Wer regiert Bad Brambach? Riesiges Interesse für Kandidaten

Vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag in einer Woche hatte die "Freie Presse" zum Bürgerforum eingeladen. Die Festhalle platzte aus allen Nähten.

Bad Brambach.

Mit einem großen Interesse hatte die "Freie Presse" gerechnet. Am Ende war es ein regelrechter Ansturm und für viele Gäste blieben nur noch Stehplätze: Rund 250 Besucher zählte am Donnerstagabend das Bürgerforum anlässlich der Bürgermeisterwahl im Kurort. Die Kandidaten Jürgen Lenk (CDU), Maik Schüller (Einzelkandidat) und Torsten Schnurre (Einzelkandidat) stellten sich den Fragen. Die reichten vom verschönerungsbedürftigen Ortsbild, über das Problem eines fehlenden Arztes bis hin zum Thema Jugend.

Alles hängt mit allem zusammen - eine Publikumsfrage brachte das besonders auf den Punkt: "Was tun sie für den Zuzug?", wollte Nicole Lenk, eine junge Mutter, wissen. Wohnraum sei ein echtes Problem in Bad Brambach. "Wir haben uns Wohnungen der Gemeinde angeschaut. Unter aller S...!" Es gebe ein Potenzial, dass Leute im Ort bleiben wollen, sagte sie und fragte angesichts der von ihr erlebten Umstände: "Ist das gar nicht gewollt?"

Natürlich wollen sie, die potenziellen neuen Bürgermeister. "Die Nachfrage muss gedeckt werden", sagte Torsten Schnurre. Für mehr Bauland sprachen sich alle drei Kandidaten aus. Den Verantwortlichen im Landratsamt sei "solange auf die Füße zu treten, bis die Knöchel wehtun", meinte Maik Schüller. "Wir haben viel Leerstand, es muss dringend investiert werden", sagte Jürgen Lenk. Doch dazu braucht es Geld. Und das hat Bad Brambach nicht. Das Landratsamt fordert Sparmaßnahmen. Und das prägt Perspektiven - etwa beim Thema Gemeindepersonal.

Thema Gemeindepersonal: AlsGemeinderatsmitglied ist Jürgen Lenk bereits hinreichend mit der Spar-Forderung konfrontiert. Er sieht im altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitern daher eine Chance, Ausgaben zu reduzieren. "Wir haben ein Problem mit Personalkosten." Postwendend gab es jedoch Widerspruch aus dem Publikum. "Wer soll denn die Arbeit machen?" Torsten Schnurre sieht in einem Personalentwicklungskonzept einen Weg, will aber keinesfalls reduzieren. "Es ist Lebensqualität, die wegfällt." Für Maik Schüller ist die Sache klar. Bad Brambach habe "zu viel Stab". Er will zugunsten des Bauhofs umstrukturieren. Das Brambacher Problem aus seiner Sicht: "Es gibt reichlich Leute, die wollen lenken, viele Mitfahrer, aber keine Anschieber." Beifall.

Thema Ortsbild: Was ebenfalls viele Brambacher umtreibt: ihr Ortsbild. Statt herausgeputzt präsentiert sich der Kurort stellenweise trist, Häuser stehen leer und verfallen. Die Frage nach Rezepten für die Ortsbildverschönerung stand. Auch dafür gilt: Ran wollen alle drei. "Hier muss angepackt werden", forderte Maik Schüller. Als "zum Teil erschreckend" bezeichnete Torsten Schnurre den Zustand mancher Gebäude. Und auch Jürgen Lenk sieht das Ortsbild als "deutlich verbesserungswürdig" an. Doch als Ratsmitglied kennt er auch schon Gründe. "Es geht hier zum Teil nicht um das Eigentum der Kommune. Die Handhabe ist gering", sagte er. Zudem hätte man Prioritäten bewusst anders gesetzt, lieber Straßen gebaut, statt Geld ins marode Rathaus gesteckt.

"Mir ist relativ egal, was in den letzten Jahren passiert ist", entgegnete Torsten Schnurre. Sein Gesamt-Lösungsansatz läuft auch übers Ortsbild: Präsentation und Marketing sind sein Schlüssel zum Erfolg. Dann kommen mehr Gäste, die bringen mehr Geld - und dann dreht sich die Spirale aufwärts, weil auch wieder investiert werden kann. Jürgen Lenk setzt vor allem auf die Sächsischen Staatsbäder und ihre Absicht, in den nächsten Jahren im Kurort kräftig zu investieren. "Diesen Startschuss sollten wir nutzen."

Thema Führungsstil: Alle drei Kandidaten wollen den Ort kommunikativ führen. Jürgen Lenk setzt auf regelmäßige Bürgersprechstunden und Einwohnerversammlungen. Maik Schüller auf permanente Ansprechbarkeit und sprach wiederholt vom "Blick über den Tellerrand", der bei der Lösung von Problemen helfen soll. Und auch Torsten Schnurre sieht im intensiven Austausch mit den Einwohnern die Grundlage für alles.

Die Bürgermeisterwahl findet am 9. September statt. Bekommt kein Kandidat auf Anhieb die absolute Mehrheit, wird am 30. September neu gewählt. Dann reicht die einfache Mehrheit.


Kommentar: Brambachpur

Drei Kandidaten nebeneinander, da wurden Unterschiede sichtbar.

CDU-Mann Jürgen Lenk ist der schon Eingebundene: Als Gemeinderatsmitglied kennt er die Realitäten - vor allem mit Blick auf das Machbare. Er weiß, wie schwierig das Geschäft sein kann - und tritt entsprechend auf. Maik Schüller muss das nicht. Politisch unbeleckt hat er die reine Bürgerperspektive aufs Podium gebracht. Der Einzelkandidat formulierte zudem die knackigsten Sätze. Torsten Schnurre präsentierte sich als Mischung seiner beiden Mitbewerber. Er zog sich keinen Schuh für Dinge der Vergangenheit an, nahm an vielen Stellen aber auch den Mund nicht zu voll. Als Mitarbeiter eines FDP-Bundestagsabgeordneten kennt er bürokratische und gesetzliche Hürden etwa im Baurecht.

Drei unterschiedliche Männer. Jetzt haben die Bürger die Wahl.

Was noch auffiel: Fast zwei Stunden lang ging es ausschließlich um Bad Brambach und dessen Belange, die große Politik samt ihrer Gräben blieb außen vor. Sowohl Podium als auch Publikum trugen dazu bei. Letzteres lechzte geradezu danach, die Dinge konstruktiv-kritisch mit nach vorn zu bringen. Von dem oft beklagten mangelnden Interesse an der Kommunalpolitik war in Bad Brambach nichts zu spüren.

Egal, wie der neue Bürgermeister heißt: Er sollte es sich zunutze machen.

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