Weißes Jackett mit Tradition

Mit 23 Jahren dirigiert Richard Wunderlich das Akkordeonorchester Klingenthal. Wer ist dieser junge Musiker?

Klingenthal.

Im Sternzeichen des Widder (21. März bis 20. April) ist Richard Wunderlich geboren. "Energiegeladen und voller Mut zeigt sich der Widder, voller feuriger Impulse", heißt es im Horoskop. Sie gelten demnach gemeinhin als ausdauernd und begeisterungsfähig, sie seien belastbar, ehrlich und freimütig. Da scheint was dran zu sein. Mit 20 Jahren dirigierte der heute 23-jährige Musikwissenschaftler erstmals ein Konzert des Akkordeonorchesters Klingenthal, und das vor einem großen Publikum in der Rundkirche "Zum Friedefürsten".

Begeistert für die Musik, so sagt er, habe ihn schon Kantor Matthias Sandner mit dem Singen im evangelischen Kindergarten in Klingenthal. Das Interesse für das Akkordeon weckte Grundschullehrerin Beate Hapatzky, und so war es kein Zufall, das er 2004 zu Karl Lipsius an die Musikschule kam. Der war damals auch der Dirigent des Akkordeonorchesters. Nach dessen Tod führte ihn Manfred Mangold aus Grünbach zum Musikschulabschluss.

Musik hat Richard Wunderlich schon immer fasziniert. "Ich habe bereits als Kind gerne Klassik gehört - Mozart und Beethoven. Mich interessiert aber auch Brecht und Eisler." Ab der 5. Klasse besuchte er das Gymnasium Markneukirchen und lernte in der Bläserklasse bei Thomas Weigelt Tenorhorn, spielte zudem im Posaunenchor bei Matthias Sandner. "Ich hatte oft fünf Proben pro Woche", schaut er zurück.

Als Stress empfand er das nicht. "Musizieren ist eine Disziplinfrage. Aber Spaß muss es natürlich machen", sagt er. Nebenher absolvierte er erste Auftritte mit dem Theaterdorf Zwota. Da ist er auch heute noch gern dabei. Inzwischen freut er sich aber auch über freie Abende.

Am Gymnasium Markneukirchen erlebte er etliche Musical- und Theaterproduktionen, machte sich zudem mit der Moderation vertraut, und weiß, welche Vorbereitung notwendig ist, um niveauvoll durch eine Veranstaltung zu führen.

2011, gerade 14 Jahre alt, spielte Richard Wunderlich das erste Mal im Akkordeonorchester, damals dirigiert von Gunther Gerber. Eines hat er nicht vergessen: Als er erstmals die "Jubelklänge" des Klingenthalers Ernst Uebel spielen sollte, war er den Tränen nahe: "Die Noten waren mit Tinte geschrieben, mit Hand vervielfältigt. Das war schon ungewohnt."

Aber er hat sich reingefitzt, und inzwischen schreibt er selbst die Noten mit Bleistift auf Papier. "Das hat was, auch wenn es altmodisch wirkt. Aber es ist eben keine Dutzendware, sondern ein Markenzeichen für das Orchester", freut er sich.

Das Abitur hat Richard Wunderlich in Markneukirchen gemacht. "Ein großer Fan der Naturwissenschaften war ich nicht", gesteht er im Rückblick. Danach folgten drei Jahre Studium der Musikwissenschaften in Halle. "Das ist viel Theorie um die Musik: Geschichte, Pädagogik, Psychologie, Ethnologie - bis hin zur Forschung", erläutert er. Schon damals übernahm er vom erkrankten Gunther Gerber Aufgaben im Akkordeonorchester.

Inzwischen ist er dessen Chef. Das Ensemble sei wie eine große Familie, sagt er - in der natürlich einer die Zügel in der Hand halte. Richard Wunderlich führt eine allein vom Alter her bunt gemischte Truppe, hat aber längst auch seine Handschrift einfließen lassen.

"Ohne Show-Elemente kommt man heute nicht mehr aus", ist er überzeugt. Deshalb wird beispielsweise auch die legendäre Melodie der Olsenbande gerne mit einem passenden Auftritt eines Trios unterlegt. Und dass er, wie einst Karl Lipsius, als Dirigent im weißen Jackett auf der Bühne steht, ist kein Zufall: "Das meiste habe ich Karl Lipsius zu verdanken".

Und Richard Wunderlich kümmert sich auch um den Nachwuchs. Er studierte noch in Halle, als ihn Sängerin Yvonne Deglau informierte, dass es im Waldwichtel-Kindergarten Zwota eine gute Gruppe kleiner Akkordeonspieler gäbe. Die betreut er nun mit, zum Frühlingskonzert 2018 in Zwota hatten die Kinder als Kleine Harmonisten den ersten Auftritt. Diese Nachwuchsarbeit will er kontinuierlich weiterführen. "Das sorgt mit dafür, dass man die Bodenhaftung behält", betont er.

Derzeit arbeitet Richard Wunderlich auf Honorarbasis an der Musikschule Vogtland. In Klingenthal sieht er seine Zukunft, beruflich wie privat. "Ideen habe ich viele im Hinterkopf, und die Möglichkeit, hier etwas zu machen, sind groß", ist er überzeugt. Denn wie steht auch im Horoskop für die Widder: Sie seien selbstbewusst und visionär.

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