Wettbewerb ohne echten Stellenwert?

Der Ausfall 2020 bietet für den Internationalen Akkordeonwettbewerb in Klingenthal die Chance einer Standortbestimmung.

Klingenthal.

Er war der Star des Internationalen Akkordeonwettbewerbs Klingenthal 2019: Radu Ratoi aus der Republik Moldau. Der junge Mann gewann den Solistenwettbewerb und auch die Kategorie Weltmusik. Von Klingenthal als der "Champions League des Akkordeons" war euphorisch die Rede.

Wer aber im Nachgang nach einem internationalen Echo auf den Wettbewerb sucht, wird enttäuscht sein. Selbst Radu Ratoi erwähnt auf seiner Facebook-Seite seinen Klingenthaler Doppelsieg von 2019 mit keiner Silbe oder gar einem Foto.

Es ist ein Thema, das seit Jahren diskutiert wird: Welchen Stellenwert hat der Klingenthaler Wettbewerb wirklich noch in der Welt? Wie zeitgemäß sind solche Wettbewerbe überhaupt? Die Meinungen dazu gehen auch in Klingenthal auseinander. Fakt ist aber, dass ein Preis in Klingenthal heute scheinbar nicht mehr automatisch die Tür öffnet für eine internationale Karriere.

Der coronabedingte Ausfall des Wettbewerbs 2020 würde die Zeit bieten, im Förderverein zu diskutieren, ob eine Neuausrichtung, oder gar die Umwandung in ein publikumswirksames Festival nicht sinnvoller wäre. Die Frage steht nicht zum ersten Mal im Raum.

Zumal: Eine Vermarktung ihres Erfolgs hat Klingenthal bisher den Siegern selbst überlassen. Das ist ein Thema, das unter anderem bereits 2006 die inzwischen verstorbene polnische Akkordeonlegende Lech Puchnowski angesprochen hatte: "Wo sind die Agenturen, die mit der Siegerin aus Klingenthal Konzerte veranstalten wollen?", fragte er damals beim Sieg der Russin Maria Vlassowa. Die saß zumindest 2019 mit in der Jury des Klingenthaler Wettbewerbs.

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