Agrargenossenschaft bringt Kühe trotz Dürre gut über den Winter

Europapolitiker haben sich jetzt in der Agrargenossenschaft Großzöbern umgeschaut. Dabei ging es um geplante Kürzungen der EU-Agrarförderungen. Die Vogtländer wären besonders betroffen.

Großzöbern.

Es kommt nicht häufig vor, dass zwei Abgeordnete des EU-Parlaments übers Gelände der Agrargenossenschaft Großzöbern gehen. Peter Jahr (CDU) und Herbert Dorfmann - er ist Mitglied der Europäischen Volkspartei - schauten sich jetzt vor Ort um. Begleitet wurden sie von Landrat Rolf Keil (CDU) und Landtagsabgeordneten Andreas Heinz (CDU).

Viel Zeit für Gespräche brachten die Besucher bei ihrer Stippvisite aufgrund der engen Terminkette nicht mit. Im Schnelldurchlauf führten die Genossenschafts-Vorstände Katja Beuchold und Dirk Rudert die Gäste durch die Stall- und Melkanlagen. "Wir hätten gern mehr Argumente ausgetauscht", sagten die Landwirte anschließend. Großes Thema sind die von einer Gruppe Parlamentarier geplanten Kürzungen der EU-Agrarförderungen. Im Kern geht es um die Kappung von Direktzahlungen pro Hektar ab einer bestimmten Betriebsgröße. Geht es nach den Befürwortern, sollen ab der nächsten Förderperiode - sie beginnt 2021 - kleinere Betriebe mehr Gelder pro Hektar erhalten. Keine guten Nachrichten für Landwirtschaftsbetriebe in Ostdeutschland.

Als Nachfolger der LPG bewirtschaften sie vergleichsweise größere Flächen als anderswo in Europa. Dorfmann stammt aus Tirol. Dort dominieren kleine Höfe die Landwirtschaft. Während des Rundgangs hielt sich der EU-Politiker mit Aussagen zum Thema zurück. Genauso wie Jahr ist Dorfmann Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in der EU. "Er wollte von uns wissen, wie wir als Genossenschaft aufgestellt sind", blickte Beuchold auf das Treffen zurück. Am Samstag war Dorfmann bei der Eröffnung des Europäischen Bauernmarktes im Möbelhaus Biller dabei. Tirol ist in diesem Jahr die Gastgeber-Region.

Von gravierenden Veränderungen in der europäischen Agrarförderpolitik wäre auch die Genossenschaft in Großzöbern betroffen. Die Landwirte bewirtschaften 1200 Hektar Grünfläche. Im Jahr 2001 stellten sie ihre Produktion auf ökologische Landwirtschaft um. Chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sind gemäß den ökologischen Richtlinien tabu. Rund 300 Milchkühe liefern Bio-Milch in eine Käserei in Bayreuth.

Rudert glaubt nicht, dass nur kleine Betriebe die einzig richtige Alternative für die Zukunft sind. "Aus unserer Sicht wäre das eine falsche Entwicklung." Das Modell Genossenschaft habe sich in Großzöbern bewährt. "Wir sehen uns als Mehrfamilienbetrieb." Über 130 Verpächter und 70 Genossenschafts-Mitglieder bilden zusammen mit 28 Mitarbeitern das Fundament des Landwirtschaftsbetriebes.

Der 2008 eröffnete Hofladen an der Ortsdurchfahrtsstraße mit Fleisch aus eigener Produktion ist das Aushängeschild der Landwirte. Darauf sind die Geschäftsführer stolz. "Wir haben uns bewusst für den Standort im Dorf entschieden." Inzwischen schauen hier Kunden aus der gesamten Umgebung regelmäßig vorbei. "Dadurch halten wir die Verbindung zum Landleben aufrecht."

Der extrem trockene Sommer im vorigen Jahr machte auch der Genossenschaft in Großzöbern zu schaffen. Nun gab Dirk Rudert vorsichtig Entwarnung. "Wir haben unseren Tierbestand gut durch den Winter gebracht." Das Futter habe bis jetzt geradeso gereicht. Nun hofft er auf eine frühe erste Mahd in diesem Jahr.

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