Wie soll der neue Schlossturm aussehen?

Der Bergfried auf Schloss Voigtsberg wird in diesem Jahr um eine Doppeletage mit Aussichtsbereich aufgestockt. Die architektonische Umsetzung steht jetzt zur Diskussion.

Oelsnitz.

Gerade Linien oder Rauten, Holz oder Stahl? Oder eine Zinnenoptik? Wie soll der aufgestockte Bergfried auf Schloss Voigtsberg künftig aussehen? Diese Frage will der Oelsnitzer Stadtrat in seiner Sitzung am 5. Februar beantworten. Zuvor wollen die Oelsnitzer Kommunalpolitiker das Ohr an die Masse legen: Welche Optik halten die Oelsnitzerinnen und Oelsnitzer für die beste? Ein buntes Meinungsspektrum scheint garantiert. Denn bereits zur Vorstellung der Entwürfe am Mittwochabend im Stadtrat wurden unterschiedliche Präferenzen quer durch die Fraktionen sichtbar. Zwei Entwürfe wurden durch Planer Harald Schneider vorgestellt. Einen dritten Weg skizzierte der Schlossförderverein. Er soll noch weiterentwickelt werden. "Ich will, dass ein Einvernehmen entsteht", sagte Harald Schneider am Donnerstag. Wichtig und noch eine Unbekannte: Auch die Denkmalschutzbehörde muss das Ergebnis mittragen. Alle drei Varianten sehen eine verglaste Aussichtsetage vor. Die untere Ebene dient als Präsentationsfläche. Hier soll unter anderem die Entwicklung von Schloss Voigtsberg virtuell erlebbar werden.

Für die Optik des Doppelgeschosses unter dem sanierten Kegeldach stehen drei Varianten zur Debatte. Variante 1 zeichnet sich durch gerade Linien aus. "Die Stützen sollen sichtbar sein und strecken den Turm", erläuterte Schneider. Dieser Entwurf wurde im Stadtrat als der zurückhaltendere wahrgenommen. Als mutiger Weg gilt die Variante 2: Hier verleiht eine Rautenoptik dem Turm einen neuen Charakter. Die Raute kommt im Wappen der Straßberger Vögte vor, die Schloss Voigtsberg erbauten. Auch als Vogtland-V oder fachwerkähnlich könne diese Konstruktion wahrgenommen werden, versuchte Harald Schneider eine Herleitung. Der Weg des Schlossfördervereins, Variante Nummer 3, bringt eine Anspielung an die häufig auf Burgen vorkommenden Zinnen ins Spiel. Umgesetzt werden soll der Neubauteil in Holz oder Stahl. Die Meinungen dazu im Stadtrat: Holz entspräche eher einem historischen Charakter und entwickelt im Laufe der Zeit eine gewisse Patina. Stahl wiederum punktet durch seine Wetterbeständigkeit und einem geringen Aufwand in den Folgejahrzehnten. Stadträte, Schlossförderverein oder auch das Bauamt im Rathaus selbst nehmen Meinungen zum Vorhaben bis Anfang Februar entgegen, so Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank am Donnerstag.

Nach der Grundsatzentscheidung am 5. Februar soll es Schlag auf Schlag gehen. Von April bis August wird der historische Turm saniert. Hier gilt es besonders, die im Mauerwerk befindlichen Risse zu nadeln. Ab August könnte die neue Aussichtsetage aufgesetzt werden. Ziel ist es, dass zum Landeserntedankfest Anfang Oktober der Rohbau steht. "Das ist sportlich. Aber man muss sich schließlich Ziele setzen", meinte Harald Schneider. Der Innenausbau erfolgt bis Ostern 2021. In den vergangenen Monaten fanden bereits umfangreiche Voruntersuchungen statt. Vor allem der Baugrund und die Statik wurden überprüft. Im Ergebnis sei die geplante Aufstockung möglich, informierte der Oelsnitzer Planer.

100 Stufen werden per Gitterrosttreppe auf den Turm führen. Ein immer wieder diskutierter Aufzug sei nicht möglich, erläuterte Schneider nach Untersuchung vieler Varianten. Letztlich könne dieser nur außen angebaut werden - und damit den Charakter der gesamten Burg beeinträchtigen. Rund 800.000 Euro sind für die Arbeiten veranschlagt.


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