Bald Stadtführungen für Gehörlose

Marvin Schaarschmidt will als Stadtführer in Plauen demnächst Rundgänge für Gehörlose und schwerhörige Gäste anbieten. Die Gebärdensprache fasziniert ihn.

Plauen.

Seine Augen sind offen aufs Gegenüber gerichtet. Den Kopf neigt Marvin Schaarschmidt leicht, während er die Finger über den Handteller wandern lässt und dabei Worte formt. "Wie geht es dir?", möchte er wissen und lächelt dazu freundlich. Gerade erst hat der 27-Jährige Grundlagen der Gebärdensprache erlernt. Demnächst will er die Fähigkeiten als frischgebackener Stadtführer in Plauen für Gehörlose und schwerhörige Gäste einsetzen. Anfragen dazu halten sich zwar in Grenzen, sagt Stadtsprecherin Silvia Weck, doch zumindest müsse man im Fall der Fälle dann keinen Extra-Dolmetscher bestellen.

Marvin Schaarschmidt, gelernter Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, sagt: "Ich liebe diese Art der nonverbalen Kommunikation." Momentan ist der gebürtige Berliner in Projekten für das Vogtlandmuseum tätig und hofft auf eine spätere Festanstellung im künftigen Textilen Zentrum im Weisbachschen Haus. Derzeit ist er arbeitssuchend, doch er ruht sich nicht aus, bildet sich weiter. Der zweimonatige Kurs an der Landesdolmetscherzentrale in Zwickau könnte eine Grundlage für mehr in dieser Richtung sein. "Es interessiert und fasziniert mich sehr", sagt Schaarschmidt. Er habe den Eindruck, dass behinderte Menschen wertschätzender miteinander umgehen. Er übt viel. Mit echten Gehörlosen kam er allerdings bisher nicht so oft in Kontakt. "Aber mein Zwickauer Dozent ist gehörlos, der war mit meinen Gebärden zufrieden", sagt Schaarschmidt, der in Plauen auch als Schauspieler bekannt ist. Als Statist hat er zum Beispiel in der TV-Serie "In aller Freundschaft" und am Kino-Kassenschlager "Tribute von Panem" mitgewirkt, der teilweise in Deutschland gedreht wurde. Zuletzt war er im Theater Plauen-Zwickau in einer kleinen Rolle in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" und im Laienstück "Heimatfront" als Soldat zu sehen.


"Zur Freude der Deutschlehrer habe ich schon immer deutlich und nicht Vogtländisch gesprochen", lacht er. Er streicht sich mit dem Zeigefinger über die Wange und lässt die Lippen anfangs überdeutlich explodieren: Beides zusammen bedeutet "Plauen". Auf Mund und Hände gleichermaßen zu schauen, ist das Aund O beim Verstehen. Kein Sinn sei bei Menschen ohne Gehör mehr ausgebildet als der visuelle. Gebärden funktionieren schneller als Lautsprache. Alles werde reduziert. Redewendungen wie "Mir fällt ein Stein vom Herzen" gibt's nicht. Dafür wird ein tiefes Durchatmen verwendet als Zeichen der Erleichterung. Was allerdings beim Gebärden üblich ist, sind Dialekte. Aber da müsse er dann passen.

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