Warum ein Mühlen-Unternehmen im Vogtland Millionen investiert

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Firma erweitert Standort in Oberlosa - Ein Grund ist die wachsende Nachfrage nach Haferdrinks

Es ist nach Aussage der Kreisverwaltung die größte Wirtschaftsinvestition im Vogtlandkreis in diesem Jahr: Das Unternehmen Rubin-Mühle aus dem baden-württembergischen Lahr steckt 20 Millionen Euro in die Erweiterung seiner Produktionskapazitäten im Süden von Plauen. "Freie Presse" beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Schalmühle?

In einer Schälmühle werden Getreidekörner nicht wie in einer herkömmlichen Mühle zu Mehl gemahlen, sondern geschält. Das Schälen des Korns ist nur bei Hafer und Gerste notwendig, da bei diesen beiden Sorten die Deckblätter, die sogenannten Spelzen, nicht bei der Ernte entfernt werden können, erklärt Christopher Rubin, Inhaber der Rubin-Mühle mit Standorten in Lahr (Baden-Württemberg) sowie Plauen. Bei Roggen oder Weizen seien die Spelzen weniger fest, so dass sie bereits im Mähdrescher abfallen. Am Standort Plauen der Rubin-Mühle im Gewerbegebiet Oberlosa wird vor allem Hafer geschält und anschließend weiterverarbeitet.

Wie wird das Haferkorn weiterverarbeitet und wofür wird es verwendet?

Der geerntete Hafer wird in der Mühle in Oberlosa zunächst gereinigt, mittels Wasserdampf erhitzt befeuchtet und schließlich geschält. Danach wird das Korn in einem Walzwerk mechanisch bearbeitet, so dass daraus Haferflocken entstehen. Der gesamte Prozess ist computergesteuert und automatisiert. "In unserer Schaltwarte gibt es eine Wand mit vielen Bildschirmen - fast so wie in einem Atomkraftwerk", sagt Inhaber Christopher Rubin. Die hergestellten Flocken finden sich dann in Müslis und Energieriegeln großer Hersteller und namhafter Marken wieder, ein immer größerer Anteil wird außerdem weiterverarbeitet zu Haferdrinks, einem veganen Milchersatzgetränk.

Warum investiert das Unternehmen Rubin-Mühle in den Standort Plauen?

Weil die Nachfrage nach Haferdrinks deutschlandweit ansteigt. "Das ist unser größter Wachstumstreiber", sagt Inhaber Christopher Rubin. Milchersatzgetränke lägen seit Jahren im Trend, zum einen deshalb, weil vegane Ernährung eine immer größere Bedeutung gewinnt, zum anderen, weil andere Milchersatzgetränke aus Reis, Mandeln oder Sojabohnen eine schlechtere Ökobilanz aufweisen, da die Anbaugebiete zumeist außerhalb Europas liegen.

Wofür wird die Investitionssumme verwendet?

Mit dem Geld soll die Produktionskapazität verdoppelt werden, kündigt das Familienunternehmen aus dem Schwarzwald an. Bisher werden in Oberlosa 600 Tonnen Hafer pro Woche verarbeitet, mit Fertigstellung des Neubaus Ende 2022 sollen es 1200 Tonnen sein. Dazu benötigt das Unternehmen ein weiteres Flockenwalzwerk. Zudem soll ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Im Zuge der Investitionen soll auch die Anzahl der Beschäftigten von derzeit 47 um 20 Prozent erhöht werden, kündigen die Inhaber an.

Woher kommt der Hafer, der in Plauen verarbeitet wird?

Vor allem aus dem sächsischen Vogtland, aber auch aus Bayern, Thüringen und Tschechien, sagt Christopher Rubin. In der Landwirtschaft sei Hafer noch immer ein Nischenprodukt, die Nachfrage zwinge aber dazu, mehr von dem Getreide anzubauen. "Wir sind in der Region unterwegs und versuchen, die Landwirte davon zu überzeugen, auf den Anbau von Hafer umzusteigen", sagt Christopher Rubin.

Was kann in der Mühle in Plauen noch verarbeitet werden?

Im Prinzip kann das Korn aller Getreidesorten verarbeitet werden, neben Hafer also auch Roggen, Weizen, Gerste oder Dinkel. Ein Container mit 25 Tonnen Bio-Roggen aus Plauen geht beispielsweise einmal im Monat nach Japan, wo die Flocken zu Backwaren verarbeitet werden.

Woran erkennt man gute Haferflocken?

Hafer gilt neuerdings als Superfood, die Flocken liefern Energie, zudem kann das Getreide nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung dabei helfen, den Blutzucker- und Cholesterinspiegel zu senken und den Darm zu schützen. Laut Christopher Rubin enthalten gute Haferflocken möglichst wenige Spelzen und Verunreinigungen durch eingetragene Samen. Wichtig sei auch die Herkunft: "Nur auf deutschen Höfen kann man die Anbaubedingungen kontrollieren."

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