Abwasserzoff: Richter kassiert Bußgeldbescheid

Amt ermittelt "schlampig": Angeklagter freigesprochen

Auerbach/Lengenfeld.

146 Kubikmeter Wasser hatte der angeklagte Lengenfelder in einem Jahr verbraucht, aber nur zwei Kubikmeter Fäkalien aus seiner Grube abfahren lassen - so Recherchen des Landratsamtes in einem Ordnungswidrigkeitsverfahren, das am Amtsgericht Auerbach verhandelt wurde.

Über mehrere Jahre hatte die Untere Wasserbehörde im Zusammenspiel mit anderen Ämtern Werte ermittelt und geschlussfolgert, dass der Rest wohl illegal in die Göltzsch eingeleitet worden sei. Folge: Ein Bußgeldbescheid über 1050 Euro. Doch der 55-jährige Grundstücksbesitzer zahlte nicht und legte Widerspruch ein. Mit Erfolg: Richter Helmut Böhmer sprach den Angeklagten frei und machte der Behörde schwere Vorwürfe. Deren Akte sei "schludrig und schlampig" geführt, es gebe nichts, was die Vorwürfe klar belege. Seit 15 Jahren beklage er das fehlerhafte Verhalten des Landratsamtes - doch dort lerne man einfach nichts daraus. Er könne nicht gerichtsfest feststellen, dass der Mann Abwasser eingeleitet habe.

Dabei sprachen starke Indizien gegen den Lengenfelder. So führt offenbar ein Rohr von seiner Fäkaliengrube in die Göltzsch. Einen Test mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit hatte er verweigert. Der Richter hakte nicht groß nach - nach dem Prinzip des Rechtsstaates müsse schließlich nicht der Angeklagte seine Unschuld beweisen, sondern das Gericht dessen Schuld. Dafür sah er keine Voraussetzungen. (bap)

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