Wie Markneukirchen die Absage erklärt

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In der Musikstadt sind die Digitalvariante und eine Aufteilung des Wettbewerbs diskutiert worden. Warum es anders kam.

Markneukirchen.

Es war ein sehr verlockendes Angebot gewesen, das Markneukirchen zur Rettung des Internationalen Instrumentalwettbewerbs 2021 unterbreitet wurde. Die ersten zwei Runden in den Fächern Violine und Kontrabass im Mai digital, die dritte Runde und die Finals im Herbst vor Ort. Eine Idee von Julius Berger, Cellist und Ehrenpräsident des Wettbewerbs. Eine Idee mit viel Charme, sagt Carola Schlegel, Leiterin des Wettbewerbs. Am Ende wurde sie dann aber verworfen und der Wettbewerb 2021 abgesagt.

Den Wettbewerb zu teilen, hätte den Veranstaltern einen Zeit-Puffer verschafft und im Herbst dann die Brücke zum regionalen Instrumentenbau als besonderem Merkmal der Markneukirchner Konkurrenz geschlagen. Auch ein Ersatztermin im Oktober wäre im eng getakteten Feld der Musikwettbewerbe der Genfer Musikföderation - sie gilt als Champions League der Wettbewerbe - vorhanden gewesen. Auf die andere Seite der Waage wurde indes gelegt: Im Oktober ist Semesterstart, aktive Hochschullehrer unter den Professoren wären ebenso gebunden wie Studenten, auch durch Diplom- und Nachholprüfungen. Zur Sorge "zu der Zeit kriegen wir keine Jury" kam ein anderes Problem: Was ist, wenn Musiker, die in den Digitalrunden weiterkamen, im Herbst nicht ins Vogtland reisen dürfen? "Dann könnten die, die diese Lösung im Frühjahr gut fanden, es ganz anders sehen, wenn es sie selbst betrifft", befürchtet Schlegel Auswirkungen auf den Wettbewerb.

Die komplette Digitallösung des Wettbewerbs war nicht zuletzt deshalb verworfen worden, weil dann zum einen der Musikinstrumentenbau vor Ort nicht profitiert und sich die besondere Auftrittssituation mit Orchester und vor Publikum online einfach nicht herstellen lasse, so Schlegel. Sie spricht in diesem Zusammenhang vom "Irène-Duval-Moment": Vor zehn Jahren bezauberte die französische Geigerin Jury wie Publikum in Markneukirchen derart, dass selbst Laien beim Zuhören in der Musikhalle spürten, Ohrenzeuge eines ganz besonderen Ereignisses zu sein. Den hohen Standard seines Wettbewerbs will Markneukirchen nicht durch eine zwar gut gemeinte, aber weniger gut umgesetzte Kompromissvariante verspielen. Das gelte nicht zuletzt für Finanziers und Sponsoren, sagt Schlegel, und hat die Worte eines wichtigen Unterstützers im Ohr. "Ich stehe zu meinen Zusagen. Aber ein Versagen darf es nicht gegen."

Die dieses Jahr geplante Konkurrenz findet nun 2023 statt. Überlegt wird, die Altersgrenze der Teilnehmer unter diesen Bedingungen heraufzusetzen, sagte die Wettbewerbschefin auf Anfrage. Das war 2020 geschehen, als der Wettbewerb für Horn und Tuba ins Jahr 2022 verlegt wurde. Aktuell sitzt Carola Schlegel über dem fünften Haushaltsentwurf für das Wettbewerbsjahr 2021.

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