Aufatmen im Wohnblock Gutenfürst

Die monatelange Zitterpartie um ihr Zuhause hat ein Ende: Mieter im Block freuen sich über die neuen Eigentümer. Ruhe kehrt deshalb noch nicht ein.

Gutenfürst.

Mieterin Nicole Stiller sitzt in ihrem zukünftigen Schlafzimmer. Noch fehlen der Wanddurchbruch zu ihrer bisherigen Wohnung, Bodenbelag, Tapete. "Der neue Vermieter richtet das alles vor", erklärt sie. Vom drohenden Aus für den Wohnblock Ende April hat sich der Wind für die inzwischen 15 Mietparteien in dem Weischlitzer Ortsteil komplett gedreht.

Als Achim Pfeifer (65) und Nicole Stiller (27) auf einer Mieterversammlung des vorherigen Eigentümers, der Wohnungsgesellschaft (WBG) Plauen-Land, erfuhren, dass die WBG den Block zum Jahresende leerziehen wollte, stand für sie fest: nicht mit ihnen. Sie wollten ihr Zuhause nicht aufgeben. Dazu kam: Freie Wohnungen in Gutenfürst sind rar.

"Wer nicht kämpft, hat schon verloren", sagten sich Stiller und Pfeifer. Der 65-Jährige hielt Kontakt mit WBG-Geschäftsführer Frank Thiele und leitete Infos an Mitmieter weiter. Sie nahmen Kontakt mit der Presse auf, hörten sich nach Investoren um. Sechs Interessenten seien es gewesen. Darunter einer, den Ulrich Lupart, früherer Reuther Bürgermeister und heute AfD-Direktkandidat für den Vogtlandkreis zur Bundestagswahl, herbrachte. Stiller kennt Lupart, so die 27-Jährige, weil ihre Söhne die Reuther Kita besuchten, und rief ihn an. Doch der mögliche Investor sprang wieder ab.

Stiller kontaktierte auch Tony Gentsch von der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Splitterpartei Der dritte Weg. "Ich kenne ihn seit Jahren und sehe ihn als Menschen", erklärt Stiller und fügt hinzu: "Uns war jeder Weg recht." Auf einem von der Partei betriebenen Facebook-Profil stieß der drohende Auszug der Gutenfürster Mieter auf große Resonanz.

Dann ein Lichtblick: Pfeifer kam mit einem Mann ins Gespräch, der vor dem Block stand, wie der 65-Jährige schildert. Drei Begehungen mit ihm und verschiedenen Gutachtern hätten sie gemacht. Ergebnis: Der 1998 sanierte Block habe eine gute Bausubstanz. Der Interessent und sein Partner hätten ähnliche Objekte, zum Beispiel in Coschütz und im Plauener Umland. Dort hätten sie sich mit Mietern unterhalten, so Pfeifer - zu groß war die Angst, vom Regen in die Traufe zu kommen. Auch den Landtagsabgeordneten Frank Heidan (CDU) habe er mit ins Boot geholt.

Mitte August stand fest: Die Eigentümergemeinschaft René Bernt und Hermann Sachenbacher ist neuer Blockbesitzer. Bernt stammt aus Pegnitz, Sachenbacher von der gleichnamigen GmbH aus Pausa-Mühltroff. Am 4. September sei der Block offiziell übergeben worden, erzählt Pfeifer. Nun liefen in bewohnten und leeren Appartements Umbauarbeiten, schildert Stiller: Duschen statt Badewannen, mehr Barrierefreiheit durch weggenommene Türschwellen.

"Wir sehen Potenzial in dem Block", sagt René Bernt auf Anfrage. Den Block in Coschütz hätten sie vor drei Jahren gekauft: damals leer, heute fast voll. Der Artikel in der "Freien Presse" habe den Anstoß gegeben, sich den Gutenfürster Block mal anzusehen. Seine Bausubstanz sei gut gewesen. "Zu schade zum Wegreißen." Der Kaufpreis sei zwar höher ausgefallen als erwartet. Trotzdem schlugen er und Sachenbacher zu. Klar habe das Objekt eine spezielle Lage auf dem Land. Aber sie hätten bereits Interessenten für leere Wohnungen - und Platz für weitere Mieter.

Was noch fehlt, ist die seit Jahren geforderte biologische Kläranlage für etwa 60.000 Euro. Die WBG hatte sie nicht bis Jahresende bauen wollen. Bernt zeigt sich optimistisch: 2018 soll der Bau voraussichtlich starten.

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