25-jährige Vogtländerin will in Landtag

Nachwuchs-Politikerin Sophie Koch aus Reumtengrün möchte als Vertreterin der Jugend mit SPD-Mandat ins Parlament in Dresden einziehen. Bevor der Wähler entscheidet, ist eine andere Hürde zu nehmen.

Auerbach/Dresden.

Zurzeit lebe sie "in zwei Welten", sagt Sophie Koch: Die 25-Jährige studiert Politikwissenschaften in Dresden, kehrt aber regelmäßig heim ins Elternhaus nach Reumtengrün und steht so oft wie möglich beim Rodewischer Verein "Ars Vitae" hinter der Bar. "Die Herausforderungen für junge Leute sind völlig unterschiedlich: In Dresden und Leipzig prügeln wir uns um Wohnungen - auf dem Land bist du ohne Auto komplett aufgeschmissen." Weil sie beides kennt, will sich die junge SPD-Politikerin im Landtag als "Lautsprecherin" für die Interessen ihrer Generation stark machen, egal, wo in Sachsen diese lebt. Seit zwei Jahren ist sie Juso-Chefin in Dresden, vor Kurzem wurde sie zur Direktkandidatin für den Wahlkreis Dresden 6 gekürt.

Allerdings hat die SPD in diesem Kreis nie ein Direktmandat geholt - die Exil-Auerbacherin braucht einen vorderen Platz auf der Landesliste ihrer Partei, um am 1. September tatsächlich eine Chance zu bekommen. Die Aussichten auf einen solchen Platz stehen nicht schlecht, weil die Jusos die gebürtige Vogtländerin landesweit als Spitzenkandidatin nominiert haben. "Ich hoffe, dass ich einen der ersten fünfzehn Plätze bekomme", sagt die Nachwuchspolitikerin. Damit könne die SPD zeigen, dass "ihr die Interessen junger Leute wichtig sind". Die Listenplätze werden im Februar vergeben. Wenn Sophie Koch hier gut abschneidet, muss "nur noch" der Wähler mitziehen. Dabei sehen die Umfragen für die SPD derzeit düster aus. "Von Umfragen lasse ich mir keine Angst machen", versichert die Kandidatin. "Wir werben für unsere Ziele bis zum 31. August - dann entscheidet sich, wie die Leute das sehen." Es gehe um viel: "Wenn es richtig mies läuft, wird Sachsen zum ersten AfD-regierten Bundesland." Sie will ihren Teil dazu beitragen, dass es nicht soweit kommt.

Warum engagiert sich eine junge Vogtländerin ausgerechnet für die nicht gerade hippe SPD? Gerechtigkeit, Umweltschutz und klare Kante gegen Rassismus seien im Elternhaus immer wichtig gewesen, sagt Sophie Koch: "Insofern war klar, dass es eher nach links geht." 2013 machte sie ein Praktikum bei SPD-Mann Henning Homann und erlebte eine Landtags-Diskussion, bei der ein CDU-Vertreter über "die Jugend von heute" herzog. "Ich habe mich furchtbar darüber aufgeregt - Henning Homann meinte, wenn ich was ändern will, sollte ich nicht meckern, sondern mich halt selbst engagieren."

Wenig später trat sie der SPD bei, als Dresdner Juso-Chefin machte sie sich gegen eine neue Große Koalition in Berlin stark. Mit Juso-Bundeschef Kevin Kühnert ist sie gut bekannt: "Der ist super, er will uns im Wahlkampf unterstützen." Seit Kurzem präsentiert sie auf Youtube in kurzen Filmchen unter dem Titel "Sophies Woche" ihre Gedanken zum Tagesgeschehen, um neue Zielgruppen zu erschließen: "Ich rede einfach drauf los - egal, ob ich mich verplappere."

Auch die Arbeit an der Bar von "Ars Vitae" ist ihr wichtig: "An der Theke kriegt man viel mit und kann gut mit Leuten ins Gespräch kommen." Das will sie auch weiterhin machen, falls sie tatsächlich gewählt wird: Am schlimmsten sei es doch, wenn man als Politiker keinen Kontakt mehr zu den Wählern habe.

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