Zum Abschied noch ein Fest

Am 8. September steigt die Abrissfete für das legendäre Buschhaus in Mühlleithen. Wir wollen wissen, welche Erinnerungen unsere Leser an die Einkehrstätte haben.

Mühlleithen.

Es gibt nur ein Gasthaus in Sachsen, in dem Weltmeisterschaftsmedaillen im Skisport überreicht wurden - das Buschhaus in Mühlleithen. Das war 1983. Der Schweizer Marc Hodler (1918-2006) besuchte als Präsident des Internationalen Ski-Verbandes (Fis) das Damenskirennen in Mühlleithen. Bei der Gelegenheit überreichte er im Buschhaus den Langläufern Stefan Schicker und Frank Schröder ihre bronzenen WM-Medaillen, die sie ein Jahr zuvor mit der DDR-Staffel in Oslo gewonnen hatten. Die DDR und Finnland waren damals zeitgleich Dritte, die Fis hatte aber nur einen Medaillensatz dabei...

Es ist eine von vielen Episoden, die in diesen Tagen noch einmal lebendig werden, denn die Tage des Buschhauses sind gezählt. Nächste Woche will der Klingenthaler Stadtrat den Auftrag zum Abriss des Gebäudes vergeben, das mittlerweile eine Ruine ist. Für den 8. September bereitet Horst Deglau, der langjährige Chef des Hauses, eine Abrissparty vor, die inzwischen Gesprächsthema ist, nicht nur in Klingenthal.

Das Buschhaus kann auf eine 165-jährige Geschichte blicken. Als Roland Schlosser, der letzte Bürgermeister von Mühlleithen vor der Eingemeindung nach Klingenthal, mit seine Frau Christine 1992 die Chronik des Dorfes schrieb, fand er als Baubeginn das Jahr 1853 angegeben. Wenige Jahre zuvor war die Chaussee von Klingenthal über die Passhöhe Mühlleithen nach Auerbach angelegt worden, auf der ab 1848 täglich die Postkutsche verkehrte. "Es war eine Rast- und Einkehrstätte, besonders für die Fuhrleute und Reisenden sowie Pferdewechselstation. Ein Stall für 15 Pferde und ein Saalanbau gehörten dazu", weiß Schlosser. Nach seinen Recherchen war es damals das 13. Haus im Ort, aber das erste, das an der neuen Straße stand.

Dienstälteste Buschhaus-Wirtin dürfte Anna Dörfel gewesen sein, die von 1893 bis 1934 die Geschäfte führte. Sie erlebte noch mit, wie sich Mühlleithen in den 1920er Jahren zu einem Mekka der Skisportler entwickelte. Ein Foto mit der historischen Buschhaus-Ansicht hatten ihre Enkel Margareta Schönfeld und Hugo Meinel einst der Gemeinde Mühlleithen gewidmet.

Der Umbau und die Erweiterung der Übernachtungsmöglichkeiten auf 44 Gästebetten erfolgten 1935/36 unter dem neuen Eigentümer Paul Koch. In diesem Zusammenhang erhielt auch die Straße ihren heutigen Verlauf. Der Pferdestall und das überdachte Gartenrestaurant waren wahrscheinlich schon um 1925 abgerissen worden.

Über die Rolle Mühlleithens für den Wintersport und Tourismus ist schon viel geschrieben worden. Ab 1966 wurde das Dorf durch das Internationale Damenskirennen international ein Begriff. Allein 1972 registrierte der damals 238 Einwohner zählende Ort 35.910 Übernachtungen, davon 15.390 in der Wintersaison. 1973 erhielt Mühlleithen den Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort". Nach der Eingemeindung nach Klingenthal 1992 ging dieser zunächst auf die Stadt über, wurde aber nicht verlängert. Das Buschhaus erhielt 1977/78 einen modernen Küchentrakt.

Inzwischen steht das Haus mehr als ein Vierteljahrhundert leer und ist verfallen. Die Betreibung durch die Herren Knoll & Ritter, damals Eigentümer des Sporthotels Waldgut am Aschberg, scheiterte. Gespräche der Stadtentwicklungsgesellschaft 1994 und 1995 mit der Deininger-Brauerei blieben erfolglos. Die 2000 gegründete Jana Valo Buschhaus Bauträger GmbH entwickelte ein Konzept für ein neues Hotel mit Ferienwohnungen, ging aber im Januar 2007 in Insolvenz. Nun werden die Abrissbagger kommen.

Welche Erinnerungen verbinden sie mit dem Buschhaus in Mühlleithen? Wir sind gespannt auf ihre Zuschriften, die sie bitte per Mail schicken können an red.ovl@freiepresse.de

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