Wildschwein-Schäden: Die Verzweiflung wächst

In den Parkanlagen von Bad Elster haben die Tiere zuletzt keine Ecke verschont. Sämtliche Gegenmaßnahmen blieben erfolglos. Und das letzte Mittel scheidet aus.

Bad Elster.

Sie waren überall. Hinter der Kunstwandelhalle, im Albertpark, auf den Flächen rund um den Motorikpark. Und auch Bad Elsters Postkartenperspektive haben die Wildschweine nicht verschont. Die Parkanlage vor dem Königlichen Kurhaus zerwühlten die Tiere zuletzt auf großer Fläche. Damit rückt das seit längerer Zeit bestehende Wildschwein-Problem ins Herz des Staatsbades. Und in den Bildern steckt auch ein Stück Symbolik: Das Schweine-Problem, anfangs von manchen vielleicht etwas belächelt, ist mittlerweile ein zentrales in Bad Elster. Die relative Ruhe im Sommerhalbjahr war trügerisch.

"Seit August kommen die Tiere in den Park", sagt Elke Sternitzky, Gartenbaumeisterin bei den Sächsischen Staatsbädern. Das Aufkommen stieg, so wie die Felder abgeerntet waren. Bis zu viermal in der Woche stöberten die Wildschweine auf den Wiesenflächen auf der Suche nach Käfern und Würmern, sagt Sternitzky. "Kleine Flächen haben wir immer sofort repariert. Irgendwann sind die Flächen dann zu groß und man gibt auf." In Geld seinen die Schäden nicht zu beziffern, sagt die Gartenbauchefin. Vor allem sei es viel Arbeit, die auf das Team im Frühjahr wartet. Dass momentan der Schnee alles zudeckt - Elke Sternitzky beschreibt es als eine Art Atempause. "Aus den Augen, aus dem Sinn." Galgenhumor.

Dabei sei es nicht so, dass die Verantwortlichen nichts gegen das Problem unternommen hätten, sagt Elke Sternitzky. "Viele Leute fragen uns das immer." Kein Vergrämungsmittel, das sie nicht ausprobiert hätte. "Wir haben sogar Menschenhaare in Füßlingen überall aufgehängt", erzählt sie. Die Tiere vergraulte das genauso wenig wie Futterpellets mit bitterem Nachgeschmack. Das bittere Fazit: "Wir sind machtlos."

Es bleibt die Jagd. Jagdpächter und Sachsenforst stehen in der Verantwortung, die, sagt Elke Sternitzky, auch wahrgenommen werde. "Die Jäger sind fleißig." Bürgermeister Olaf Schlott (Unabhängige Bürgerschaft) kennt die Zahlen. 55 Wildschweine seien seit April rund um Bad Elster erlegt worden - deutlich mehr als in früheren Jahren. "Es gab Treibjagden, im Kellergrund wurde ein neues Revier eingerichtet", nennt Schlott weitere Aktivitäten. Doch der Anstieg der Population in den vergangenen Jahren sei einfach zu groß gewesen. Monokulturen auf den Feldern und milde Winter haben die Elsteraner dabei als die Treiber ausgemacht.

Als letzte Option sah der eine oder andere, die Tiere auch ortsnah zu jagen. Der Übergang vom Wald in die Parklandschaft ist fließend in Bad Elster. Die Stadt hat diese Option hinterfragt. Doch Jäger, die in den Königlichen Anlagen auf Wildschweine zielen, wird es nicht geben. "Die Untere Jagdbehörde hat uns schriftlich mitgeteilt, dass es keine Ausnahmegenehmigung dafür gibt", sagt Olaf Schlott. Ob sich dann ein Jäger gefunden hätte, der dafür die Verantwortung übernimmt, das wäre dann eine weitere Frage gewesen, so der Bürgermeister.

Ende des Monats steht ein Krisengipfel an. In großer Runde kommen alle zusammen, die das Thema berührt. Schnelle Lösungen, das scheint klar, wird es keine geben.

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