Bauern leiden im Vogtland unter Wetter und niedrigen Preisen

Auf Sonne und Regen haben die Bauern genauso wenig Einfluss wie auf die niedrigen Preise der Lebensmittel, die sie erzeugen. In Dürrejahren sind sie Verlierer in doppelter Hinsicht.

Plauen.

Marco Eibisch, Haupterwerbslandwirt aus Neumark, geht die Freude an der Arbeit zusehends verloren. Das zweite Jahr in Folge fehlte das Wasser. Wieder konnte er nicht genug Futtervorräte für seine 30 Kühe anlegen. Wieder muss er Futterrationen mit Stroh strecken, um über die Runden zu kommen. Im Vorjahr hatte der Neumarker schon den Rinderbestand wegen Futtermangel um 20 Tiere reduziert.

Die Witterungsverhältnisse sind die eine Seite der Medaille, die Einkünfte, die ein Landwirt erzielen kann, um seine Familie zu ernähren und seinen Betrieb zu entwickeln, das andere. "Die Preise, die ich für meine Produkte bekommen kann, bewegen sich auf dem Niveau wie vor 15 Jahren. Ich kenne keine andere Branche, in der die Produktionskosten um das Doppelte gestiegen sind, die Erlöse aber auf dem niedrigen Niveau verharren." Die Politik rede immer von Nachhaltigkeit und der Stärkung kleiner Familienbetriebe, doch es passiere genau das Gegenteil. "Es macht überhaupt keinen Sinn mehr, Rinder zu halten. Der Regenwald im Amazonas wird wegen uns Europäern abgeholzt, damit der europäische Markt unter anderem mit billigem Rindfleisch beliefert werden kann", sagt Eibisch.

Die Bilanzen in den Betrieben fallen nach dem zweiten Dürrejahr ganz unterschiedlich aus, hat Thomas Recke, Pflanzenbauberater in der Plauener Service- und Informationsstelle des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie festgestellt. "Es gibt Betriebe, die sind einigermaßen zufrieden. Bei anderen sind die Erträge noch schlechter als voriges Jahr." Eines treffe aber für fast alle vogtländischen Betriebe zu: "Der Mais konnte den Wassermangel vom Frühsommer nicht mehr ausgleichen und blieb unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch beim Grünfutter fehlte oft der vierte Schnitt. Die Folge: "Ich gehe davon aus, dass die Betriebe nächstes Jahr auf den Äckern mehr Futter anbauen." Einzig die Wintergerste lieferte im Vogtland zumindest in einigen Betrieben mit mehr als 65 Dezitonnen pro Hektar passable Ergebnisse.

Qualitätsprobleme habe es bei der Braugerste gegeben, weiß Recke. Das bestätigt Julia Horn. Sie ist in der Agrargenossenschaft Bobenneukirchen für den Pflanzenanbau verantwortlich. "Braugerste und Brauweizen sind unser Anbauschwerpunkt. Der Vollkornanteil fiel dieses Jahr zu gering aus", so Julia Horn. Teilweise seien die Körner so klein, dass die Brauereien die Ernte nochmals über Siebe laufen lassen und die zu klein geraten Körnern den Betrieben als Futter zurückgeben. Die Futtervorräte für die Tiere fallen auch in Bobenneukirchen knapp aus. "Wir haben Mais zugekauft und die Triticale nicht ausreifen lassen, sondern siliert", sagt Julia Horn. Um dem Wassermangel etwas entgegenzusetzen, wollen die Bobenneukirchner Landwirte nächstes Jahr den Mais enger aussähen, damit die Reihen schneller geschlossen sind und die Sonne den Boden nicht so austrocknen kann. "Außerdem wollen wir sehen, wie wir mit Getreide-Leguminosen-Gemenge zurecht kommen", nennt Horn eine weitere Anbaustrategie gegen Hitze und Trockenheit.

Auch die Bio-Betriebe zählen zu den Verlierern der Trockenheit. "Deren Erträge sind sowieso schon geringer als bei konventionellen Betrieben. Dieses Jahr sieht das Ergebnis meist noch schlechter aus als das vorige", so Recke. Tino Wunderlich, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Oberes Vogtland kann das nur bestätigen. "Das einzige, was wir tun können, ist bei der Auswahl der Sorten darauf zu achten, dass diese gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen", so Wunderlich.

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