Abschied vorm Spitzenmuseum: Akteure gehen in den Ruhestand

Der Wechsel ist vollzogen: Die Einrichtung ist bis zur Eröffnung des neuen Spitzenzentrums nun Außenstelle des Vogtlandmuseums. Auch personell gibt es Veränderungen.

Plauen.

In normalen Zeiten hätten sich zu so einer Verabschiedung und Schlüsselübergabe viele Menschen im festlichen Ambiente bei Sekt und Schnittchen zusammengefunden. So aber stand ein kleines Grüppchen von Leuten in gehörigem Abstand auf der Treppe, die vom Altmarkt hinauf zum Spitzenmuseum führt.

Jürgen Fritzlar, Gründungsvorstand und Geschäftsführer des Fördervereins Plauener Spitzenmuseum, und Renate Böhm, von Anfang an Mitarbeiterin im Haus, wurden vor wenigen Tagen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Bei diesem Termin an der Frischluft überreichten die beiden die Schlüssel für die deutschlandweit einmalige Spitzenausstellung an Bürgermeister Steffen Zenner (CDU) und Kulturbetriebschefin Kerstin Fischer. Anwesend war auch Martin Salesch, Leiter des Vogtlandmuseums, zu dem ab 1. April die Spitzen- und Stickereien-Ausstellung gehört.

Diese Regelung hatte der Stadtrat während seiner Sitzung im Oktober des vergangenen Jahres beschlossen. Bis zur Integration der Schau in das Deutsche Zentrum für Spitze und Stickerei im Weisbachschen Haus, das 2022 eröffnet werden soll, bleibt die Ausstellung im Alten Rathaus.

Steffen Zenner dankte Jürgen Fritzlar und seiner Mitstreiterin für ihren jahrzehntelangen Einsatz für das Spitzenmuseum. Knapp eine halbe Million Menschen haben es bisher besucht. Gleichzeitig betonte er, dass Jürgen Fritzlar einen überaus gesunden Verein mit solider finanzieller Basis übergibt. Der Förderverein Plauener Spitzenmuseum hatte auf seiner Mitgliederversammlung im Oktober seine Auflösung vollzogen, da der Vereinszweck, die Betreibung des Museums, weggefallen ist.

Jürgen Fritzlar, 1954 im heutigen Sachsen-Anhalt geboren, ist sein ganzes Berufsleben mit Plauener Spitze verbunden. Er kam nach dem Studium als Diplomjurist in den VEB Plauener Spitze. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Gestaltung einer musealen Abteilung Plauener Spitze. Dabei sollten Gegenstände, Unterlagen und Erfahrungen in der Spitzenindustrie und der künstlerisch-textilen Produktion gesammelt, gezeigt und für die Bildung genutzt werden. Nach nur zwei Jahren wurde die Exposition am 17. Juni 1984 zum 25. Plauener Spitzenfest eröffnet. Nach der Wende gehörte Fritzlar als Jurist und Rechtsanwalt zu jenen Vogtländern, denen es gelang, das Museum über die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten hinweg zu retten, neue Betreiberformen zu finden und die Exposition ständig weiter zu entwickeln.

Mit dem Namen Jürgen Fritzlar verbunden ist unter anderem auch die Gründung des Branchenverbandes Plauener Spitzen und Stickereien im Jahre 1990, der weltweite Schutz der Marke Plauener Spitze ® als geografische Herkunftsangabe 1994, die Wahl von inzwischen neun Plauener Spitzenprinzessinnen sowie die Vorbereitung und Durchführung des größten vogtländischen Volksfestes im Vorstand des Vereins Plauener Spitzenfest.

Von Ruhestand will der Neu-Rentner nichts wissen. Auch künftig möchte der 65-Jährige der Spitze verbunden bleiben. Als Liquidator muss er die Übergabe von 300.000 Bestandsstücken des Vereins an die Stadt vollziehen. Und auch bei der Organisation des Spitzenfestes und der Ausgestaltung des Weisbachschen Hauses soll auf Fritzlars Erfahrungen zurückgegriffen werden. (fp)


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