74-Jähriger ist Top-Pflüger

Pferde und Traktoren, die gemeinsam in einem Wettbewerb den Boden wenden, sieht man nur alle zwei Jahre im Vogtland. Diesmal war eines besonders knifflig.

Neuensalz.

Ein junger Mann, der gar keinen Landwirtschaftsberuf erlernt, sondern einmal Baumaschinenfüher werden möchte, gehört zu den Siegern des diesjährigen Vogtländischen Pflügerwettbewerbes: Sebastian Ziegenbein aus Wohlhausen, der gelegentlich in einem Familienbetrieb aushilft, qualifizierte sich am Samstag auf einem Feld zwischen Neuensalz und Mechelgrün in der Kategorie Beetpflügen für den Landeswettbewerb im nächsten Jahr. Er fährt dorthin in Begleitung von Christian Bauer, einem selbstständigen Landwirt aus Thiergarten, der sich den ersten Platz im Pflügen mit einem Drehpflug sicherte.

Neben den elf Traktorenpflügern gingen auch fünf Pferdegespanne an den Start. Der älteste Teilnehmer kam auf Platz eins: Der 74-jährige Joachim Kampe aus Leubnitz. Er darf nun zu den Landesmeisterschaften reisen, denn bei den Pferdepflügern gibt es keine Altersbeschränkung, bei den Traktorenpflügern schon. Hier sind nur Teilnehmer bis 35 Jahre zugelassen, weil der Wettstreit auch als Berufswettbewerb für Lehrlinge und junge Landwirte gesehen wird.

Die Teilnehmer des vogtländischen Wettbewerbes mussten sich dieses Jahr mit schwierigen Bodenverhältnissen arrangieren. Für die zwei bis acht Scharpflüge kein Problem, aber für die Juroren schon, denn statt einer formschönen Scholle, die zum gelungenen Gesamteindruck eines gepflügten Feldes gehört, bröselte der Boden auseinander und rieselte in die Furche, was eigentlich nicht erwünscht ist. "Diese ungünstigen Bedingungen müssen wir natürlich bei der Bewertung berücksichtigen", so Juror Gunter Stumpf, der gleichzeitig der Vorsitzende des ausrichtenden Absolventenvereins der Landwirtschaftlichen Fachschule Plauen ist.

Drei Stunden hatten die Wettbewerbsteilnehmer Zeit, die vorher entsprechend der Pfluggröße ausgemessenen Parzellen zu bearbeiten. An den Start gingen Zwei-Schar- bis Acht-Schar-Pflüge. "Die Bedingungen im Wettbewerb entsprechen den Aufgaben, die ein Landwirt beim Pflügen auch draußen auf dem Feld lösen muss. Es sind Ecken herauszupflügen und ein Vorgewende muss angelegt werden. Das ist der Bereich, in dem der Traktor während des Pflügen wendet und der zum Schluss ebenfalls noch zu pflügen ist", so Stumpf. Beim Wettbewerb haben die Landwirte allerdings mehr Zeit als im Berufsalltag, was den Vorteil bringt, dass sich insbesondere die jungen Leute intensiv mit dem richtigen Einstellen des Pfluges beschäftigen müssen, so Stumpf.

Es sei oft nicht einfach, genügend Teilnehmer für den Wettbewerb zu finden, obwohl die Starterzahl über die Jahre relativ konstant sei: "Es kostet manche junge Leute trotzdem Überwindung, hier anzutreten. Manche haben Angst, dass sie sich blamieren. Das ist aber Unsinn. Hier kann jeder nur gewinnen", sieht Stumpf den Wettbewerb auch als Möglichkeit dazuzulernen, Kontakte zu andern zu knüpfen und sich mit anderen zu messen.

Die Pferdepflüger dagegen treibt etwas ganz anderes an. Für sie fällt das Pflügen in den Hobbybereich. Wer Samstagfrüh seine Pferde putzt, auf den Hänger lädt, das ganze Geschirrzeug dazu, um dann vor Ort einzuschirren und so zu arbeiten, wie das zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg üblich war, bei dem geht es um Herzblut und um eine Leidenschaft. Der spätere Sieger Joachim Kampe erklärte dann auch: "Für mich ist das wie Erholung. Wenn ich meine beiden Pferde hier sehe, wie sie brav und gut erzogen ganz ruhig stehenbleiben, bis es weitergeht, ist das für mich einfach nur schön." Ruhig und gelassen zog der 74-Jährige mit seinem Rheinisch-Deutschen-Kaltblutgespann seine Bahnen. Kampe pflügt auch zu Hause seine Felder mit Pferden. Er sagt: "Einen dreiviertel Hektar schaffe ich am Tag. Fünf bis sechs Hektar pflüge ich jedes Jahr mit den Pferden."

Über all dem wachte Juror Lothar Wappler aus Leubnitz, der erklärte: "Wer allein pflügt, bekommt zehn Punkte extra." Die Teilnehmer des Pferdepflügens konnten selbst entscheiden, ob eine Person die Pferde und eine den Pflug führt oder ob einer beides macht.

Der Pflügerwettbewerb findet im jährlichen Wechsel mit dem Melkwettbewerb statt, der dann nächstes Jahr wieder an der Reihe ist.

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