16-jährige Vogtländerin benötigt Stammzellenspende

Anna ist an einer Vorstufe von Blutkrebs erkrankt. Für die Gymnasiastin aus Plauen stellen Mitschüler und Lehrer jetzt eine Typisierungsaktion auf die Beine. Jeder kann helfen.

Plauen.

Die 16-jährige Anna aus Plauen hat vor wenigen Wochen eine Schockdiagnose erhalten: Myelodysplastisches Syndrom (MDS), eine aggressive Veränderung der Stammzellen im Knochenmark. "Es ist eine Vorstufe von Leukämie, also von gefährlichem Blutkrebs", erklärt Antonia Lotze.

Die Elftklässlerin ist Annas Freundin, besucht mit ihr zusammen die Jahrgangsstufe 11 am Diesterweg-Gymnasium und sie ist die Hauptinitiatorin einer sogenannten Typisierungsaktion, die für Mittwochnachmittag geplant ist. Es gilt, einen geeigneten Stammzellenspender für Anna zu finden. Das ist im Grunde die einzige Heilungschance für die Schwerkranke, die sich momentan in der Jenaer Uniklinik aufhält. Das Immunsystem der ehrgeizigen und normalerweise sehr fröhlichen jungen Frau rebelliert.

Lange Zeit habe Anna - sie hat die Leistungskurse Biologie und Deutsch gewählt - sogar gehofft, die Klassenstufe ohne Wiederholung zu schaffen, erzählt ihre Freundin Antonia. "Sie versuchte, den versäumten Stoff unbedingt aufzuholen." Täglich bekommt sie bis heute Unterrichtsmaterial und Hausaufgaben zugeschickt. Aber in erster Linie deshalb, weil Anna einfach merken soll, dass an sie gedacht wird, sie nicht vergessen ist. Und nicht weil Schule im Augenblick wirklich wichtig wäre.

Die weitaus dringendere Frage ist vielmehr, ob Annas genetischer Zwilling gefunden werden kann. "Das wäre wie ein Sechser im Lotto", hofft Freundin Antonia. Eine 30-prozentige Chance auf den passenden Spender hatte es hingegen bei Annas Familienangehörigen gegeben. Auf deren Tests folgte jedoch die Ernüchterung. Nun ruhe die Hoffnung auf den Plauenern, die so zahlreich wie möglich kommen mögen, so Antonia. Auch sie selbst will natürlich helfen. Anfang Januar wurde sie zum Glück 17 - das ist das Mindestalter, um sich für Knochenmarkspenden registrieren zu lassen.

Antonia ist Mitglied der Schulkonferenz. Gemeinsam mit anderen Schülern und mit Lehrern rührt sie aktuell die Werbetrommel für die Typisierungsaktion. Sie bestücken die sozialen Medien und hängen an gut besuchten öffentlichen Orten wie Einkaufszentren, Apotheken und Kliniken Plakate mit dem Aufruf auf, an der Aktion teilzunehmen.

Die Elftklässlerin hat sich intensiv mit Annas Krankheit befasst. "Es bewegt mich alles so sehr", sagt sie. Sie versuche oft, sich in Annas Lage zu versetzen und realisiere dann: "Das ganze Leben liegt noch vor ihr. Aber nur, wenn sie Hilfe bekommt", Potenzielle Unterstützer müssen nicht nur aus Plauen kommen - schließlich werden auf der Suche nach geeigneten Spendern weltweit Datenbanken verglichen. Das hat einen Grund: Alle 27 Sekunden erhält nach Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) irgendwo auf der Welt ein Mensch die Diagnose Blutkrebs.

"Wer am Mittwoch nicht teilnehmen kann, hat dennoch die Chance, zu helfen", informiert Antonia. Dazu müsse man sich nur im Internet auf der Seite der DKMS, www.dkms.de, registrieren und erhalte dann kostenlos ein Testset. Mit diesem könne unkompliziert ein Wangenabstrich gemacht werden. Ein Erklärvideo zeigt, was genau nach der Registrierung und dem Einsenden dieses Wangentests geschieht. www.freiepresse.de/dkms-video

Typisierung Die Aktion findet am Mittwoch von 14 bis 18 Uhr unter Corona-Hygieneregeln in der Aula des Plauener Diesterweg-Gymnasiums, Diesterwegstraße 3, statt. Erreichbar ist das Gebäude über den Schulhof. Teilnehmen dürfen Interessierte, die zwischen 17 und 55 alt sind. Es herrscht FFP2-Maskenpflicht. Teilnehmer müssen laut 3G geimpft, genesen oder getestet sein. Letzteres ist auch vor Ort möglich.

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