Als auf den Feldern keine einzige Ähre liegen blieb

Auflösung Fotorätsel 1281: Zehn Begriffe, die hauptsächlich in den Nachkriegsjahren im Umlauf waren und heute fast vergessen sind, galt es zu erläutern.

Plauen.

Es erreichten die Redaktion eine Fülle von Erklärungen und Deutungen, zum Teil mehrseitig und handgeschrieben. Geringe Abweichungen gab es bei der Aussprache und in der Schreibweise.

Marken war die Kurzform für monatliche Lebensmittelkarten. Brot, Mehl, Fett, Zucker, Fleisch, und Wurst waren rationiert und wurden zugeteilt. Beim Kauf wurden vom Verkäufer mit der Schere die entsprechenden Abschnitte von der Karte abgetrennt, dafür bekam man im Gegenzug die Ware. Es gab auch Kleider-, Kartoffel- und Kohlenkarten. Wenn am Monatsanfang neue Marken von den Behörden ausgegeben und aufgerufen wurden, war das in vielen Familien feierlicher Anlass, eine Scheibe Brot mit Zutaten mehr zu essen als an anderen Tagen. Lebensmittelkarten hat es in der DDR bis 1958 gegeben.

Blaue Milch, meist Millich gesprochen war entrahmte Milch, die nach dem Entzug von Fett etwas bläulich schimmerte. Der Gegensatz war "gute" Milch.

Igelit war ein weicher Kunststoff als Ersatz für Leder. Die Schuhe, die daraus gefertigt waren, hatten nach dem Tragen allerdings keinen guten Geruch. In entsprechender Ausformung wurden aus Igelit Tischdecken und als Ersatz von Glas auch undurchsichtige Fensterscheiben hergestellt. Der Name leitet sich von I.G. Farbenindustrie ab.

Nachgraben hieß in Nachkriegsjahren, dass man mit einer dreizinkigen Kartoffelhacke zu den abgeernteten Kartoffelfeldern ging und versuchte, Knollen zu finden, die dem Bauer mit seiner Rode-Maschine entgangen waren. Viel war es nie.

Gasmünzen konnte man im Laden um die Ecke kaufen. Meist hing im Vorsaal der Wohnungen der Gaszähler, auch Gasuhr genannt. In einen Schlitz musste man je nach Verbrauch von Gas eine solche spezielle Münze werfen, damit der Gaskocher oder Warmwasserspender weiter funktionieren konnte. Ohne Münze kein Gas!

Hamstern wurde unterschiedlich gedeutet. Die älteren Leser verbanden damit das Betteln und Tauschen der Städter bei den Bauern gegen Essbares in den späten 1940er-Jahren. Jüngere verbanden das Wort im ursprünglichem Sinn mit den Anlegen von Vorräten und nannten damit auch Klo-Papier.

Zodelsupp wird im Kleinen vogtländischen Wörterbuch als Suppe aus rohen geriebenen Kartoffeln (oft war es nur eine Kartoffel) beschrieben. Durch das heiße Wasser bildeten sich zähe Fäden, vogtländisch Zodeln (Haare) genannt.

Ährenauflesen war eine stachlige Angelegenheit. Was auf den Getreidefeldern nach der Ernte noch an herabgefallenen Ähren übrig geblieben war, wurde aufgelesen und zu Hause in einen kleinen Sack gesteckt und ausgeklopft. Die Körner wurden dann in der Kaffeemühle geschrotet und daraus Suppen bereitet.

Bechnitz im genannten Wörterbuch Behschnitz, auch Bähschnitz geschrieben, ist eine auf der Ofenplatte geröstete Brotscheibe. Meist wurde sie "ohne alles" mit Salz gegessen oder je nach Vorrat dünn bestrichen.

Stromsperre war meist in den Abendstunden. Manchmal wurde sie vorher angekündigt, meist aber waren plötzlich Licht und Radio aus, und wer im Kino saß, sah den "Mann im Dunklen". Ursache war der Mangel an Kohlen für die Dampfturbinen in den Elektrizitätswerken oder wegen Überbelastung.

Etliche Leser verbanden ihre Darlegungen mit dem Hinweis für gegenwärtige und weitere Generationen, Frieden zu halten, dass diese Nachkriegs-Begriffe nie wieder aktuell werden können.

Gewonnen hat Gunter Schwarz aus Plauen. Er erhält einen Zehn-Euro-Einkaufsgutschein für den "Freie Presse"-Shop. Die nächste Rätselfolge erscheint am Samstag.

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