Wildes Vogtland: Einwanderer, Wiederkehrer, Transitreisende

Waschbär, Marderhund, Wildkatze, Biber, Wolf und andere: In einem Vortrag auf dem Riedelhof ging es tierisch zu.

Eubabrunn.

Wer denkt, das Vogtland sei in Bezug auf Tiere eine abgeschottete Region, der irrt gewaltig, denn alles andere wäre letztlich auch verwunderlich. Wer schon einmal Stammgast in den vogtländischen Wäldern, Gewässern oder sogar Orten war, wer lange Zeit fehlte, nun wieder und warum - geschmäht oder begrüßt - aufgetaucht ist, darüber informierte Karin Hohl, die Regionalkoordinatorin für Großraubsäuger in der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes, jüngst in einem Vortrag auf dem Riedelhof in Eubabrunn. Der Riedelhof hat übrigens den Status einer anerkannten Naturschutzstation.

Der Waschbär: Er ist ein sogenannter Neozoon, stammt ursprünglich aus Nordamerika und hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland ausgebreitet. Zum Einwanderer ist er laut Karin Hohl geworden, weil er aus Gehegen entkam oder auch ausgesetzt wurde. Nicht nur in Städten ist der Waschbär mittlerweile und zunehmend ein ungebetener Gast, denn als Allesfresser macht er selbst vor Komposthaufen, Nestern, Bioabfällen und Katzenfutternäpfen nicht halt. Die Streckenentwicklung im Jagdjahr 2014/15 wies für das Vogtland zwei Tiere auf, für 2015/16 bereits 16 Tiere und für 2017/18 ist die Tendenz weiter ansteigend. Genaue Zahlen liegen nach den Worten von Karin Hohl noch nicht vor.


Der Marderhund: Auch er ist kein für Mitteleuropa und also auch das Vogtland typisches Tier, stammt er doch ursprünglich aus Sibirien, China, Japan. Nach Europa kam der Marderhund, um das Fell wirtschaftlich zu nutzen, und auch er wurde durch Aussetzen zum "Neubürger". Als Allesfresser steht er laut Karin Hohl in direkter Habitat- und Nahrungskonkurrenz zum inzwischen sehr selten gewordenen heimischen Iltis. Die Streckenentwicklung im Jagdjahr 2014/15 wies für das Vogtland zwei Tiere auf, für 2015/16 waren es drei Tiere, und für 2017/18 ist die Tendenz ebenfalls ansteigend.

Der Goldschakal: Er wandert aus Südeuropa ein und bevorzugt als Lebensraum offene Landschaften. Derzeit ist nicht geklärt, ob er sich in der Region ansiedelt. Wie Karin Hohl sagte, sind im Vogtland zwei Fotoaufnahmen vorhanden, die - mit hoher Wahrscheinlichkeit - Goldschakale zeigen.

Der Biber: Er ist ein Rückkehrer in die vogtländische Kulturlandschaft. Sein Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer. Nachweise für das Vorkommen von Bibern im Vogtland erfolgten nach den Worten von Karin Hohl bisher an fünf Stellen, und das mit etwa zwei Dutzend Sichtbeobachtungen.

Der Fischotter: Er zählt zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltier- arten in Europa und gilt in Sachsen und Deutschland als von Aussterben bedroht. Der Fischotter bevorzugt flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen. Sein gefährlichster Feind ist der Mensch - wegen Lebensraumverlust, Verschmutzung von Gewässern und damit verbundene Nahrungsverknappung, Straßen- und Brückenbau sowie Aufstellen von Fischreusen. Stand November 2018 - so informierte Karin Hohl - gab es im Vogtland bisher drei Totfunde an Straßen, ein Foto an der Vorsperre Pirk, sowie drei Sichtungen und drei Funde von Losung.

Die Wildkatze: Wo sie auftaucht, ist das ein Indiz für eine gute Habitatsstruktur. Insofern freut sich Karin Hohl: "Ein Edelstein ist zurückgekehrt!" Die Wildkatze ist ausgesprochen scheu und deshalb kaum zu beobachten. Um ihr erfreulicherweise neuerliches Vorkommen im Vogtland belegen zu können, wurden Stand November 2018 insgesamt 229 Lockstöcke aufgestellt. Von 48 Haarproben waren zwei positiv. Elf tote Wildkatzen wurden gefunden, außerdem liegen ein noch unbestätigtes Foto und etwa zwei Dutzend Sichthinweise vor.

Der Wolf: Anders als etwa in Brandenburg oder Niedersachsen ist er im Vogtland bisher nicht heimisch geworden. Das Monitoring in der Region weist mit Stand vom Oktober 2018 nach Angaben von Karin Hohl zwei Fotofallenbilder und 41 Sichthinweise auf. 13 Risse sind unbestätigte Verdachtsfälle, zwei Risse durch einen Wolf sind nicht aus- geschlossen. Dreimal sei auch ein Heulen vernommen worden.

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