Wartburg-Fieber: Paar fährt mit Mauerfall-Modell zur Ifa

Beim 20. Ifa-Festival rollt Horst Fiedler bei seiner 20. Teilnahme mit einem Auto an, das am 3. November 1989 gebaut wurde

Mylau/Rebesgrün.

Es war eine Annonce in der "Freien Presse", die Horst Fiedler vor ein paar Wochen auf Anhieb anbeißen ließ: Verkaufe Wartburg 1.3, 7000 Kilometer, Originalzustand, kein Rost, delphingrau, zweite Hand, Liebhaberstück. "Ein Auto wie gemalt für uns. Es gab mehrere Interessenten. Der Verkäufer und ich, wir haben sofort gewusst, worüber wir reden, vielleicht gab das den Ausschlag", erzählt der Oldtimer-Fan aus Mylau, der mit seinem Neuerwerb beim 20. Ifa-Festival in zwei Wochen nicht nur wegen dieses Gefährts im Mittelpunkt steht: Der 71-jährige fährt zum 20. Mal durchs Ifa-Vogtland.

Der neue alte Wartburg von Horst Fiedler und seine Frau Sabine Bleile-Fiedler hat es aber ebenso in sich. Gebaut wurde das Auto - so steht es in den Original-Papieren - am 3. November 1989, dem letzten Freitag vor dem Mauerfall. Damit würde das Liebhaberstück zu den letzten DDR-Original-Fahrzeugen überhaupt gehören. "Als ich weiter in den Unterlagen blätterte, wurde ich aber etwas stutzig", erzählt Horst Fiedler. "Denn, schauen Sie mal, was auf der Servicekarte steht." Für den 19. September 1989 ist da mit Stempel und Unterschrift die erste Durchsicht vermerkt - da hatte das Auto mehr als 30oo Kilometer runter. Was kein Wunder ist, da es bereits am 30. Dezember 1988 von einer Frau in Berlin gekauft wurde.


Wie diese jeweils stimmigen Daten zusammenpassen, erschließt sich kaum noch. "Offenbar hängt das damit zusammen, dass es ein Genex-Wartburg war. Und das war er, auch das geht aus den Papieren hervor. Offenbar wurde der Herstellungstag für Genex-Wartburgs vordatiert", sagt Horst Fiedler und nimmt damit Bezug auf den Genex-Geschenkdienst. Aus dieser Devisenquelle sprudelten für das Westgeld der Westverwandtschaft DDR-Waren für DDR-Bürger. Mit dem Vorteil, dass die Wartburg-Wartezeit auf einen Bruchteil verkleinert wurde - was auch auf den Preis von 30.000 DDR-Mark für die 1.3-Limousine zugetroffen haben müsste.

Fiedlers Modell gehört zu den 150.000 Auslaufmodellen aus Eisenach, die von 1988 bis 1991 produziert wurden. "An meinem ist bis auf Batterie, Auspuff und Kerzen alles original. Das Auto stand viele Jahre ungenutzt in Adorf, deshalb der top Zustand." Selbst die Pneumantreifen sehen aus wie neu. Der 1.3-er soll Horst Fiedlers letzter Oldie sein. Bis vor Kurzem war das Paar mit einem 1964 gebauten Skoda Felicia auf Urlaubstouren von der Ostsee bis zum Bodensee unterwegs. "Mittlerweile mache ich aber altersbedingt nicht mehr alle Reparaturen selbst. Deshalb haben wir ihn gegen ein pflegeleichteres Modell getauscht", so Horst Fiedler, der Kilometer-Millionär: Als Kraftfahrer im Bahnbetriebswerk und im Reichenbacher Kraftverkehr wie als leidenschaftlicher Oldtimer-Fahrer hat er die magische Marke mindestens einmal geknackt. "Mit dem Wartburg kommen schon noch ein paar dazu, zum Beispiel auf dem Ifa-Festival."

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