Wespen gegen Holzwürmer: Rettungsaktion für Dorfkirche

In der St. Marienkirche Arnoldsgrün steckt der Wurm - der Holzwurm, um genau zu sein. Ihm wird jetzt auf eine sehr ungewöhnliche Weise zu Leibe gerückt.

Arnoldsgrün.

Regelmäßig müssen sie weggekehrt werden: die kleinen weißen Häufchen unter den Sitzbänken und auf den Treppenstufen. Wer in einem alten Haus wohnt, weiß, wovon die Rede ist: Holzwürmer und die Spuren ihres Hungers. Auch die St. Marienkirche in Arnoldsgrün ist davon betroffen. Zwar nicht so arg, dass sie deshalb in absehbarer Zeit einzustürzen droht, aber dem Tun der Schädlinge darf man trotzdem nicht freien Lauf lassen.

Wie ist den Holzwürmern beizukommen? Normalerweise gilt die chemische Keule als probates Mittel. Kirchenvorstand Ronny Ficker: "Wir können unsere Kirche aber nicht aussprühen oder ausräuchern lassen, weil sich hier auch Fledermäuse niedergelassen haben. Deshalb haben wir uns für eine biologische und umweltfreundliche Methode entschieden: In der Kirche werden Schlupfwespen ausgesetzt. Sie fressen die Eier der Holzwürmer, und die sterben dann auf ganz natürliche Weise ab." Der Erfolg des tierischen Einsatzes stellt sich natürlich nicht über Nacht ein. Er muss regelmäßig erfolgen - dreimal war es bisher der Fall. Er wird von einem Sachverständigen aus der Nähe von Jena kontrolliert. Die Arnoldsgrüner müssen dem Holzwurm also noch eine ganze Weile ertragen. Ronny Ficker spricht von den nächsten drei Jahren, die für die Behandlung vorgesehen sind. Schlupfwespen stechen übrigens nicht.

Schlupfwespen und Sachverständiger kommen nicht für umsonst in die St. Marienkirche. Insgesamt sind für das "Projekt Holzwurm" circa 10.000 Euro veranschlagt - eine nicht unerhebliche Summe, die durch Benefizkonzerte zusammenkommen sollen. Das jüngste fand am Sonntag statt und am Ende knisterten und klimperten 500 Euro in den Kollekteschalen. Gestaltet wurde das Konzert von der Plauener Schriftstellerin Christiane Seidel, die den Besuchern im dichtgefüllten Gotteshaus vergnügliche Geschichten rund um den Gesang und das Chorwesen vortrug, was ausgesprochen gut ankam. Praktisch umrahmt und ergänzt wurde die Theorie vom Gospelchor Bad Elster. Er wird seit Oktober 2015 von Sebastian Wildgrube geleitet. Er stammt aus Arnoldsgrün, ist über die Region hinaus als musikalisches Multitalent bekannt . "Als ich nach dem Abschied von Erik Emanuel Wohlrab gefragt wurde, ob ich die Leitung vom Gospelchor übernehme, hatte ich nichts dagegen. Nur eine Bedingung: Ich habe einen straffen Wochenplan und deshalb könnten die Proben erst nach der Probe mit Brezel Brass stattfinden - also Mittwoch um 20.30 Uhr." Dass diese ungewöhnliche Zeit den Chor nicht abschreckte, beweist, wie "scharf" sie auf Sebastian Wildgrube als Leiter und selbst am Fortbestand ihres Chores interessiert sind. Wie hoch seine Qualität ist, erlebten die Besucher beim Benefizkonzert.

Dass der Chor unter anderem von einem Stein sang, der - und sei er auch noch so klein - Wellen hervorruft, wenn er ins Wasser geworfen wird, hatte einen unmittelbaren Bezug zum "Projekt Holzwurm": Jede Spende - und sei sie auch noch so klein - führt zum Gelingen.


St. Marienkirche Arnoldsgrün

Die Geschichte der Kirche in Arnoldsgrün reicht bis ins 12./13. Jahrhundert zurück. Aus der Frühzeit der Kirche um 1200 stammt der Taufstein. Seine Größe lässt vermuten, dass das Gotteshaus einst eine Wallfahrtskirche war. Bis in die 1930er Jahre stand der Taufstein neben dem Turmeingang im Freien und war mit Blumen bepflanzt. Dass er sichergestellt und restauriert wurde, ist dem Vater des damaligen Pfarrers Heinz Ihle zu verdanken.

Nach einem Brand wurde die Kirche 1834 vollständig zerstört und wieder aufgebaut, mit 264 Plätzen und zwei Emporen. Der Turm stammt aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Starke Mauern und schießschartenartige Fenster erinnern an eine alte Wehrkirche. 2009 wurden die sanierten Reste des alten Flügelaltars wieder im Innenraum angebracht.

Eine Besonderheit in der St. Marienkirche ist die Orgel. Sie wurde 1836 vom Arnoldsgrüner Christian Gottlob Steinmüller gebaut, der in der Werkstatt des Adorfer Orgelbaumeisters Johann Gottlob Trampeli lernte und arbeitete. Im vergangenen Jahr wurde das Instrument restauriert. (eso)

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