Badesaison hielt Retter in Atem

Gefahr Wasser: In mehr als 100 Fällen kam der Rettungszweckverband diese Saison Menschen in Freibädern und an Badeseen zu Hilfe. Die Fluten locken am Wochenende zum sonnigen Finale.

Plauen.

Überschätzung der körperlichen Kräfte, Alkohol, gesundheitliche Probleme, Strömungen im Wasser, Kreislaufprobleme in der Hitze: Die Liste, die diese Badesaison in der Region zu Einsätzen von Wasserwacht und Rettungsdienst in Freibädern, auf Campingplätzen und an Stauseen führte, ist lang. Mehr als 100 Einsätze hat es seit dem 1. Mai im Zuständigkeitsbereich des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen am und im Wasser gegeben. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau. Ein Badeunfall ging tödlich aus. In zwei Fällen konnten im Vogtland Ertrinkungsunfälle gerade noch verhindert werden, informiert Bernd Krämer auf Anfrage. Er ist ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Sowohl im Freibad Klingenthal als auch an der Talsperre Pöhl war es einmal brenzlig. Retter verhinderten Schlimmeres. An der Pöhl schaffte es der Schwimmer noch mit letzter Kraft bis ans Ufer, bevor ihm die Plauener Wasserwacht zu Hilfe eilte, berichtet Kay Hansen auf Nachfrage zu dem Fall. Er ist Leiter der Rettungswache am Stausee. Der Mann, der gesundheitliche Probleme hatte, wurde anschließend im Krankenhaus behandelt.

Nicht wenige überschätzen an der Pöhl ihre körperlichen Kräfte oder unterschätzen die Strömung auf dem Gewässer, meint der Rettungsschwimmer. Auch gesunden Menschen rät Hansen vom Suchen nach Herausforderungen am Wasser ab. "Immer wieder sehen wir Schwimmer, die eben nicht am Ufer entlang schwimmen, sondern quer über den Stausee, dabei Erschöpfung und Krämpfe riskieren", sagt Hansen. Wenn nicht gerade Niedrigwasser ist, sind es an tiefer Stelle 40 Meter bis zum Grund. "Da finden wir im Ernstfall so schnell niemanden", warnt Hansen.

Nur in einem Fall kam im Vogtland dieses Jahr jede Hilfe zu spät. Mitte Juni war es, als ein 79-jähriger Mann leblos im Badeteich Muldenberg trieb. Kräfte der Feuerwehr Muldenberg und des Rettungsdienstes zogen den Mann aus dem Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Polizei gab an, dass wohl Vorerkrankungen zu dem tödlichen Unfall führten.

An Pöhl und Pirk verschätzen sich Badende nicht selten bei der Geschwindigkeit von Segelbooten. Das Team der Rettungswache der Pöhl empfiehlt, an Stauseen stets am Ufer entlang zu schwimmen. Bis zum 15. September ist der Turm an Wochenenden besetzt, um Badenden und Wassersportlern im Notfall zu helfen. Neben gekenterten Booten, erschöpften Schwimmern und Tretboot-Besatzungen, die nicht gegen die Strömung ankamen, hielten diese Saison vor allem Wespen das Retter-Team auf Trab. Auch der Rettungsdienst registrierte vogtlandweit eine Häufung der Fälle. "Es war diese Saison extrem", bestätigt Hansen. Von 15 Wespenstichen, bei der an der Pöhl Hilfe angefordert wurde, lösten eine Handvoll gravierende allergische Reaktionen aus. Ging der Stich in Hals oder Rachen, alarmierten die Rettungsschwimmer einen Notarzt. "Wir kühlen und geben Sauerstoff, bis Hilfe eintrifft", sagt Hansen. "Ein allergischer Schock kann lebensbedrohlich werden." Neben Stürzen und Schürfwunden standen auch Einsätze wegen des Verdachts auf Schlaganfall, Kreislaufprobleme oder einer gequetschten Hand in einer Autotür an.

Jetzt steht das wahrscheinlich letzte Sommer-Wochenende vor der Tür. Das Finale der Freiluftsaison steht an. Während das Gesundheitsamt an der Talsperre Pirk den Badebetrieb vorzeitig für beendet erklärte, blieb die Wasserqualität von Pöhl und Falkenstein nach Proben ohne Beanstandung. Auch Freibäder gehen in die Verlängerung. Während das "Naddel" im Stadtteil Preißelpöhl die Pforten schloss, lockt das Bad in Haselbrunn bis Sonntag.


Aus der Retter-Statistik

Verletzungen, hauptsächlich in Folge von Stürzen, gab es 39-mal.

Akute Erkrankungen waren in 52 Fällen der Einsatzgrund.

Übermäßiger Alkoholgenuss war

in sieben Fällen ein Problem, hauptsächlich fielen dabei Jugendliche auf.

Körperverletzungen im Zusammenhang mit Gewaltdelikten wurden in drei Fällen registriert. (nij)

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