Attacke bei friedlicher Siedlerfete: Jetzt spricht das Opfer

Die Gewalt vom Wochenende gibt der Polizei immer noch Rätsel auf. Ein 31-jähriger Plauener liegt seither im Krankenhaus. Er setzt eine Belohnung für Hinweise aus.

Marco S. liegt nach dem Angriff vom Sonntag im Krankenhaus. Sein Sprunggelenk ist gebrochen. Der 31-Jährige ist geschockt von der brutalen Gewalt.

Für Sie berichtet: Gunter Niehus

Der Fuß wird heilen. Wenn auch erst in einigen Monaten, sobald Schrauben und Stahlplatten wieder entfernt worden sind. Doch bis Marco S. auch innerlich wieder gesund geworden ist, das kann länger dauern. "Ich würde so gern verstehen, was da eigentlich passiert ist", sagt der 31-Jährige. Obwohl eigentlich groß von Gestalt, wirkt er jetzt fast ein wenig klein in dem Krankenhausbett. "Nie im Leben hätte ich mit so was gerechnet", sagt S. "Doch nicht auf dem Siedlerfest!"

In der Nacht zum Sonntag wurde der 31-Jährige auf dem Veranstaltungsgelände brutal zusammengeschlagen. Im linken Fuß ist das Sprunggelenk gebrochen. Laut bisherigen Erkenntnissen der Polizei hat sich eine Gruppe von vier bis sieben Personen auf Marco S. gestürzt und ihn zu Boden geworfen. "Insgesamt waren wohl bis zu 30 Mann an der Schlägerei beteiligt", sagte gestern Polizeisprecher Christian Schünemann. Opfer hat es aber offenbar nur eins gegeben: Marco S. Gegen 1.15Uhr nachts seien die Beamten mit vier Streifenwagen beim Siedlerfest eingetroffen. Da war die Attacke schon vorbei und die Gewalttäter waren über alle Berge. "Viel mehr können wir zurzeit noch nicht sagen", so Schünemann. "Wir müssen zunächst Zeugen vernehmen. Mindestens zehn Personen stehen auf unserer Liste."

Vielleicht wird Marco S. danach wissen, was ihm da eigentlich widerfahren ist. Und vor allem, warum. "Vor rund zwei Jahren hab ich als Zeuge gegen einige Jugendliche ausgesagt, die Autos demoliert haben", erinnert er sich. War der Angriff in Sorga ein gezielter Racheakt? Oder war es blinde Brutalität und er einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Gestohlen wurde jedenfalls nichts.

Marco S. will nun eine Belohnung von 1000Euro für Hinweise aussetzen, die zur Ergreifung der Täter führen. Erkannt hat der 31-Jährige sie jedenfalls nicht. Dem Aussehen nach seien es Deutsche oder doch zumindest Mitteleuropäer gewesen. "Meine Mutter hat den Angriff gesehen und berichtet, dass sie sehr gut gekleidet waren." An solche Details kann er selbst sich nicht mehr erinnern, dazu ging alles zu schnell.

"Das ist wirklich entsetzlich", sagt Robby Keil, Vorsitzender des Siedlervereins Sorga. "Wir veranstalten unser Fest seit 20 Jahren. Aber so etwas ist noch nie passiert." Darüber werde man im Verein reden müssen. Nächstes Jahr werde es Veränderungen geben müssen.

Ob Marco S. dann wieder zum Siedlerfest kommt, ist ungewiss: "Einfach wieder unbeschwert nachts auf einem Fest unterwegs sein - zumindest im Augenblick kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen."

0Kommentare Kommentar schreiben