Zwotas Berge haben es in sich

Die Karfreitagstour von "Freie Presse"-Redakteur Thorald Meisel war für gut 100 Wanderer der sportliche Feiertags-Aufgalopp - und zugleich ein Marsch durch die Geschichte.

Zwota.

Meint der das jetzt ernst? Er hoffe, so "Freie Presse"-Redakteur Thorald Meisel, die gut 100 Teilnehmern seiner 11. Karfreitagswanderung hätten den ersten Anstieg gut überstanden. "Der zweite wird ein bissel härter." Was? Schon hinauf vom Bolzplatz Richtung Götzenberg war es keine leichte Übung. Doch jeder, der Thorald Meisels Worten glaubte, war gut beraten. Denn der zweite Bergauf-Part toppte den ersten mühelos: Mit Blick auf Anstiege wie den von der Bushaltestelle Grüner Baum zur "Reith" war das Streckenprofil 2019 als "anspruchsvolle Tour" kein bissel übertrieben.

Die Mühen der Wanderer wurden aber gleich mehrfach belohnt. Ein Wandertag wie aus dem Bilderbuch, dazu Zwotaer Geschichte, Sagen und fast zuletzt gar Musik von Mensch und Hund. Nicht nur Zwotas Berge und die Abstiege dazwischen, auch der Wissensgehalt dieser Tour hatte es in sich. Mochte sich die Schlange der Wanderer auch mehrfach wie ein riesiger, bunter Lindwurm sehr in die Länge ziehen - an den vier Infopunkten, Raststellen für den Körper und "Tankstellen" für den Geist zugleich, war die Gesellschaft wieder vereint. Mit dabei waren viele Stammgäste, die schon bei den zehn Touren vor der Wanderpause 2017/2018 selten fehlten.

Sascha Aurich

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Eingeflochten in den Wandertag waren einige der vogtländischen Sagen, die im Frühjahr als CD im Hammerbrücker Verlag Concepcion Seidel erschienen sind. Martina Zeißig, Karla Dunger, Jörg Fiegge und Ralf Edler lasen sie vor - von Geheimnissen eines Schachts in Brunndöbra, von guten Moosweiblein und einem Tunichtgut, der sich am Aschberg einquartiert hatte. Und über das Woodrich, jenes Moor Richtung Schöneck, in dem feindliche Kroaten im Dreißigjährigen Krieg ihre Mordtaten mit einem nassen Tod bezahlt haben sollen - untermalt von Ralf Edler auf dem Nachtwächterhorn, zu dem seine vierjährige Hündin Shila jaulend die zweite Stimme sang. Wer Thorald Meisels Faible für Geschichte kennt, wusste, dass es wieder eine reichliche Portion davon gab. Zum Beispiel, dass der heute unscheinbare, einst für Feldhandballer gebaute Sportplatz am Beginn der Tour der Ort war, der 1933 die Sachsenmeisterschaften im Kraftsport sah. In den Siegerlisten stehen der vogtländische Gewichtheber-Olympiasieger von 1928, Kurt Helbig, und Erich Goram aus Zwota. Der Vater des allseits bekannten "Walfisch"-Wirts Alfons errang sich Gold in der Klasse "über 80 Pfund".

So manches Interessante schlummert indes noch so tief, dass es selbst Thorald Meisel bisher nicht ausgraben konnte. So einiges zum Bergbau um Zwota. Dessen Gruben lagen oft auf Wohlhausener Rittergutsflur und selbst von Meisel im Januar im Staatsarchiv durchforstete Akten schweigen sich dazu aus. So bleibt es bislang Fantasie, ob der später weltberühmte Alexander von Humboldt einst seinen Fuß auf Zwotaer Flur setzte - in seiner Zeit als Bergmeister im mit Zwota eng verbundenen Arzberg. Keine Fantasie bleibt indes, dass es seit dem Karfreitag 2019 einige Zwota-Fans mehr gibt. Denn bei allem Auf und Ab: Solche reizvollen Wanderwege locken geradezu zu neuen Entdeckungstouren.

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