Wo Andreas Rubner noch Nägel mit Köpfen machen will

Halbzeit in der ersten und einzigen Amtszeit von Markneukirchens Bürgermeister: Was der 63-Jährige bereut - und was nicht.

Markneukirchen.

Es scheint gar nicht lange her zu sein, seit Andreas Rubner den Platz an der Spitze der Markneukirchner Computer- und Softwarefirma Vocus mit dem Chefsessel im Rathaus getauscht hat. Es sind tatsächlich aber dreieinhalb Jahre - die Hälfte ist rum der Amtszeit als Bürgermeister. Altersbedingt, Rubner ist 63, wird es seine einzige als Oberhaupt der Musikstadt bleiben. "Mir kommt die Zeit viel kürzer vor", sagt er - und zieht im Gespräch eine Halbzeit-Bilanz.

Als Ort zum Reden hat sich Rubner die Holzblasmanufaktur Gebrüder Mönnig ausgesucht. Wie sich die Firma aus schwierigen Zeiten hochgearbeitet hat, begeistert Rubner. "Die Basis in unserer Stadt muss die Wirtschaft sein. Darauf baut es auf", sagt der Bürgermeister. In dem Bereich sieht er inzwischen viel mehr Licht als Schatten. Die Summe, die als Einkommenssteueranteil bei der Stadt hängen bleibt, ist nennenswert gestiegen. Für Rubner das Zeichen, dass es "den Menschen besser geht als vor fünf Jahren".

Ein Bild von Markneukirchen als Paradies ohne Sorgen will der Bürgermeister aber nicht malen. Es gebe nach wie vor viel zu tun. "So ist für das Alte Schloss in Erlbach die Planung bis zum Bauantrag im nächsten Haushalt drin", verweist er auf das wichtige Haus im Luftkurort. Die Kreuzung an der Bayerischen Bierstube steht auf dem Zettel - hier drehte sich nichts, so lange die Feuerwehr vom alten Depot an der Schulstraße hier immer drüber fahren musste. Das fertige neue Depot am Busbahnhof sieht Rubner als einen wichtigen Schritt seiner ersten Amtsjahre. Anderes befriedigt ihn gar nicht. "Beim Musikinstrumenten-Museum wäre ich gern weiter. Das brennt mir auf den Nägeln", bedauert er, dass politisch die Weichen noch nicht überall so gestellt sind, dass es die klare Perspektive für eine neugestaltete Einrichtung gibt.

Dafür freut sich Rubner schon jetzt auf den 1. Juli. Dann soll das neue Ärztehaus eröffnen. Investor für das Gebäude, das Alte Amtsgericht, vier Ärztinnen im Haus, Einzug von Physiotherapie, Altenpflege und einer örtlichen Apotheke - die Lösung gilt weithin als Sechser im Lotto. Alles gemeinsam über Jahre erreicht, betont Rubner und sagt, gerade hier habe er das für die Stadt leisten können, was er für sich als besonders wichtig sieht. "Ich bin ein Koordinator - um Menschen zusammenzubringen, die uns wohlgesonnen sind. Oftmals ist das schon die halbe Miete, die zusammenzubringen, die nichts voneinander wussten. Und dann Kontakt halten, auch wenn man sich nicht grün ist", umreißt Rubner seine Strategie. Sehr grün, das sind sich nach seinen Worten viele Bürgermeister der Region. Hier gebe es viel mehr Austausch als vor Jahren. "Da habe ich mir auch schon Rat geholt. Da darf man nicht an Herzdrücken sterben."

An Herzdrücken starb er auch nicht, als sein Start 2015 mitten in die heißen Diskussionen um den Post-Abriss fiel. Vermitteln ja, aber auch klar sagen, wenn es nicht mehr geht, das sagen Begleiter über ihn. Ist Rubner zu ehrlich? Er stutzt über die Frage. "Man kann nie zu ehrlich sein", antwortet er. Hat er bereut, ins Bürgermeisteramt gewechselt zu sein? Keinen Tag, betont Rubner. Es gibt Menschen, die helfen, schwierige Zeiten auszuhalten. "Meine Frau spielt unheimlich mit. Sie macht mir keine Vorwürfe, hilft mir vielmehr mit tausend Kleinigkeiten. Meine beiden Kinder machen mir keine Sorgen - und ich kann mit ihnen mal reden", sagt der Familienmensch. Eins bereut er doch manchmal, gibt Rubner zu. "Dass ich den Schritt zum Bürgermeister nicht schon eher gegangen bin." Das wäre 2008 gewesen. Grund: Eine Wahlperiode von sieben Jahren sei zu kurz, um alles zu schaffen, was man will. Zwei Perioden, 14 Jahre, seien gut.

Ein bisschen Ausblick auf die Zeit nach dem Bürgermeisteramt erlaubt Andreas Rubner auch. "Ich werde Stadtstreicher", sagt er und lacht. Bänke streichen, gemeinnützige Arbeit leisten, im Sägewerk helfen, das sind seine Pläne. Zum Sägewerk hat er es dann nicht mehr weit - er kann rüberschauen. Denn Andreas Rubner baut an seinem Umzug von der Adorfer Straße in die Innenstadt. Auf familiärem Grundstück an der Teichstraße entsteht sein neues Wohnhaus. Bauherr mit 63 - schon ein bissel verrückt, wundert sich Rubner manchmal über sich selbst.

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