Apotheker mit Ideen: "Wir müssen reden"

Zur Eröffnung des Vogtland-Hospizes am Dienstag erntete Initiator Robert Herold viel Lob. Für den 38-Jährigen ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch eines weiß der Bauherr noch nicht: Wie er die auf fünf Millionen Euro gestiegenen Baukosten stemmen soll.

Falkenstein.

Schlange stehen im Hospiz: Robert Herold kann sich zur Eröffnungsfeier am Dienstagabend vor Gratulanten kaum retten. An die 300 Besucher sind gen Falgard-Villa in der Bahnhofstraße gepilgert, alle wollen sie dem Initiator und Bauherrn die Hand schütteln. "Ich bin überwältigt ob des Ansturms", sagt der 38-Jährige dazu.

2010 war es, als in Robert Herold die Idee reifte, im Vogtland ein stationäres Hospiz aufzubauen. Vorbild war eine solche Einrichtung in Naila, mit der der Betreiber der Falkensteiner Central-Apotheke seit 2009 zusammenarbeitete. In der verfallenen Thorey-Villa auf dem ehemaligen Falgard-Gelände in Falkenstein fand der Ellefelder ein geeignetes Objekt, in der Diakonie Auerbach einen künftigen Betreiber für das Hospiz. Denn eins war für Robert Herold immer klar: "Für etwas anderes hätte ich nicht investiert."


Dafür erntete er am Dienstag viel Lob: Als einen "Glücksfall für Falkenstein, der eine derzeitige Lücke im Gesundheitssystem des Vogtlandes schließt" bezeichnet beispielsweise Falkensteins Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) die neue Einrichtung mit zwölf Plätzen. Es sei ein großartiges, ehrgeiziges und überaus menschliches Projekt. Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), die zur Eröffnung aus Dresden angereist war: "Es ist wichtig, dass in den letzten Stunden jemand da ist." Das Thema Tod und Sterben gehöre nun mal zum Leben dazu.

Für Robert Herold liegen Leben und Sterben so eng beieinander, dass er nebst dem Hospiz auch sechs Mietwohnungen in der historischen Fabrikanten-Villa untergebracht hat. Die Mietverträge seien alle unterschrieben. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sören Voigt gibt zu, am Anfang unsicher gewesen zu sein, ob Falkenstein so etwas braucht. "Inzwischen ist das Projekt auch für mich zur Herzensangelegenheit geworden", gesteht er. Herold sei ein unermüdlicher Unternehmer, der mitunter auch eine gewisse Penetranz entwickeln könne. "Ich habe eine Idee, wir müssen reden, heißt es dann immer", sagt Voigt schelmisch.

Sven Delitsch, Vorstand der Diakonie Auerbach, der am Dienstag genau so viele Hände wie Herold schütteln durfte, sieht Herold deshalb nicht als bloßen Investor: "Er ist ein Visionär", betont Delitsch. Und Alexander Flachsbart, der zweite Diakonie-Vorstand, erklärt: "Bürger wie Herold sind sehr wertvoll für die Gesellschaft."

In Apotheker- und Ärztekreisen dürfte Robert Herold vielleicht auch als schwarzes Schaf durchgehen. Herold macht keinen Hehl daraus, was er von Riesenmargen in seiner Branche und Bestechungsversuchen aus Onkologenkreisen hält. Herolds Vision: "die Zwischenmenschlichkeit stärken". Den Kranken ein Sterben in Würde zu ermöglichen, sei die Verantwortung der Jungen gegenüber den Alten. Herold spricht vom Gegensatz Glitzer- und Unwohlwelt, wenn er von der mentalen Entfernung seiner Mitmenschen zum Thema Sterbebegleitung berichtet.

Nichtsdestotrotz ist der Apotheker ein Geschäftsmann, der rechnen muss. Und deshalb sei "der Stein noch nicht vom Herzen gefallen", wie Robert Herold angesichts der Hospizeröffnung mit Blick auf die Finanzierung seines Herzensprojektes erklärt. Aus den ursprünglich geplanten 3,2 Millionen Euro an Investitionskosten sind inzwischen fünf Millionen geworden. Herold spricht von einem gravierenden Planungsfehler. Und so kam es, dass er in den letzten Monaten einen zusätzlichen Bauleiter engagieren musste und der ursprüngliche Architekt der Einweihungsfeier trotz Einladung fernblieb. Bislang steuerten Bund, Land und Kommune gemeinsam 700.000 Euro - davon Falkenstein allein 164.000 - an Fördergeldern bei. Robert Herold hofft nun auf eine Aufstockung, ansonsten sehe er keine Chance, die zusätzliche finanzielle Last tragen zu können. Erste positive Signale aus Dresden habe er schon, jetzt komme es noch auf die Meinung der Stadträte an.

Optimismus ist also gefragt. Davon habe er genug, sagt Robert Herolds Frau Susann Herold. Egal welcher Rückschlag - ihr Mann halte kurz inne und dann gehe es für ihn weiter. Er sei einer, der immer 150 Prozent gebe, nie weniger.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...