Weltmeister-Manufaktur will asiatischen Markt bespielen

Hinter den Klingenthaler Akkordeonbauern liegt ein Halbjahr, dessen Bilanz den Geschäftsführer optimistisch in die Zukunft schauen lässt.

Klingenthal.

Seit dem 1. Juni hat die Klingenthaler Weltmeister Akkordeon Manufaktur eine chinesische Mitarbeiterin in Singapur sitzen - und die scheint rührig zu sein. "Wir konnten bereits Instrumente in Ländern wie Australien und Thailand verkaufen, in denen wir bisher nicht oder schon lange nicht mehr präsent waren", sagte Geschäftsführer Frank Meltke. Auch nach China selbst wurden bereits Instrumente geliefert. Schon seit einigen Monaten gibt es auch in Kalifornien ein Büro für den Markt in den USA, Mexiko und Kanada.

Das erste Halbjahr liegt hinter dem Klingenthaler Akkordeonhersteller. "Vom Umsatz her liegen wir im Plan", sagt Meltke, der seit Herbst 2018 in Klingenthal tätig ist. "Jetzt schauen wir natürlich schon auf den Herbst und vor allem das Weihnachtsgeschäft", blickt der Geschäftsführer voraus.


Nach der Insolvenz der 1992 gegründeten Harmona Akkordeon GmbH war zum 1. Oktober 2017 unter dem Namen Weltmeister Akkordeon Manufaktur wieder ein Neustart in Klingenthal vollzogen worden. Hauptgesellschafter ist seither Hans Martin Jahn aus Heidenau. Frank Meltke hat dabei als Geschäftsführer eine Bürde übernommen, aber er schaut optimistisch in die Zukunft. "Weltmeister-Akkordeons aus Klingenthal sind in der Welt noch ein Begriff. Man wird damit international mit offenen Armen empfangen", kann er inzwischen aus eigener Erfahrung berichten.

Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz sieht er den Markt für Klingenthaler Akkordeons in Nordamerika, Russland und Asien. Bei den Größenordnungen, an die die Händler aus Asien denken - ein Inder wollte beispielsweise sofort 400 Instrumente kaufen -, müssen aber auch die Fertigungsabläufe bei der Herstellung in der Klingenthaler Manufaktur überarbeitet und optimiert werden. Es ist eine der vielen Baustellen, die Frank Meltke derzeit bearbeitet.

Der Test des sogenannten Erl- königs ist dabei auf der Zielgeraden. Das neue Akkordeon aus Klingenthal soll vom Gewicht her leichter sein als herkömmliche Modelle, und auch in der Spielbarkeit Vorteile aufweisen. Hinter dem neuen Instrument steht ein Entwicklerteam von Fachleuten aus Deutschland, den USA, Russland und Spanien. Nach erfolgreichen Tests in Deutschland, Italien, Neuseeland und Russland stehen nun noch die USA und Kanada auf dem Programm. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich, dass im Oktober wie geplant die Serienfertigung anlaufen kann. Das Marketing dazu soll bereits im September starten. Erste Bestellungen für das neue Klingenthaler Akkordeon-Modell waren schon im Frühjahr eingegangen.

Parallel dazu investieren die Klingenthaler Akkordeonbauer derzeit viel in die sogenannte Kundenpflege. Mit Reparateuren aus Deutschland, der Tschechischen Republik und Russland gab es bereits zwei jeweils einwöchige Weiterbildungen in Klingenthal. Auf jeweils zwei Jahre will man entsprechende Reparatur-Lizenzen vergeben.

Die Dachsanierung der vergangenen Wochen am gut 60 Jahren alten Gebäude der Klingenthaler Harmonikawerke hat viel Geld gekostet. Die ebenfalls notwendige Gestaltung der Fassade ist deshalb auf 2020 verschoben. Noch in diesem Jahr soll aber die Schaumanufaktur im Erdgeschoss Realität werden.

Frank Meltke, der Mann aus dem Erzgebirge, Jahrgang 1971, bringt Erfahrungen aus Korea, Russland und den USA mit. Die Chance, den Weltmeister-Namen wieder zum Leben zu erwecken, bekomme man nur einmal, sagt er. Das sei wie eine erfolgreiche Trüffelsuche, sucht er einen bildlichen Vergleich. Sein Ziel für das Klingenthaler Akkordeonbau-Unternehmen: "Eine kleine, feine, stabile Manufaktur - analog Seydel Söhne in der Mundharmonikabranche."

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