Amt verbietet Verkauf: Hotdog-Grill ist aus

Vier Tage nach dem Start eines Hotdog-Stands ist Schluss - wegen mangelnder "Basishygiene". Der Stadt schmeckt das nicht, und Bernhard Brenk erst recht nicht: Andere dürfen doch auch!

Reichenbach.

Den Start in die Selbstständigkeit hatte sich Bernhard Brenk anders vorgestellt - vier Tage nach der Eröffnung seines Grills musste er am Donnerstag bereits wieder schließen. Was nicht an den Kunden lag. Die kamen reichlich, kauften American Hotdogs und Currywurst, mit denen der gelernte Koch aus Karlsruhe wohl in eine Marktlücke gestoßen war.

"Es tut mir echt leid für die Kunden, die haben mich prima angenommen. Aber wenn mich Ämter so willkommen heißen, dann reicht's mir." Die - das ist das Lebensmittelüberwachungsamt der Kreisbehörde, das am Donnerstag aktiv geworden war. Wie das Landratsamt mitteilt, wurde der Betrieb von Bernis Imbiss "im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes eingestellt" - aus Gründen der "Basishygiene" wegen "mangelnder räumlicher Voraussetzungen", heißt es unter Hinweis auf eine EU-Verordnung, in der Anforderungen an die Abgabe von Lebensmitteln auf Märkten geregelt sind. So sei der Schutz der "unverpackten Lebensmittel vor nachteiligen Beeinflussungen wie Berühren, Anniesen, Anhusten, Regen und Schnee ... durch drei Sonnenschirme" unzureichend. Notwendig im Hinblick auf eine Wiedereröffnung seien ein "geeigneter Verkaufsraum", eine "Zwei-Becken-Spüle mit Warm-und Kaltwasseranschluss und einem Handwaschbecken mit Warm- und Kaltwasseranschluss". Spuckschutz und Hygienekleidung seien weitere Voraussetzungen.

Das alles hätte Bernhard Brenk wissen sollen. Zwar liegt ihm eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt für Imbisswagen vor, doch er hätte sich "vor Beginn seiner Tätigkeit über gesetzliche Bestimmungen informieren" müssen. Stadtsprecherin Heike Keßler bedauert das Aus. Es sei Sache des Grillbetreibers, alle Voraussetzungen für die von der Stadt erteilte Sondernutzung zu erfüllen. Jedoch habe das Angebot die Innenstadt belebt.

Bernhard Brenk hätte sich ein moderateres Vorgehen gewünscht, das eine Übergangslösung möglich macht. "Ich starte noch einen letzten Versuch, bis zu einer möglichen Lösung fehlen aber die Einnahmen." So hat der Neu-Reichenbacher bereits Kontakt zu Vermietern fester Kioske am Kölbelschen Eck aufgenommen. "Ist die Miete nicht zu hoch, wäre das was." Der Schritt kostet jedoch nicht nur Nerven, zumal es am Postplatz Anbieter gibt, die auch nicht alle Anforderungen erfüllen. "Ich habe nichts gegen den Würstelmann. Aber er darf das, was mir verboten wurde. Wie geht das?"

Die Frage beantwortet der Landkreis so: Würstelmänner "bedienen einen jahrelangen Brauch mit Bestandsschutz". Zudem erfolge dort die Entnahme der Würste aus einem "verschlossenen" Behälter. Überdies führe er "einen Kanister mit Auslaufhahn zum hygienischen Reinigen der Hände und Seifenspender mit". Solche benutzte auch Bernhard Brenk - allerdings am nah am Grill stehenden Auto: "So hat man es mir im Gesundheitsamt gesagt. Nur das Mitführen sei nötig. Aber mit der Kontrolleurin war nicht zu reden", sagt Berni. Am Freitag hat er nächste Woche ablaufende Waren im Wert von 300 Euro an die Tafel gespendet.

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11 Kommentare
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  • 6
    4
    kopfschuettler1
    09.01.2021

    Da hätte sich jemand vorher richtig erkundigen sollen, gerade in der Coronazeit. Kein Schutz, vorne und hinten alles offen, das geht einfach nicht. Und ob das eine Marktlücke war, die er entdeckt hat, glaube ich nicht, denn es hat früher schon Currywurst am Postplatz gegeben. Es könnte auch jemand husten, wenn der Würstelmann seinen Behälter öffnet, dieses Argument mit dem Behälter ist wieder an den Haaren herbei gezogen. Man muss die Kirche schon im Dorf lassen!