Xenia Brunner taucht für Buch tief in Archive ein

100 Jahre Stadt Klingenthal: Ein Buch lässt die Geschichte und die Menschen hinter den Zahlen lebendig werden.

Klingenthal.

Bad Mittelberg, Böllerschanze, Bezirksfreie Stadt Klingenthal - welche Visionen sind realistisch für eine Kommune, die im vierten Anlauf 1919 das Stadtrecht erlangte? Das sei in keinem Fall Spinnerei gewesen, sagt Xenia Brunner, Autorin des Buches "Klingenthal und das Stadtrecht". Für jede der Visionen gab es zu ihrer Zeit handfeste Gründe.

War es bei Bad Mittelberg die Zeit der Weltwirtschaftskrise, in der man neue Erwerbsmöglichkeiten brauchte, so suchte man mit der Böllerschanze seinen Platz im internationalen Skisport, den man heute mit der Vogtland-Arena hat. Und der heutige Status einer Großen Kreisstadt biete ähnliche Möglichkeiten, wie sie sie vor einem Jahrhundert eine Bezirksfreie Stadt hatte.

Mit der Fusion von Klingenthal und Zwota 2013 wurde eine Vision Realität, die schon 1919 Bürgermeister Otto Wilhelm Ungethüm im Blick hatte und die dessen Nachfolger Hugo Zimmermann vertiefte. "Auf der B 283 sind es vom Ortseingang Zwota bis Ortsausgang Mühlleithen genau 17,1 Kilometer", geht die Autorin bis ins Detail.

Xenia Brunner, die Literatur und Politik studierte, einen Journalistenpreis gewann und auch für die "Freie Presse" schrieb, ist seit 2012 im Klingenthaler Musik- und Wintersportmuseum tätig. "Geschichte ist nicht auf ein einziges Datum reduzierbar", sagt sie mit Blick auf den 1. Oktober 1919. Denn die Bemühungen der Klingenthaler um das Stadtrecht begannen schon 1657. Hätte es damals schon geklappt, würden die Klingenthaler heute Moritzstädter heißen. Denn auch der Zufall spielt in der Geschichte oft eine Rolle.

Für das 160 Seiten umfassende Buch zum Stadtrecht hat Xenia Brunner im Archiv Dokumente ausgegraben, für die sich wohl jahrzehntelang niemand mehr interessiert hatte. Ans Licht kamen dabei überaus interessante Geschichten.

So verwies 1897 der damalige Gemeindevorstand Max Liebig in Zusammenhang mit den Lebensverhältnissen in Klingenthal darauf, dass die Einwohner jährlich gut sechs Doppelzentner Blau- und Preiselbeeren sammeln würden. "Das sind gut 600 Kilogramm - ohne die damaligen Nachbargemeinden Zwota, Brunndöbra sowie Ober- und Untersachsenberg", macht die Autorin deutlich. Der Gewerbeverein zählte übrigens damals rund 170 Mitglieder. Und von Bürgermeister Zimmermann kam 1923 die Anregung, im Zuge der Bildung der Bezirksfreien Stadt Klingenthal den Bahnhof Zwotental in "Klingenthal West" umzubenennen.

Geschichte erlebbar machen, nennt Xenia Brunner ein Anliegen ihres Buches. Dazu gehört auch, dass es von den Akteuren um das Stadtrecht ein Bild gibt. "Das war ungemein mühevoll. Es gibt zwar viele Fotos mit Personen, aber nur selten ist vermerkt, wer darauf zu sehen ist. Aber die Recherchen haben sich gelohnt, auch durch die Hilfe Klingenthaler Familien", berichtet sie.

Die Präsentation des Buches am Mittwochabend im voll besetzten Klingenthal Ratssaal war ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr. "Wir werden in Kürze Bilanz ziehen, wie viele Veranstaltungen überhaupt zum Stadtrechtsjubiläum stattfanden", kündigte Oberbürgermeister Thomas Hennig (CDU) an.

Das Buch "Klingenthal und das Stadtrecht" von Xenia Brunner kostet 24,95 Euro. Erhältlich ist es in der Tourist-Information. Ergänzend dazu gibt eine Sonderausgabe des Stadtmagazins "Aschberger Land".

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...