Abitur mit 0,7: Plauenerin ist Jahrgangsbeste auf Elite-Schule

Das Sankt Afra in Meißen gilt als Gymnasium für Hochbegabte. Wer dorthin geht, muss lernen, sagt Sarah Katharina Böing aus Plauen. Sie gehört unter Sachsens besten Abiturienten zu den allerbesten.

Plauen/Meißen.

Überall eine Eins plus, außer in Deutsch. Dort hing es im Aufsatz, als sie zwei Gedichte interpretieren musste. Dafür bekam sie eine glatte Eins. Ohne das Plus. Sarah Katharina Böing aus Plauen hat gerade ihr Internatszimmer im Sankt Afra in Meißen geräumt. Das ist das Landesgymnasium für Hochbegabte, und Sarah Katharina hat in ihrem Jahrgang das beste Abi geschafft. Ihr Notendurchschnitt: 0,7.

Dass man im Abitur in Deutschland besser als ein Einsnuller sein kann, hängt mit dem Punkte-Sammel-System zusammen und ist nur eine theoretische Zahl. Offiziell steht auf dem Zeugnis 1,0. Diese Einsnull gibt es ab 823 von 900 möglichen Punkten. Sarah Katharina hat 883. Also 0,7.


Ja, sie hat viel gelernt. Aus Spaß, aus Neugierde. "Auf diese Schule geht niemand, der nichts für die Schule machen würde. Wir waren alle fleißig", sagt Sarah Katharina. Wenn sie in den Ferien nach Hause kam, hat sie die erste Woche geschlafen. Sarah Katharina hat gelernt, weil sie Ärztin werden will. Neurologin im Moment, aber das kann sich ändern. Ihre Abschlussarbeit hat sie jedenfalls darüber geschrieben, wie Nervenzellen im Gehirn entstehen.

Das Gymnasium in Meißen hat jedes Jahr Sachsens besten Abi-Durchschnitt. Dieses Jahr liegt er bei 1,5, sagt Direktorin Ulrike Ostermaier. Elf Schüler schafften die 1,0. Das ist bei 48 Abiturienten jeder Vierte. Ulrike Ostermaier sieht nicht nur die guten Noten, wenn sie von ihrer Schule spricht: "Wir sind keine Fabrik, die Hochleister produziert. Wir wollen gute Persönlichkeiten bilden. Aber meistens entbrennt der Ehrgeiz." Ihr Auftrag sei es, begabten Schülern mehr Futter zu geben. Es gehe darum, dass sie im Leben ihren Mann stehen. Ulrike Ostermaier erzählt von Kindern, die ackern, um die Leistung zu bringen, die die Umwelt von ihnen erwartet. "Die Einsnuller sind die, die sich mit hohem Einsatz angepasst und intensiv vorbereitet haben", sagt Ostermaier, die ihren Schülern das Handy nur im Internatszimmer erlaubt. "Wir wollen lieber miteinander sprechen als aufs Telefon starren."

Sarah Katharina wechselte nach der 6. Klasse ans Sankt Afra. Damals war sie am Diesterweg-Gymnasium in Plauen und bekam von ihrer Klassenlehrerin ein Info-Blatt über das Landesgymnasium mit nach Hause. Sie fuhr mit ihren Eltern zum Tag der offenen Tür nach Meißen. Das Internat, der Bonus-Unterricht, sie wollte das: "Wenn acht Mädchen mit wenig Betreuung zusammenwohnen, hat das was von Hanni und Nanni." In Physik und Musik bekam sie Zusatz-Unterricht, und manche Tage hatten zehn Schulstunden für sie. Da bleibt wenig Luft für Hobbys.

"Sarah war von Anfang an ehrgeizig", sagt die Schulleiterin.

Auch das Internat habe gute Effekte. Alle lernen. Und finden immer jemanden, der etwas erklären kann. In Sachsen starten am Samstag 322 Einsnuller-Abiturienten in ihre letzten Schulferien. 112 Jungen, 210 Mädchen. Nach Angaben des Kultusministeriums sind das 52 mehr als im vergangenen Jahr und 82 mehr als 2017. Am Freitag hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) diese Schüler mit einer Ehrenplakette ausgezeichnet. Mit ihrem Zeugnis dürfte Sarah Katharina Böing zu den Besten der Besten gehören. Aber die einzelnen Punkte, die theoretisch besser wären als 1,0, werden statistisch nicht erfasst.

Sarah Katharina weiß, was sie nicht will: in einem Labor versauern. "Ich möchte mit Leuten arbeiten, Kranken helfen." Mit ihren Eltern schaut sich die 18-Jährige jetzt Universitäten an und bewirbt sich. Ihr Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter Steuerfachangestellte. Nach der letzten Prüfung war sie im Surf-Camp in Südfrankreich, Urlaub mit viel Salzwasser und Wind und ohne Schulbücher. Sarah Katharinas Bewertung: Eins plus.

Bewertung des Artikels: Ø 4.8 Sterne bei 8 Bewertungen
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...