Arbeiter übernehmen Macht in Plauen

Heimatkunde Die Novemberrevolution 1918 machte vor dem Vogtland nicht Halt. Bald aber erlahmten Eifer und Elan.

Plauen.

Revolte in Plauen: Vor 100 Jahren, am Morgen des 9. November 1918, übernimmt in der Stadt ein provisorischer Soldaten- und Arbeiterrat die Geschäfte der Militärgarnison, um die politische und militärische Macht auszuüben, wie es im tags darauf verbreiteten Aufruf heißt.

Drei Tage später schreibt die Neue Vogtländische Zeitung über das Geschehen: "Soldaten herrschten im Straßenbilde vor, sie trugen schon fast alle keine Seitengewehre mehr, ebenso fehlten ihnen die Achselklappen und die Kokarden (Abzeichen) an den Mützen." Das Geschehen wird als Novemberrevolution in die Geschichte eingehen.

"Offiziere wurden von Soldaten angehalten und zur Abgabe ihrer Degen und Entfernung der Achselstücke und Kokarden veranlasst, sonst aber nicht behelligt. Dies geschah auch in der Elektrischen", schildert das Blatt das Vorgehen gegen die der Monarchie noch treuen Militärangehörigen.

Alle Behörden von der Stadtverwaltung über Amtshauptmannschaft, Post und Bezirkskommando fügen sich dem Soldaten- und Arbeiterrat, berichtet die Presse. Der Rat ordnet an, dass alle weiterarbeiten sollen wie bisher. Straßenpatrouillen mit roten Armbinden sorgen für öffentliche Ordnung und Sicherheit. Der Amtshauptmann erklärt sich bereit, seine Geschäfte im Einvernehmen mit dem Rat weiterzuführen.

Für eine Revolution klingt das ruhig und reibungslos. Der Historiker Sönke Friedrich schreibt in seinem Buch "Der Weg zur Großstadt", dass diese Übereinkünfte einerseits eine gewisse Alternativlosigkeit der damaligen Verhältnisse spiegele. Zudem beweise sie "die vergleichsweise gemäßigte Gesinnung der Mehrheit der Arbeitervertreter in Plauen, die nur wenig revolutionären Elan erkennen ließ".

Für den 12. November 1918 rufen die Plauener Revolutionäre zum Generalstreik auf. Arbeiten sollen an dem Tag Vertreter für einen erweiterten Soldaten- und Arbeiterrat wählen. Beschäftigte der Metall- und Appretur-Industrie ziehen nach Treffs im Berg- (Rinnelberg) und Felsenschlösschen (Meßbacher Straße) unter Musik der Kapelle der 134er über Bahnhof- und Pausaer Straße zum dortigen Gewerkschaftshaus Schillergarten. Auf dem Rathaus weht ab diesem Tag die rote Fahne.

Wochen später entsteht ein Bürgerrat, der Interessen nicht nur der Arbeiter, sondern der gesamten Bevölkerung berücksichtigen soll. Vorsitzender wird Bankdirektor Franz Meyer. Der gibt sich unpolitisch. ",Unpolitisch' bedeutete in diesem Zusammenhang eine Verleugnung der sozialen Risse, die sich durch die Stadtgesellschaft zogen", so Friedrich. Am 21. Dezember folgt eine Neuwahl des Arbeiter- und Soldatenrates. 40 der 50 Sitze gehen an die Mehrheitssozialdemokraten. "Das konnte das Plauener Bürgertum als beruhigendes Zeichen werten", schreibt der Autor. Den marxistischen Sozialisten vom Spartakusbund, die im Kaiserreich die Revolution angeführt hatten, gelang es nicht, auch nur einen Kandidaten in das Gremium zu entsenden.


Ende der Monarchie: Der Kaiser dankt ab

Die Novemberrevolution 1918/19 führte in der Endphase des Ersten Weltkrieges zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen erstmaliger Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie. Die darauf folgende Phase wird heute als Weimarer Republik bezeichnet.

Die Gründe der Revolution lagen in den extremen Belastungen, die die Bevölkerung durch den mehr als vier Jahre währenden Krieg hatte erleiden und erdulden müssen, in sozialen Spannungen sowie im allgemeinen Schock über die Niederlage des deutschen Kaiserreichs.

Als unmittelbarer Auslöser gilt ein Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918. Er sah vor, die deutsche Flotte trotz der bereits feststehenden Kriegsniederlage in eine letzte Schlacht gegen die britische Royal Navy zu entsenden. Es kam zum Kieler Matrosenaufstand, der als Revolution das ganze Reich erfasste und am 9. November in Berlin zur Ausrufung der Republik führte. Wenig später folgte die Abdankungen Kaiser Wilhelms II. fp

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...