"Wir haben uns nicht nur geschüttelt"

CDU-Kreischef Sören Voigt im Interview

Mit der Vorsitzenden-Wahl im Dezember steht die CDU derzeit bundesweit im Fokus. Wie positionieren sich die Vogtländer? Und warum wehte frischer Wind nicht auch bei der Kür der eigenen Kandidaten im Vogtland? Diese Fragen hat Tino Beyer dem Kreisvorsitzenden Sören Voigt gestellt.

Freie Presse: Die CDU diskutiert über einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende: Merz, Spahn oder Kramp-Karrenbauer. Wen halten Sie für die richtige Wahl?

Sören Voigt: Positiv ist, dass wir in der CDU mehrere gute Kandidaten haben, die die Partei führen können. Fakt ist: Die CDU muss ihr Profil deutlich schärfen, ohne andere Parteien zu imitieren. Wir müssen deutlich machen, dass wir neben christlich-sozialen und liberalen Wurzeln eben auch eine starke konservative Wurzel haben. Und in diesem Sinne traue ich es insbesondere Friedrich Merz zu, diesen Prozess kraftvoll zu führen.

Wird sich die Vogtland-CDU in dieser Frage positionieren?

Wir werden über das Thema in der kommenden Woche im Kreisvorstand sprechen und so ein Stimmungsbild erhalten. Ich wünsche mir, dass in den Ortsverbänden intensiv diskutiert wird und viele Mitglieder an Regionalkonferenzen teilnehmen, um sich ein eigenes Bild von den Kandidaten zu machen. Unsere Delegierten zum Bundesparteitag werden sicher auch diese Eindrücke bei der Wahl der oder des Bundesvorsitzenden berücksichtigen. Das ist Basisdemokratie.

Reicht ein Rücktritt von Frau Merkel vom Parteivorsitz aus, um Sachsen in einem Jahr vor der Unregierbarkeit zu retten?

Für die Landtagswahlen sind wir selbst verantwortlich. Wir haben aus dem Votum der Wähler gelernt, Fehler erkannt und Entscheidungen der Vergangenheit korrigiert. Michael Kretschmer ist viel im Land unterwegs, ein Anpacken ist zu spüren. Die meisten Menschen honorieren das.

In Berlin weht frischer Wind, bei der Aufstellung der Kandidaten im Vogtland war davon wenig zu spüren. Gerade mal eine Frau forderte die Amtsinhaber heraus. Ist das nicht ein bisschen wenig an innerparteilicher Demokratie?

In der CDU kann jedes Mitglied für jedes Amt kandidieren. In Zeiten, wo einem der Wind auch mal kräftig ins Gesicht bläst, gehört aber Mut dazu, seinen Hut in den Ring zu werfen. Man muss eine Position vertreten und den Mitgliedern zeigen, was man anders beziehungsweise besser machen möchte. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass auch Erfahrung und Sachkenntnis bei der Nominierung eine wichtige Rolle spielen sollten.

In Plauen hat zur Bundestagswahl die AfD die CDU geschlagen. Hätten sich da nicht alle mal kräftig schütteln müssen - auch personell?

Die Bundestagswahl war vor allem eine Abstimmung über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Das Ergebnis in Plauen hat uns natürlich zu denken gegeben. Wir haben uns aber nicht nur geschüttelt. Der Stadtverband hat sich in der Folge noch stärker mit dem Thema "Sicherheit" beschäftigt und die richtigen sachlichen Schlüsse gezogen. Ich schätze Frank Heidan für seine fachliche Kompetenz als Arbeitskreisvorsitzender. Das gleiche gilt auch für Andreas Heinz.

Nächstes Jahr wird auch der Kreistag neu gewählt. Die CDU gab dort bislang immer den Ton an. Der Verdruss in der Bevölkerung bezüglich des Kreistags ist jedoch enorm - und das nicht erst seit der nicht geführten Mülldebatte. Gibt es bei Ihnen an dieser Stelle ein Problembewusstsein?

2015 haben wir als CDU die Veranstaltungsreihe " Dialog Gesellschaft" gegründet. Wir spüren, die Zahl derer, die etwas Positives für ihre Heimat erreichen wollen, ist deutlich größer als die, die nur schimpfen. Wir wollen mehr Transparenz und ich halte eine offene Beteiligungskultur für notwendig, damit die Menschen im Vogtland ihre Ideen und Vorstellungen für künftige Projekte in der Region einbringen können. Deshalb machen wir ihnen ein Angebot, unser Programm für die Kommunalwahlen gemeinsam zu erarbeiten.

Welche Möglichkeiten für Veränderungen sehen Sie?

Lieber einmal mehr in der Öffentlichkeit über ein Thema reden als zu wenig. Wir müssen Themen greifbar machen und erklären. Öffentliche Verwaltung muss ein flexibler Dienstleister sein und als Servicezentrum für die Menschen arbeiten. Sie braucht den Mut und den Willen, Projekte positiv zu begleiten, statt danach zu suchen, warum etwas leider nicht geht. Die Ermöglichungskultur muss wieder stärker in den Amtsstuben spürbar sein.

Eine Arbeitsgruppe Kultur der Vogtland-CDU hat eine Diskussionsgrundlage für künftige Entwicklungen ausgearbeitet. Was sind wesentlichste Eckpunkte?

Die CDU im Vogtland steht für ein breites Kulturangebot im gesamten Landkreis. Wir bekennen uns zum Theater Plauen. Dabei stellen wir auch die Frage nach Wirtschaftlichkeit. Wir möchten künftig mehr Geld an die Musikschulen geben. Unser Ziel ist ein flächendeckendes, qualitativ hohes Ausbildungsangebot für unsere Musikschüler, mit gut ausgebildeten Lehrkräften und stabilen Gebühren für die Eltern. Es gibt im Vogtland viele kulturelle Angebote, die Kunst, Geschichte, Traditionen und Heimat verbinden. Mir ist es wichtig, dass wir auch diese Angebote unterstützen. Hierzu braucht es eine umfassende Kulturkonzeption.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...