Anmeldezahlen entscheiden über Zukunft

Hinter den Kulissen wird an der neuen Struktur der Berufsschulen gefeilt. Aus Dresden steht eine harte Ansage.

Plauen.

Mehr als halbiert hat sich die Zahl der Berufsschüler im Vogtland seit der Jahrtausendwende. Beim Erreichen der Mindestanzahl für eine neue Klasse gibt es immer wieder Zitterpartien - ein Kandidat ist der Gastronomiebereich in Falkenstein. Die regionale Wirtschaft bangt um Ausbildungszweige, die nach Chemnitz abgezogen werden könnten. Der Präsident der IHK befürchtet, dass es Bestrebungen geben wird, zu "straffen". Zum Jahresempfang der Interessensvertretung der Unternehmer war die Zukunft der Berufsschullandschaft ein entscheidendes Thema.

Nach außen sickert aktuell wenig. Sachsen hat die Schulnetzplanung auf Ende 2020 verschoben. Aus internen Kreisen hieß es, man habe das Thema mit Absicht auf einen Termin nach der Landtagswahl vertagt. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) besuchte vor Kurzem eine Klasse angehender Erzieher am Berufsschulzentrum Anne Frank in Plauen. Ein Ausbildungszweig, der gut läuft. Für andere gilt dies weniger. Auf die Frage, ob dem Vogtland mit dem neuen Plan der Abzug weiterer Klassen, gar Bildungsgänge droht, verwies der Minister auf die Anmeldezahlen, die darüber entscheiden. "Wir wollen nichts platt machen", sagte er. "Wir werden aber auch nichts vorhalten, wenn es dafür keine Nachfrage gibt." Künftig wird es so sein, dass bestimmte Ausbildungen an nur einem Standort in Sachsen angeboten werden. "Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch Berufsschüler aus den Städten aufs Land fahren könnten", so Piwarz. Mit Azubiticket und höherem Zuschuss für Unterbringungskosten wurden dafür Weichen gestellt.

Christoph Ulrich

Ulrichs Bilanz:Der „Freie Presse“-Wirtschaftsnewsletter von Chef­korrespondent Christoph Ulrich

kostenlos bestellen

Auch im Landratsamt wird an der Zukunft der acht Standorte in Reichenbach, Rodewisch, Plauen (2), Oelsnitz, Falkenstein, Klingenthal und Morgenröthe-Rautenkranz gefeilt. Zuletzt fiel der Schulteil Musikinstrumentenbau auf dem Klingenthaler Amtsberg per Kreistagsbeschluss vom BSZ Vogtland mit Sitz in Reichenbach dem BSZ e.o.plauen zu. Zur Erklärung hieß es, dass das Berufsbild des Musikinstrumentenbauers besser zum Profil der Plauener Einrichtung passe. Eine aktuelle Anfrage zum Thema wehrte das Landratsamt ab, verwies auf die Zuständigkeit des Freistaats beim Thema Schulnetzplanung.

Entscheidend ist aber die Zuarbeit aus den Kreisen. Aktuell lernen weniger als 3900 Schüler an berufsbildenden Schulen, ein Fünftel der Schülerschaft des Vogtlands. Doch die Zahlen stabilisierten sich. Prognosen gehen davon aus, dass 2030 etwa acht bis zwölf Prozent mehr junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahre im Vogtland leben als noch vor fünf Jahren. Das Landesamt für Schule und Bildung in Zwickau plant dennoch nicht mit steigenden Zahlen an den Berufsschulen der Region. Die Herausforderung besteht, die aktuellen zu halten, sagte der neue Behördenleiter Thomas Graupner. "Wenn die Wirtschaft die Ausbildung vor Ort halten will, dann ist auch sie gefragt, die Attraktivität und die Möglichkeiten stärker in den Vordergrund zu stellen", sagte Graupner.

Eine engere Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schulen ist im Gange. So sucht das BSZ Vogtland den Kontakt zu Gewerbeverbänden und Unternehmerstammtischen, sammelt über einen Arbeitskreis Unterstützer. Grund sei die Gewinnung von Fachkräften, heißt es in einer Pressemitteilung. Nicht zuletzt geht es aber auch um die Zukunft der berufsbildenden Schulen im Vogtland. Die Klassenbildung für das neue Jahr läuft bereits. Eine Zwischenbilanz gibt die Schulbehörde aber nicht heraus. Es besteht Sorge, was die Zahlen auslösen könnten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...