht bereits das Gebäude, das 1997 einmal für wenige Monate als Klingenthaler Stadthalle eröffnet worden war, und sich seither ebenfalls zu einem Einkaufszentrum entwickelt hat. Die Dampfmaschine des ehemaligen Sägewerkes, die zunächst als Technisches Denkmal an der Stadthalle stand, war 2004 ins Schaubergwerk "Grube Tannenberg" am Schneckenstein umgelagert worden.

Die einstigen Betriebsgelände an der Markneukirchner Straße haben sich inzwischen zum größten Einkaufsgebiet in Klingenthal entwickelt, das längst auch viele Kunden aus dem tschechischen Grenzgebiet anlockt. Neben der direkten Anbindung an den Buslinien des Stadtverkehrs ist auch die Einrichtung eines Haltepunktes der Vogtlandbahn im Gespräch. Dafür hat der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland im August eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

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