Wie der Orientteppich nach Deutschland kam

Eine neue Sonderausstellung im Teppichmuseum auf Schloss Voigtsberg beleuchtet ein Kapitel Industriekultur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Oelsnitz.

Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der sächsischen Industriekultur. Ein Anlass dafür, um in Oelsnitz in einer umfangreichen Sonderausstellung unter dem Motto "Orient-Stickteppiche - Der Perser aus Deutschland" auf die Geschichte der Produktion hierzulande einzugehen.

Die Schau widmet sich insbesondere der Herstellung von Stickteppichen, welche die Geschichte von den Anfängen des maschinellen Stickverfahrens bis heute zeigt. Mehr als 200 Exponate lassen erkennen, wie sich die maschinelle Textilproduktion in Sachsen ab den 19. Jahrhundert entwickelte und die Region zu einem der wichtigsten Standorte in diesem Bereich wurde.

Zur Eröffnung der Sonderschau hielt am Samstagabend die Alt-Orientalistin Reingard Neumann von der Universität in Münster einen Fachvortrag darüber, wie es der Perser-Teppich nach Deutschland schaffte. Ab 1927 war man demnach hierzulande in der Lage, die Teppiche qualitativ so wie im Orient herzustellen. Musterzeichner hätte damals auch eigene Ideen in die Gestaltung mit eingebracht, um den europäischen Geschmack zu bedienen, ohne den orientalischen Ansatz zu verlieren. Reingard Neumann ging insbesondere auf die Oelsnitzer Produktion ein, die 1880 mit der maschinellen Teppichfabrik Koch & te Kock begann, nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und zum volkseigenen Betrieb Halbmond Oelsnitz umgewandelt wurde.

Fasziniert von der umfangreichen Geschichte der deutschen Teppichproduktion, vor allem in Oelsnitz, ist Werner Middendorf aus Potsdam. Er war am Samstag zu Eröffnung anwesend und schenkte dem Museum einen vier mal vier Meter großen Orientteppich. Wie er sagt, wurde der Teppich zwischen 1947 und 1972 in Hameln angefertigt. Der Teppich hebt sich insbesondere durch seine Muster hervor. "Er ist eine Nachbildung eines indischen Teppichs. Die Herstellung solcher Teppiche war nicht einfach, denn durch die sehr kleinen Musterelemente musste an den Maschinen der Stickkopf jedes Mal neu ausgerichtet werden. Es war ein kompliziertes Herstellungsverfahren", erklärt er. Der Hobbyteppichsammler besitzt ein sehr großes Sortiment an orientalischen Teppichen. Einige Exponate hat er als Leihgabe der Ausstellung zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Leihgeber aus dem In- und Ausland sind ebenfalls in der Schau involviert. Diese zeigt auch historische Stickmaschinen, die extra für die Sonderausstellung wieder in Gang gesetzt wurden. Somit soll die Ausstellung für die Besucher noch erlebbarer sein.

Kuratorin ist Dagmar Zimmermann vom der Oelsnitzer Kultur GmbH. Ihr wurde am Samstag sehr viel Lob für die Aufstellung der Schau ausgesprochen. "Was sie hier auf die Beine gestellt hat, ist unglaublich und verdient es lobend erwähnt zu werden", sagte Teppich-Experte Werner Middendorf.

Wer mehr über die Geschichte der Teppichproduktion in Sachsen und Deutschland erfahren möchte, hat dazu auf Schloss Voigtsberg mehr als ein Jahr lang die Möglichkeit. Denn die Sonderschau wird bis 31. Dezember 2020 zu sehen sein.

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