Zukunft von Kindergarten Marieney bewegt die Gemüter

Eltern appellieren an die Gemeinde, die Einrichtung attraktiver zu gestalten. Die Kommune hat eine Befragung vorbereitet, prüft aber auch eine andere Trägerschaft der Kita.

Mühlental.

Dieser Auftritt hinterließ Eindruck: Unter Tränen appellierte Nancy Richter an die Mühlentaler Gemeinderäte, den Kindergarten in Marieney attraktiver zu gestalten. "Vielleicht ist es an der Zeit, neue Wege zu gehen, offen zu sein für neue Ideen. Es wäre sehr schade, wenn der Kindergarten in seinem Fortbestand bedroht wird", sagt die Mutter. Sie lässt ihre Knirpse im Kindergartenalter bewusst in einer anderen Einrichtung betreuen. Dafür müsse sie sehr viel Gegenwind in der Dorfgemeinschaft aushalten - aber es sei eine freie, individuelle Entscheidung aller Eltern, welche Kita sie für ihre Kinder wählen.

Es sei zutreffend, dass die Elternbeiträge für die Marieneyer Kita massiv erhöht worden. "Aber für mich ist das nicht der springende Punkt", sagte Nancy Richter auch mit Blick auf andere Eltern, die dies in einem Brief an "Freie Presse" thematisiert hatten. "Warum hat der Kindergarten in Marieney eine bei Weitem nicht ausgelastete Betreuungskapazität?", fragte sie. Michael Lamprecht-Schädlich, Vater von vier Kindern aus Marieney, nennt einen Grund aus seiner Sicht. "Andere Konzepte sind bei Weitem besser", hob er auf die inhaltliche Arbeit der Kita Marieney ab. "Aber wir als Eltern sind ja nie befragt worden", bedauert er - und nutzt für die Betreuung seiner Kinder eine andere Kita.

Genau diese Befragung komme nun, betonte Mühlentals Vizebürgermeister Kai Peter (Wählervereinigung Tirschendorf), der sich mit diesem Thema beschäftigt hatte. "Ich fand die Ausführungen bemerkenswert", lobte er den Appell von Nancy Richter. Für ihn sei zum Vorschein gekommen, dass es das Konzept, nicht berufliche Gründe der Eltern seien, die junge Familien bewegen würden, ihre Kinder in eine andere Kita zu geben. "Die Beitragserhöhung ist nicht das grundsätzliche Problem", verwies Peter auf steigende Elternbeiträge auch in anderen Kommunen. "Bei uns ist das der Preis der Eigenständigkeit. Wir müssen den Gegenwind ertragen, auch wenn er von der Presse oder von wem auch immer kommt", so Peter.

"Um den Kindergarten geht es schon länger - überwiegend nichtöffentlich, weil es meistens um Personen ging", erklärte Gemeinderat Sieghard Pollack (Freie Wähler Marieney-Saalig). Der nun vorbereitete Fragebogen soll an den Tag bringen, welche Meinungen der Eltern es zur Kita gibt. "Wir prüfen, ob eventuell auch ein anderer Träger des Kindergartens in Frage kommt", teilte Pollack mit und betonte, "es gibt aber noch keine Entscheidungen, es sind alles Diskussionsgrundlagen". Zur Sitzung der Mühlentaler Räte am Donnerstag in Willitzgrün war der Kindergarten auch nichtöffentlich Thema, wie Bürgermeister Heiko Spranger (Freie Wähler Marieney-Saalig) andeutete. Unter den Besuchern der Sitzung befand sich unter anderem auch die Geschäftsführerin der Volkssolidarität Plauen/ Oelsnitz, Sabine Schwarz. Der regionale Sozialträger betreibt elf Kindertageseinrichtungen mit mehr als 1200 Kindern, vor allem in Plauen sowie in Pausa und Mühltroff.

Silvio Bröckel (Freie Wähler Marieney-Saalig) hofft auf Hinweise der Eltern, was die Gemeinde bei der Kita anders gestalten könnte. "Für mich sind die Hauptgründe für die Wahl einer anderen Kita berufliche. Marieney liegt nicht auf der Strecke", schätzte André Gerstner (Feuerwehrverein Wohlbach) ein. Von angeblichen Plänen einer Angliederung der Kita Marieney an Einrichtungen in Schöneck wusste Schönecks Bürgermeisterin Isa Suplie (CDU) nichts, erklärte sie auf Anfrage. An Gerüchten einer Schließung der Kita Marieney sei überhaupt nichts dran, erklärte Heiko Spranger auf Nachfrage. Er mahnte, dass "Äußerungen unter der Gürtellinie" total fehl am Platze seien. "Wir sollten offen und fair diskutieren. Ich denken, wir kriegen das hin."

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