75 Jahre Auschwitz-Befreiung: Schüler gedenken jüdischer Opfer

Kranzniederlegung, Mahnwache, Infostand und Stolperstein-Tour: Viele Plauener haben am Montag auf unterschiedliche Weise an die Opfer des Holocaust erinnert. Ihre Botschaft bewegt.

Plauen.

Das größte Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im heutigen Polen ist vor 75 Jahren durch die Rote Armee befreit worden - das war am gestrigen Montag Anlass für mehrere Gedenkveranstaltungen in Plauen. Öffentliche Gebäude waren auf halbmast geflaggt. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) legte mit Mitgliedern des Stadtrats einen Kranz auf dem Hauptfriedhof nieder. Die Linksjugend Vogtland baute vor dem Plauener Landratsamt einen Infostand auf. Am Wartburgplatz veranstaltete der Runde Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis eine Mahnwache. Motto: "Nie wieder Nationaler Sozialismus". Mehr als 90 Personen nahmen laut Veranstalter daran teil.

"Diesen Ort haben wir bewusst gewählt", erklärte Koordinatorin Ulrike Liebscher. Denn auf dem Areal hatte die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Kleinstpartei Der Dritte Weg im Vorjahr durch einen martialischen Aufmarsch bundesweit für Aufsehen gesorgt. Weil es dort oft viel zu laut sei, sollte es diesmal still zugehen. Schauspieler Jörg Simmat las Texte. Die Teilnehmer brachten Kerzen mit. Die Linksjugend stieß hinzu.

Auch drei junge Männer waren dabei: die drei Freunde Nils, Finn und Maximilian. Die Schüler des Beruflichen Schulzentrums "Anne Frank" sind 17 - und damit erwachsen genug, um sich mit dem traurigsten Kapitel deutscher Geschichte auseinanderzusetzen: dem Holocaust. Mit 25 Interessierten unternahmen sie am Nachmittag eine vier Kilometer lange "Stolpersteintour" durch Plauen, vom Löwel-Platz übers Stadtzentrum bis nach Haselbrunn. "Stolperstein nennt man kleine Messingtafeln, die auf Gehwegen vor Häusern angebracht sind, in denen jüdische Mitbürger lebten. Fast alle wurden in Konzentrationslagern ermordet", erklärte Maximilian. Seit dem Vorjahr ist er ein sogenannter Peer Guide: Er begleitet Altersgenossen, berichtet ihnen vom Schicksal der Plauener Juden im Dritten Reich. Maximilian und seine Freunde haben sich reingekniet in die leidvolle Geschichte des Holocaust. Das Wort beschreibt den Völkermord an sechs Millionen Juden. Auch Anne Frank, Namensgeberin von Maximilians Plauener Schule, starb als 15-Jährige in einem KZ. "So etwas darf nicht mehr geschehen", mahnte Lessing-Gymnasiastin Frida Meybohm. Nach der Mahnwache trafen sich einige zum Gebet in der Matthäusgemeinde.

Dafür, dass es wirklich still blieb, sorgte auch die Präsenz von viel Polizei rund um den Platz. Laut Einsatzleiter Kay Voigt gab es bis Redaktionsschluss keine Zwischenfälle.


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