Aussiedler treffen sich in Plauen

Begegnungstag findet erstmals im Vogtland statt

Von Sabine Schott

Gut die Hälfte der als Russlanddeutsche bezeichneten Aussiedler gehört der evangelischen Konfession an - ein Grund für den Begegnungstag der Aussiedler, den die evangelisch-lutherische Landeskirche am Samstag in Plauen veranstaltet. Unter dem Motto "Heilende Quellen" wird ins Vogtland eingeladen. Dabei sind Zuwanderer aus ganz Mitteldeutschland. "Wir erwarten an die 700 Gäste", sagt Friedemann Oehme, Ökumene-Beauftragte der Landeskirche.

Es sind Menschen wie Irene Böttcher. Ihr Vater war Leibwächter des letzten russischen Zaren Nikolai II. Die heute 84-jährige Deutschstämmige wurde während der Sowjetzeit ins sibirische Omsk vertrieben. 1996 siedelte Böttcher ins Land ihrer Vorfahren über. "Herr Kohl hat es erlaubt", sagt die Seniorin und kämpft mit den Tränen. Sie meint den früheren Bundeskanzler. Ein Jahr später zog Böttchers Enkelin Irina Kiseleva nach. Sie war damals 16 und sprach kein Deutsch. Heute beherrscht sie die Sprache fließend, arbeitet im Elster-Park. Ihre Eltern, der Vater Russe, leben bis heute in Sibirien. Die 37-Jährige wuchs bei ihrer Oma auf. Fühlt sie sich in der neuen Heimat wohl? "Ja", sagt sie. Auch Peter Reinhardt, seit 24Jahren mit Frau und Kindern in Plauen, ist angekommen. Geboren in Baschkirien, arbeitet er heute bei Meiser-Gitterroste in Oelsnitz und leitet einen Bibel-Hauskreis. Reinhardt sagt, dass sein Glaube ihm geholfen habe. Er besucht die Versöhnungskirche im Chrieschwitzer Hang.

Es sind nur drei von 2,5 Millionen Aussiedlern der Ex-Sowjetunion. Die meisten kamen in den 199o-er Jahren. In Plauen leben nach Schätzung von Oxana Wander, Jugendmigrationsbeauftragter der Diakonie, 100 Familien. Wie viel es im Vogtland gibt, kann Veronika Glitzner aufgrund fehlender Statistik nicht sagen. Viele hätten die doppelte Staatsbürgerschaft, so die Integrationsbeauftragte des Landkreises.

Der Begegnungstag am Samstag wird 10 Uhr mit einer Andacht in der Johanniskirche eröffnet. Die Predigt hält Landesbischof Carsten Rentzing. Ab 11 Uhr gibt es eine Festveranstaltung im Malzhaus und danach ein Programm mit Musik, Tanz und Folklore auf dem Altmarkt.

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