Bahn-Ausbau nach Tschechien: Segen oder trojanisches Pferd?

Der Freistaat setzt auf ein Projekt, das beim Bund durchgefallen war. Das Vogtland hofft auf mehr Fernzüge, tatsächlich geht es aber um Güterverkehr.

Plauen.

Ankündigungen zur Verbesserung der Infrastruktur kommen meist gut an. Das war auch so, als Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am 28. Februar 2018 beim Sachsengespräch in Reichenbach vom Engagement des Freistaates für ein Programm zur Elektrifizierung kleinerer Bahnstrecken sprach. Damit, so Kretschmer, könnte Landrat Rolf Keil (CDU) seinen gewünschten Ausbau von Plauen nach Cheb/Eger bekommen. Inzwischen formiert sich jedoch Widerstand. Kritiker warnen vor einem trojanischen Pferd aus Dresden.

Was dem vom Personenfernverkehr weitgehend abgekoppelten Vogtland als Belebung verkauft wird, sei tatsächlich nur "die Entlastung der Elbtalstrecke vom Güterverkehr", betont Bernhard Langnau, Vorsitzender im Kur- und Fremdenverkehrsverein Bad Brambach. "Vom Freistaat wurden und werden Millionen in die Infrastruktur der beiden Staatsbäder investiert", argumentiert er. Der massive Bahnausbau hole indes nur Lärm und Verkehr ins touristisch geprägte Elstertal.

Sachsen plane die Güterverkehrs-Entlastung im Elbtal auf Kosten des Vogtlandes, warnt Andreas Stein. Der Weischlitzer wohnt keine 40 Meter von der Bahnstrecke entfernt und ist tief in die Thematik eingetaucht. In Windeseile habe der Freistaat ein Gutachten erarbeitet und favorisiert jetzt die aufwändigste von vier Varianten: den zweigleisigen Ausbau mit Elektrifizierung. Die auf 200 Millionen Euro geschätzten Kosten dürften, wie bei Großprojekten inzwischen üblich, weit höher liegen, meint der Weischlitzer. Ein kostenintensiver Ausbau, parallel zu Hof-Selb-Asch, lohne sich nur bei einer sehr hohen Zugfrequenz. "Güterzüge im Zehn-Minuten-Takt, Tag und Nacht, in beiden Richtungen, werden dann Realität", befürchtet Andreas Stein. Die Lebensqualität im gesamten Elstertal werde so zerstört - ganz abgesehen vom immensen Ausbau-Aufwand. So seien die vorhandenen Brücken überhaupt nicht für die nachträgliche Elektrifizierung geeignet. Nur mit Brücken-Neubauten seien Oberleitungen möglich.

Im Widerspruch zu den Bemühungen in Dresden war das Projekt im Bundesverkehrswegeplan 2030 bei der Erstbewertung durchgefallen. Unter der Nummer 1-165 heißt es zum Ausbau von Plauen zur tschechischen Grenze: "Auch nach dem Ausbau wird keine Nachfrage des Schienenpersonenfernverkehrs erwartet." Damit wäre auch die Hoffnung auf mehr Fernzüge oder gar die Rückkehr des legendären Expresszuges Karlex unrealistisch.

Zugleich bewertet der Bundesverkehrswegeplan die Güterverkehrs-Kapazitäten im Elbtal als ausreichend. Der Ausbau im Vogtland sei daher "nicht wirtschaftlich" und werde nicht in die zentrale Planung der Verkehrswege aufgenommen. Warum, fragt Andreas Stein, will es der Freistaat dennoch?

Antworten könnte das vom Wirtschaftsministerium in Dresden in Auftrag gegebene Gutachten geben. Doch das bleibt vorerst unter Verschluss und soll nach der Sommerpause zunächst im Bundesverkehrsministerium erörtert werden. "Wir bitten um Verständnis dafür", sagt Referentin Kathleen Brühl aus dem Wirtschaftsministerium in Dresden, "dass wir diesen noch nicht abgeschlossenen Bewertungsprozess nicht mit öffentlichen Diskussionen über die Inhalte des Gutachtens belasten wollen."

Was meint Landrat Rolf Keil dazu, auf dessen Ausbau-Wunsch sich Ministerpräsident Kretschmer beruft? Eine "Freie Presse"-Anfrage vom 26. August könne er erst Anfang September beantworten - nach dem Termin der Landtagswahl.

Unterdessen bewerten die regionalen CDU-Landtagsabgeordneten die Pläne unterschiedlich. Während der Plauener Frank Heidan für den Ausbau wirbt, ist sein Parteifreund Andreas Heinz, dessen Wahlkreis große Teile des Elstertals umfasst, anderer Meinung. "Ich befürworte das nicht", sagte Heinz bei einer Bürgerversammlung der CDU Markneukirchen/Erlbach zum Thema zweigleisiger Ausbau.

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